Beim Monaco-GP zierte ein Pin-up-Girl den Helm des Red-Bull-Piloten © getty

Helmdesigner Jens Munser hat an Vettel seine helle Freude. Für den sind die Helme mehr als nur eine lebenswichtige Kopfbedeckung.

München - Es fing vor 18 Jahren mit einer Krabbe an.

Der kleine Kartfahrer Sebastian Vettel machte große Kinderaugen, als er seinen neuen Helm erstmals in den Händen hielt. Da lachte ihn doch

tatsächlich die Disney-Figur "Sebastian, die Krabbe" an. Designer Jens Munser aus Salzgitter hatte dem achtjährigen Motorsport-Talent den Kopfschutz besprüht - und damit eine Leidenschaft entfacht, die bei dem Heppenheimer auch als dreifacher Formel-1-Weltmeister nicht erloschen ist.

Egal ob Pin-up-Girl, Blinklicht oder eine Botschaft an die Opfer von Fukushima: Vettel liebt es, seine Fans mit ständig wechselnden Motiven auf dem Helm zu überraschen.

Nur Rennsport-Ikone Niki Lauda wird es langsam ein bisschen viel.

Nach jedem Sieg ein neues Modell

"Wir probieren immer wieder neue Sachen aus", sagt Munser: "Der Fahrer ist beim Design des Helmes eigentlich sehr frei, er braucht niemanden zu fragen. Deshalb lieben es die Fahrer, Spielraum zu haben. Sebastian ist immer offen für verrückte Ideen."

In der durchgestylten Welt der Formel 1, wo sonst alles bis ins kleinste Detail geregelt ist, bedeutet der Helm für die PS-Profis den letzten Funken Individualität.

"Es ist lustig. Was das Design betrifft, bin ich eigentlich sehr traditionell", sagt Vettel, der nach jedem Sieg ein neues Modell einfordert: "Ich ändere es zwar oft, was den Schluss nahe legt, dass ich nicht traditionell bin, aber der Design-Prozess macht mir mehr Spaß als der Wechsel."

Hohe Ansprüche an den Designer

Per Telefon und E-Mail basteln Vettel und Munser so lange an neuen Skizzen, bis beide Perfektionisten zufrieden sind.

Auch in persönlichen Treffen macht Vettel, der am Sonntag in Indien zum vierten Mal in Serie Weltmeister werden kann, seine Wünsche immer wieder klar (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Der Red-Bull-Pilot sei ein anspruchsvoller Kunde, sagt Munser.

Formel-1-Stars stehen Schlange

Der heute 43-Jährige begann seinen Aufstieg zum einflussreichsten Helmdesigner der Königsklasse 1989 im Keller seiner Eltern, als er langweilige Kopfbedeckungen zu veredeln begann.

Schnell machte er sich in der Szene einen Namen - schließlich meldete sich der große Michael Schumacher bei Munser.

Der Rekord-Weltmeister verhalf dem ehemaligen Anlagentechniker von VW zum Durchbruch.

Heute sprüht, reibt und kratzt Munser auch an Modellen für Fernando Alonso, Felipe Massa, Nico Rosberg, Nico Hülkenberg, Adrian Sutil, Marc Webber und Daniel Ricciardo.

Ständig entstehen im nördlichen Harzvorland neue Motive und Farbkombination.

Anfragen aus aller Herren Länder

Für Munser sind die Wünsche der Profis ein gutes Geschäft.

Mittlerweile hat er neun Angestellte und verkauft seine Helme in die ganze Welt.

Besonders viele Anfragen erreichen den Niedersachsen aus China und Russland.

"Es ist erstaunlich, wie viele Menschen zu viel Geld haben. Und das sind unsere Kunden", sagt Munser, dessen Designs - ohne Helm - zwischen 800 und 2000 Euro kosten.

Spezialeffekt beim Monaco-Helm

Doch am liebsten bastelt er an Modellen für seinen prominentesten Kunden.

"Eines der Highlights war der 2012er Singapur-Helm von Vettel, der hat uns eine Menge Aufmerksamkeit eingebracht", erzählt Munser in seiner Schatzkammer, in der er besondere Exponate ausgestellt hat.

Auf dem Deckel des Helmes blinkten kleine Lämpchen und sorgten damit beim Nachtrennen für einen aufsehenerregenden Effekt. Vettel fühlte sich wie eine "Disco-Kugel".

Für Erregung sorgte Vettels Monaco-Helm, auf dem sich ein Pin-Up-Girl bei zunehmender Temperatur langsam entblößte.

"Ein Thermolack macht das möglich", sagt Munster, der aufgrund des Jugendschutzes an pikanten Stellen Sternchen platzierte.

Lauda für maximal ein Design pro Jahr

Während Vettels Leidenschaft für ausgefallene Helm-Designs bei seinen Fans immer wieder für Jubel sorgt, sind Puristen nicht ganz so begeistert.

So plädiert Formel 1-Legende Niki Lauda, dessen Kopf stets rot bedeckt war, für maximal ein Helmdesign pro Jahr: "Wenn die ständig neuen Helme verboten werden, finde ich das gut. Selbst ich kann die Fahrer ja kaum noch unterscheiden", sagt der Österreicher.

Vettel und Munser aber sind da ganz anderer Meinung.

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