Sebastian Vettel gewann in seiner Karriere bislang 33 Formel-1-Rennen © getty

Der ungeliebte Dominator erhält vor dem Korea-GP skurrile Ratschläge vom Pirelli-Boss. Ecclestone nimmt den Champion in Schutz.

Von Christoph Lother

München - In Monza gewonnen und ausgepfiffen, in Singapur gewonnen und ausgepfiffen - und in Yeongam?

Vor dem Grand Prix von Südkorea (1. Training Fr., 6 Uhr im TV auf SPORT1) fragt sich die Formel-1-Welt nicht nur, ob Dominator Sebastian Vettel seinen achten Saisonsieg einfährt.

Es geht auch darum, was geschieht, wenn er der ohnehin schon verstimmten Anhängerschaft seiner Konkurrenz ein weiteres Mal in die Suppe spuckt.

Die Dominanz des Heppenheimers ist derart erdrückend, dass sie nicht nur jede Menge Missgunst in seinem Umfeld hervor-, sondern darüber hinaus auch noch den einen oder anderen Hobbypsychologen auf den Plan ruft.

Durch Niederlagen Sympathien gewinnen?

"Sebastian wird nur wieder beliebt, wenn er anfängt zu verlieren", sagte Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery angesichts der jüngsten Ereignisse nun der "Bild".

Der Brite riet Vettel gleich noch: "Er muss sich bei einer Niederlage hinstellen, trotzdem lachen und demütiger werden."

Schließlich entscheide "die Art, wie er mit Niederlagen umgeht, wie die Leute ihn weiterhin bewerten". Und: "Niemand liebt einen schlechten Verlierer."

Einen überlegenen Gewinner aber auch nicht, wie die Pfiffe gegen Vettel beim Großen Preis von Italien Anfang September und beim Nachtrennen in Singapur zwei Wochen später gezeigt haben.

Ecclestone stärkt Vettel den Rücken

"Das sind hauptsächlich die Ferrari-Fans, die ihre eigene Marke über alles lieben und es nicht verkraften, dass Seb sie besiegt", sagte Formel-1-Boss Bernie Ecclestone mit Blick auf die Schmähungen gegen den Dreifach-Champion in der "Sport Bild" und führte aus:

"Das kennen wir doch schon. Das war bei Michael Schumacher auch so, als er noch keinen roten Anzug anhatte."

Er solle sich aus den Schmähungen der Ferraristi nichts machen, riet Ecclestone dem WM-Spitzenreiter: "Er sollte die Pfiffe als Lob verstehen. Sie sind der Beweis dafür, wie gut er ist."

Angesichts Vettels enormen Vorsprungs von 60 Punkten gegenüber dem in der Fahrer-WM aktuell zweitplatzierten Fernando Alonso sagte Ecclestone sogar:

"Er ist der Einzige, der seinen Job im Moment richtig macht."

Betrugsvorwurf von Minardi

Bisweilen macht Vettel seinen Job sogar so gut, dass er und sein Red-Bull-Team sich offenen Betrugsvorwürfen ausgesetzt sehen (Bericht).

So schrieb der einstige Minardi-Gründer Giancarlo Minardi nach Vettels Triumph in Singapur auf der offiziellen Internetseite seines ehemaligen Formel-1-Teams:

"Was mich am meisten überrascht hat, war das Motorengeräusch. Es klang anders als die übrigen Renault-Triebwerke - und ähnlich wie frühere Motoren, als die Traktionskontrolle noch verwendet wurde."

Er wolle niemanden beschuldigen, versicherte der 66-Jährige zwar.

Indirekt warf er Vettel und dessen Team damit aber eine Verwendung der seit 2008 verbotenen Beschleunigungshilfe vor.

Es ist nur eine von vielen Spitzen, die sich der 26-Jährige auf seinem Weg zum vierten WM-Titel in Folge derzeit gefallen lassen muss.

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