Nico Rosberg (l.) hat in der Formel-1-Wertung 122 Punkte Vorsprung auf Sebastian Vettel
Nico Rosberg (l.) gewann in seiner Karriere bislang drei Formel-1-Rennen © getty

Nico Rosberg kontert den verbalen Vorstoß des Weltmeisters. Vettels Aussagen seien "abgehoben" und gehörten sich nicht.

Yeongam - Nico Rosberg hat Sebastian Vettel Arroganz vorgeworfen und kann die Pfiffe gegen den Formel-1-Dominator gut nachvollziehen.

"Abgehoben" und "respektlos" fand Rosberg die jüngsten Kommentare des Heppenheimers.

Und einmal im Angriffs-Modus, ging der Mercedes-Pilot bei "Sky" sogar noch weiter:

"Er handelt sich natürlich auch diese Buhrufe selber ein", sagte der 28-Jährige - denn die Ablehnung Vettels durch einige Fans sei selbstverschuldet, das Ergebnis der eigenen Aussagen.

Red Bull tüftele noch am Auto, "wenn die anderen die Eier schon in den Pool hängen", hatte WM-Spitzenreiter Vettel nach seinem Sieg in Singapur gesagt, nachdem er sich erneut viele Pfiffe aus dem Publikum anhören musste.

Unverständnis für Vettels Verbal-Angriff

Im Fahrerlager beim Großen Preis von Südkorea (1. Training Fr., 6 Uhr im TV auf SPORT1) ist Vettels kleiner Satz ein goßes Thema, denn er klang respektlos.

"Das kann er doch nicht wissen", sagte Rosberg, "wie fleißig wir sind im Vergleich zu der Truppe von denen. Wir geben Vollgas. Ich denke, er sollte sich weniger Gedanken über meine Eier machen. Fakt ist, dass mein Team sich den Hintern abarbeitet."

Auch andere Fahrer wiesen, deutlich ruhiger als der Mercedes-Pilot, darauf hin, dass auch im eigenen Team durchaus gearbeitet werde.

Rosberg dagegen fühlt sich und sein Team angegriffen und geht in die Offensive: "Ich hätte ihm in Singapur um ein Haar die Pole-Position weggeschnappt, da hätte ich schön drüber gelacht - und geschlagen haben wir ihn in diesem Jahr auch schon."

Weltmeister relativiert seine Aussagen

Der Wahlmonegasse will nun das Gespräch mit Vettel suchen.

Dessen Anerkennung innerhalb der Formel 1 leide "ganz klar" unter derartigen Aussagen, sagte er und verschränkte die Arme.

Nur Minuten vor Rosbergs Ausbruch hatte Vettel vor den versammelten Journalisten in der Red-Bull-Hospitality gesessen, zumindest für eine öffentliche Entschuldigung sah er dabei keinen Anlass.

"Ich war ein bisschen enttäuscht, weil ich glaube, dass es etwas falsch dargestellt wurde", sagte der 26-Jährige: "Es ging mir nicht darum, die anderen anzugreifen. Ich wollte klarmachen, dass unser Erfolg nicht aus dem Nichts kommt. Wir sind eines der fleißigsten Teams."

Kehrseite des Erfolgs

Der Heppenheimer muss derzeit recht viel einstecken, es ist die Kehrseite des Ruhms.

In der WM führt er mit 60 Punkten Vorsprung auf den zweitplatzierten Fernando Alonso im Ferrari, sein vierter Titel in Folge ist wohl nur noch Formsache.

Seine Siege bei den vergangenen drei Rennen wurden jedoch begleitet von den deutlich hörbaren Buhrufen und Pfiffen bei der Siegerehrung.

Zudem hält sich hartnäckig das Gerücht, der Erfolg fliege ihm im starken Red Bull zu.

Auch unter diesem Eindruck waren die Singapur-Aussagen wohl zu Stande gekommen, die in ihrer Schärfe eher untypisch für Vettel waren.

Die Buhrufe, sagt Vettel nun erneut, wolle er nicht zu wichtig nehmen: "Es haben ja nicht alle gebuht. Das waren vor allem Ferrari-Fans, die einfach enttäuscht waren."

Vettel amüsiert sich über Betrugsvorwurf

Einem weiteren heiklen Thema der letzten Tage begegnet der Red-Bull-Pilot derweil mit einer Menge Ironie.

"Hier in Südkorea", sagt er lächelnd, "wird die Traktionskontrolle nicht so entscheidend sein. Es könnte also ganz schön schwierig für mich werden."

Der frühere Formel-1-Teamchef Giancarlo Minardi hatte den Hessen nach Singapur angesichts der Überlegenheit verdächtigt, die verbotene Beschleunigungshilfe zu verwenden.

Bereits am Mittwoch hatte der Automobil-Weltverband FIA in Person von Rennleiter Charlie Whiting diese recht gewagten Mutmaßungen aber klar zurückgewiesen.

Die Traktionskontrolle wird kein Thema mehr sein für Vettel - anders als der Streit mit Rosberg.

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