Sebastian Vettel könnte in Indien seinen 36. Grand-Prix-Sieg feiern © getty

Der Hesse kann am Wochenende in Indien vorzeitig zum vierten Mal Weltmeister werden. SPORT1 erklärt sein Erfolgsrezept.

Von Tobias Wiltschek

München - Neun Siege, zwölf Podiumsplatzierungen und sechs Pole-Positions. Die Zahlen von Sebastian Vettel sind auch in dieser Saison wieder beeindruckend.

Nach erst 15 von 19 Rennen kann der Red-Bull-Pilot schon am kommenden Wochenende beim Indien-Grand-Prix aus eigener Kraft Weltmeister werden - zum vierten Mal in Folge.

Seine Konkurrenten ließ er in diesem Jahr regelmäßig verzweifeln, nach der Sommerpause jagte er von Sieg zu Sieg (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Auf sein Erfolgsgeheimnis angesprochen, meinte er nach dem Triumph von Singapur Ende September flapsig: "Wenn die anderen nach Hause gehen und sich die Eier in den Pool hängen, sind wir noch da, arbeiten am Auto und versuchen, noch mehr herauszuquetschen."

Der Arbeitseifer seiner Red-Bull-Crew ist sicherlich ein wichtiger Faktor für Vettels Erfolg, aber längst nicht der einzige. SPORT1 erklärt, warum der Heppenheimer der Konkurrenz so weit voraus ist.

Siegeswille

Für den Erfolg geht Vettel an die Grenzen und manchmal auch darüber hinaus. Ihm ordnet er alles unter, auf und neben der Strecke.

Wenn es sein muss, setzt er sich dafür auch über die Anweisungen seines eigenen Teams hinweg und nimmt heftige Kritik in Kauf. Beim zweiten Saisonrennen in Sepang attackierte er trotz ausdrücklichen Verbots von Teamchef Christian Horner seinen Stallgefährten Mark Webber und überholte ihn.

Die sieben Punkte, die es für den Sieg mehr gibt als für Platz zwei, waren ihm wichtiger als der Teamfrieden. Sieben Zähler werden in dieser Saison der Vettel-Dominanz wohl nicht entscheidend sein, aber das konnte er ja in Sepang noch nicht wissen. Und außer Webber hat Vettel schon längst wieder alle Teammitglieder hinter sich gebracht.

Fokussierung

Das Eier-Zitat von Singapur kann man leicht abgewandelt auch auf Vettel selbst und seine Rivalen beziehen.

Während Lewis Hamilton ständig mit seiner On-Off-Beziehung zu Pop-Sternchen Nicole Scherzinger beschäftigt ist und Fernando Alonso mehr Zeit in sozialen Netzwerken als in seinem Ferrari zu verbringen scheint, lässt sich der Deutsche durch nichts und niemanden ablenken.

Er profitiert bei den Rennen davon, dass er sich auch abseits der Grand-Prix-Strecken fast ausschließlich mit seinem Job befasst. Ohne dieses vorbildliche Arbeitsethos wäre es auch dem Talent Vettel nicht möglich, präzise wie ein Uhrwerk tausende von Runden abzuspulen.

"Sebastian gibt sich nie zufrieden. Er kriecht in jedes Detail und findet da immer noch etwas, das er perfektionieren kann", sagte jüngst Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko über den Workaholic Vettel.

Material

Wie alle Top-Piloten ist auch der jüngste Dreifach-Weltmeister der Historie auf ein optimal abgestimmtes Auto angewiesen.

In dieser Saison ist sein RB9 - die "Hungry Heidi" - nicht nur extrem schnell, sondern auch sehr zuverlässig. Lediglich in Silverstone, als ihn ein Getriebeschaden stoppte, schied er vorzeitig aus.

Außerdem dominierte sein Red Bull in dieser Saison auch auf Strecken, wo er zuvor noch nie gewinnen konnte: In Montreal und auf dem Nürburgring feierte Vettel seine ersten Siege. Sein Teamkollege Webber haderte dagegen häufig mit dem Pech und dem Unvermögen seiner Crew.

In Schanghai ging ihm im Qualifying das Benzin aus, ehe er im Rennen ein Rad verlor. Auch auf dem Nürburgring wurde ein Rad nicht richtig befestigt. Es löste sich noch in der Boxengasse und verletzte einen Kameramann. In Singapur schied er mit einem Motorschaden aus.

Hans-Joachim Stuck bezeichnete den Australier in einer seiner SPORT1-Kolumnen als "arme Sau". Der ehemalige Formel-1-Pilot ist sich sicher: "Bei einem Team mit einer klar definierten Nummer 1 bekommt die auch immer das bessere Material."

Die Vorkommnisse in diesem Jahr lassen vermuten, dass dies auch auf Red Bull zutrifft.

Umfeld

Vom Rennfahrer Vettel sind schon tausende Fotos geschossen worden, vom Privatmann Vettel existieren in der Öffentlichkeit nur sehr wenige Bilder.

Das hat einerseits damit zu tun, dass er sich der Kommunikation in sozialen Netzwerken nach wie vor standhaft verweigert.

Andererseits schafft er es seit Beginn seiner Formel-1-Karriere, Beruf und Privatleben strikt zu trennen.

Über seine zwei älteren Schwestern und seinen jüngeren Bruder weiß die Öffentlichkeit so gut wie nichts. Und von seiner Freundin Hanna ist nicht viel mehr bekannt, als dass sie Vettel schon seit gemeinsamen Schulzeiten kennt und Textildesign studiert.

Sie hält sich dezent zurück, ist nur sehr selten auf den Rennstrecken anzutreffen und lässt ihren Freund das machen, was er am besten kann: erfolgreich Rennen fahren.

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