SPORT1-Redakteur Wolfgang Kleine war geschockt über Ayrton Sennas Tod ©

Ayrton Sennas Tod jährt sich zum 20. Mal. Am 1. Mai ließ er in Imola sein Leben. Wolfgang Kleine blickt auf die Tragödie zurück.

München - Der 1. Mai 1994. Das Formel1-Rennen um den Großen Preis von San Marino in Imola stand an. 24 Stunden zuvor lag schon Trauer über der Strecke, an diesem Tag vor 20 Jahren.

SPORT1-Redakteur Wolfgang Kleine blickt auf einen Tag zurück, der sich für immer in sein Gedächtnis gebrannt hat.

Schwarzes Wochenende

Der Österreicher Roland Ratzenberger war beim Qualifikations-Training mit 33 Jahren in seinem Simtek S941 im "Villeneuve"-Rechtsknick bei Tempo 300 in die Begrenzungsmauer gerast. Er war auf der Stelle tot.

Nur wenige Stunden später sah ich ein Foto, wie der legendäre Ayrton Senna an der Box nachdenklich ins Cockpit seines Williams schaute. Waren es Vorahnungen?

Mich beschlich ein eigenartiges Gefühl - einen Tag später geschah dann das Unfassbare. Das Grauen von Imola nahm an diesem denkwürdigen 1. Mai seinen Lauf.

Schmerzhafte Erinnerung

Erinnerungen, die schmerzen. Es sollte für mich eigentlich ein fröhlicher Tag werden. Eine Familienfeier stand an, die Sonne brannte vom Himmel.

Nach dem Mittagessen mit Gästen in einem Lokal ging's nach Hause.

Während der Besuch sich auf den Kaffee freute, schlich ich mich aus dem Raum vor den Fernseher im Arbeitszimmer. Der Grand Prix in Imola lief - mit dem damals jungen Michael Schumacher und vor allem mit Ayrton Senna, dem 41-maligen GP-Sieger aus Brasilien.

Dramatischer Tod

Es sollte ein grandioses Rennen um die WM werden. Die sechste Runde. Senna raste um 14.47 Uhr, vor Schumacher in Führung liegend, auf die Tamburello-Kurve zu. Plötzlich schoss der Wagen in die Seitenbegrenzungsmauer.

Ein Schock! Senna saß nach dem Aufprall regungslos im Auto, den Kopf nach rechts gelehnt. Die Ärzte und Rettungssanitäter rasten herbei. Nach der Erstversorgung wurde Senna dann ins Krankenhaus nach Bologna geflogen. Dort starb er an den Folgen der schweren Kopfverletzungen.

Eine Strebe der Rad-Aufhängung hatte sich, wie später erklärt wurde, durch seinen Helm gebohrt. Die Ärzte erklärten Senna nach Stunden der medizinischen Rettungsmaßnahmen in der Klinik für hirntot. Es war 18.40 Uhr. Senna wurde nur 34 Jahre alt.

Fassungslosigkeit und Entsetzen

Ich war wie paralysiert. Nicht nur ich, als im Fernseher die Nachricht bekanntgegeben wurde. Die private Feier war für mich gelaufen. Davon wollte ich nichts mehr wissen. Ich verließ das Haus und ging planlos umher.

Ein Gast, der vorzeitig die Feier verließ, erfuhr von mir die Nachricht: "Ayrton Senna ist in Imola tödlich verunglückt." Er hielt inne, machte den Motor seines Wagens wieder aus und blieb minutenlang ruhig sitzen. Erst danach fuhr er davon.

Brasilien in Trauer

In Sennas Heimat Brasilien war nach der Nachricht aus Imola das öffentliche Leben wie erstarrt. In den Fußball-Stadien verkündeten die Sprecher die tragische Botschaft. Spieler knieten während der Partie nieder, bekreuzigten sich und gedachten Sennas.

Die Zuschauer auf den Rängen nahmen ihre weißen Taschentücher, schwenkten sie und sangen. In Brasilien ein Zeichen der großen Trauer. TV-Bilder, die ich nicht vergesse.

Wie sehr Senna in seiner Heimat und auch woanders ein Idol war, zeigte die Reaktion der Passagiere des Flugzeugs, mit dem der Sarg von Italien nach Brasilien geflogen wurde.

Militärisches Geleit

Die Fluggäste der ersten Klasse ließen den Sarg zwischen den Sitzreihen platzieren.

Als die Linienmaschine den brasilianischen Luftraum erreichte, schickte Präsident Itamar Franco drei Militär-Jets zum Geleit der Passagiermaschine in die Luft. Sie begleiteten das Flugzeug bis zur Landung.

Danach ordnete Franco eine dreitägige Staatstrauer an. Beim Trauerzug in Sennas Heimatstadt Sao Paulo erwiesen der Formel-1-Legende drei Millionen Menschen die letzte Ehre.

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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