Michael Schumacher ist nach einem Skisturz im Koma. Ihn wegen des früheren Berufs als Risiko-Junkie darzustellen, ist unseriös.

Drama, Tragödie, Horror - das sind die Begriffe, die einem angesichts des schlimmen Skiunfalls von Michael Schumacher schnell einfallen.

Und natürlich stimmt das alles.

Aber dann ist da noch etwas: Der Ski-Sturz der Motorsport-Legende ist - nimmt man einen durchschnittlichen Wintersport-Tag in den österreichischen, Schweizer oder eben französischen Alpen - etwas völlig Normales.

Und auch wenn es einem angesichts der Schwere von Schumachers Verletzungen schwer über die Lippen kommt: Tausende kehren Winter für Winter mehr oder weniger schwer verletzt von einem Ausflug auf die Piste zurück.

Und mancher - auch das ist dann die in jedem Einzelfall bittere Realität - bezahlt für Sonne, Sport und Spaß sogar mit seinem Leben.

Michael Schumacher ist also - so groß, berühmt und umjubelt er in seiner Karriere als Formel-1-Superstar gewesen sein mag - in diesem Fall ein ganz normaler Mensch, der bei seinem Wintersport-Hobby aufs Böseste verunglückt ist.

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Und insofern verbieten sich auch die Spekulationen, wie sie nach dem schlimmen Unfall sofort ins Kraut geschossen waren: Schumacher bezahle nun für seine besondere Sucht nach dem Risiko.

Die Assoziation liegt natürlich nahe: Rennfahrer = Risiko-Junkie. Schumacher hat das zwar vor einigen Jahre vehement in einem Interview bestritten als er sagte: "Ich bin überhaupt nicht daran interessiert, mein Leben zu riskieren. Niemals."

Aber weil er als Pilot auf den Rennstrecken dieser Welt das Limit ausreizte und auch später - nach der Karriere - seinem Hang zu Tempo-Sportarten frönte, verhallten solche Worte ungehört.

Schumacher nun, da er um sein Leben ringt und die Welt mit ihm bangt, als vom Risiko und seiner Adrenalinsucht Getriebenen darzustellen, ist hochgradig unseriös.

Diejenigen, die das behaupten, waren weder auf der Piste dabei noch haben sie mit jenen gesprochen, die Schumacher begleiteten.

Nach allem, was man bisher weiß, stellt sich die Lage anders dar: Michael Schumacher, der einen Helm trug, war offenbar nicht einmal allzu schnell unterwegs.

Er hatte an diesem unglückseligen Tag in den Bergen über Meribel einfach unglaublich viel Pech.

Dass es den besten Rennfahrer aller Zeiten traf, ist ein Drama, eine Tragödie, der reine Horror.

Und dass es den einst schnellsten Mann der Welt ausgerechnet beim vergleichsweise harmlosen Skisport traf, ist die bitterböse Ironie des Schicksals.

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