Alonso (l.) und Hamilton fuhren 2007 noch zusammen für McLaren © imago

Hamilton und Alonso fahren Vettel weiterhin hoffnungslos hinterher. Die Gründe dafür suchen beide nicht bei sich selbst.

Von Tobias Wiltschek

München - Den provokanten Spruch nach seinem Sieg in Singapur hätte sich Sebastian Vettel sicherlich sparen können.

Klar, dass sich die Rivalen nicht gerne nachsagen lassen, sie würden ihre "Eier in den Pool hängen", während Red Bull Tag und Nacht am Erfolg arbeite.

Das hat vor allem Mercedes-Fahrer Nico Rosberg vor dem Großen Preis von Südkorea deutlich gemacht - gegenüber Vettel und in aller Öffentlichkeit (NEWS: Rosberg attackiert Vettel).

Auf der anderen Seite müssen die Konkurrenten des Heppenheimers einsehen, dass ihnen tatsächlich einiges zum souveränen WM-Spitzenreiter fehlt (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Vettel fehlerlos

Der Grand Prix auf dem Korea International Circuit (Bericht) am vergangenen Wochenende diente dafür als geradezu perfekter Beweis.

Während Vettel in seinem RB9 die gesamte Distanz fehlerlos abspulte, wurden seine Rivalen immer wieder von Rückschlägen getroffen (DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis).

Rosberg haderte mit seinem Frontflügel, der plötzlich absackte und ihn zu einem langen Boxenstopp zwang. Silberpfeil-Kollege Lewis Hamilton hatte wieder einmal Probleme mit den Reifen, und Fernando Alonso forderte nach seinem sechsten Platz gleich ein komplett neues Auto.

Allein mit Pech ist diese Vielzahl von Problemen nicht zu erklären.

Die heruntergebrochene Nase bei Rosberg ist eindeutig ein Materialfehler, was den Deutschen genauso nervte wie Niki Lauda, den österreichischen Aufsichtsratsboss des Teams.

Rosberg flucht, Lauda schimpft

"Immer passiert irgendetwas", fluchte Rosberg, und Lauda schimpfte: "Man verliert immer wieder unnötig Punkte. Das darf nicht passieren."

Wie weit derzeit Anspruch und Wirklichkeit bei den unterlegenen Vettel-Rivalen auseinanderklaffen, beschrieb keiner so treffend wie Hamilton.

"Es ist wirklich eigenartig", sinnierte der Brite: "Fernando und ich kämpfen da um Platz fünf. Wir sind eigentlich ein anderes Kaliber Wir sollten ganz vorne stehen und um die WM fahren."

Doch in Südkorea war selbst Sauber-Pilot Nico Hülkenberg schneller als die beiden Ex-Weltmeister.

Seinen Frust ließ Hamilton vor allem an Vettel ab, dessen Dominanz er für einschläfernd hielt. Außerdem lobte er einmal mehr seinen ehemaligen Erzfeind Alonso - und nicht Vettel - als den schnellsten Piloten.

Dazu warf er vor dem Südkorea-GP Vettels Team indirekt Betrug vor. "Vielleicht arbeiten sie mehr Stunden, als erlaubt ist, wer weiß", fragte er in Yeongam in eine Runde von Kamera-Teams.

Hamiton rudert zurück

Offenbar aufgeschreckt vom öffentlichen Wirbel, den seine Tiraden ausgelöst hatten, ruderte er zurück.

"Ich fühle mich verpflichtet, meine Gedanken klarzustellen. Sebastian ist ein großartiger Champion", twitterte der Weltmeister von 2008: "Er ist ein toller Mensch, humorvoll und bescheiden. Er verdient jeden Erfolg."

Wieviel Aufrichtigkeit hinter diesen Aussagen steckt, ist freilich nicht zu eruieren. Fakt aber ist, dass Hamilton schon lange unter Vettels Triumphen leidet. Schließlich lässt sich das Duo gut vergleichen, weil beide seit 2007 in der Formel 1 fahren.

Bei diesem Vergleich schneidet der Engländer deutlich schlechter ab. Vettel hat ihn 2010 als jüngsten Weltmeister der Geschichte abgelöst, mittlerweile zwei WM-Titel und zwölf Grand-Prix-Siege mehr als der zwei Jahre ältere Rivale.

Hamiltons Kumpel Alonso wandte sich in seinem Frust derweil an sein Team und Reifenhersteller Pirelli.

Alonso fordert anderen Rennwwagen

Man brauche ein neues Auto, forderte der Ferrari-Pilot nach seinem sechsten Platz in Yeongam von der Scuderia. Grund dafür war eine Szene aus der 26. Runde, als er von Mark Webber im Red Bull überholt wurde.

"Für solche Kurven brauchen wir eine andere Kategorie von Auto", wurde der Spanier von "ESPN" zitiert, ohne dass er dabei näher auf seine Vorstellung einging.

Auch über die wieder sensibler gewordenen Reifen regte sich Alonso auf. Sie seien einfach zu schlecht für die Formel 1. Die Antwort von Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery kam prompt und heftig.

"Lass dir doch vom demnächst viermaligen Weltmeister erklären, wie man richtig damit umgeht", konterte der Brite.

Um Vettel im kommenden Jahr wieder herausfordern zu können, muss sich bei den Rivalen aber nicht nur der Umgang mit den Reifen verbessern.

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