Vettel (l.) wurde bislang dreimal, Schumacher siebenmal Weltmeister © SPORT1

Sebastian Vettel nähert sich seinem vierten WM-Titel. SPORT1 und Hans-Joachim Stuck stellen ihn dem Rekordweltmeister gegenüber.

Von Christoph Lother

München - Alain Prost, Juan Manuel Fangio, Michael Schumacher - und bald schon Sebastian Vettel?

Sollte der Heppenheimer in diesem Jahr seinen vierten Weltmeister-Titel einfahren, würde er in einen elitären Kreis vorstoßen.

Viermal Weltmeister. Das gelang bisher erst drei Piloten, der Creme de la Creme der Formel 1 sozusagen. Vettel will der Vierte sein. Und das mit gerade einmal 26 Jahren.

Vielerorts gilt der Red-Bull-Pilot bereits als bester Rennfahrer aller Zeiten, weitere Trophäen und die Ablösung von Schumacher als Rekordweltmeister scheinen nur noch eine Frage der Zeit.

Alter spricht für Vettel

Doch kann Vettel sein eigenes Idol, das Aushängeschild des deutschen Motorsports, den langjährigen Seriensieger, ja fast schon Alleinunterhalter der Königsklasse, tatsächlich vom Thron stoßen?

"Generell traue ich Vettel das zu", sagt der ehemalige Formel-1-Pilot Hans-Joachim Stuck im Gespräch mit SPORT1: "Er steht ja fast noch am Anfang seiner Karriere und kann noch lange fahren."

Einen sofortigen Durchmarsch des Heppenheimers erwartet Stuck aber nicht: "In absehbarer Zeit kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Fahrer siebenmal Weltmeister wird."

91 Siege für Schumacher

Soll heißen: Vorerst darf sich Schumacher noch als unumstrittene Nummer eins in der mittlerweile 63-jährigen Geschichte der Königsklasse feiern lassen.

Und die Rekorde, die der inzwischen 44-Jährige im Laufe seiner Karriere aufgestellt hat, wollen erst einmal gebrochen werden.

91 Siege und insgesamt 155 Podestplätze fuhr Schumacher bei seinen 307 Starts in der Formel 1 heraus, 68-mal ging er von Startplatz eins aus ins Rennen.

Vettel brachte es in seinen bisherigen 112 Grands Prix auf 31 Siege, 54 Podiumsplatzierungen und 39 Pole Positions.

Generationenübergreifender Vergleich schwierig

Doch die Statistik allein macht einen Fahrer noch nicht zur Legende.

"Die nackten Zahlen kann man zwar vergleichen. Was die wirkliche Leistung und die Erfolge der beiden betrifft, ist das aber schwierig", sagt SPORT1-Kolumnist Stuck.

"Die jeweiligen Zeiten und äußeren Umstände sind einfach zu unterschiedlich", erklärt Stuck und führt aus:

"Wenn ein Schumacher beispielsweise nachts davon geträumt hat, seinen Frontflügel umzubauen, konnte er das am nächsten Tag tun und ihn umgehend testen. Einem Vettel ist das nach dem heutigen Reglement nicht möglich."

Stuck: Schumi wie Alonso

Was sich aber sehr wohl - auch generationenübergreifend - vergleichen lässt, ist der jeweilige Fahrstil der beiden Deutschen.

"Schumacher ist ein richtiger Vollblut-Racer", sagt Stuck: "Er ist ein Typ, ein Kämpfer - ähnlich wie Fernando Alonso."

Vettel sei zwar auch ein Kämpfer, "aber nicht so der typische Rennfahrer", meint Stuck: "Er ist sehr besonnen und arbeitet strikt nach Plan, nicht aus dem Bauch heraus."

Neue Motoren - neue Verhältnisse?

Bei Red Bull ging diese vergleichsweise brave Taktik Vettels bislang voll und ganz auf. Ob es dabei bleibt, muss sich erst noch zeigen.

"Man muss erstmal abwarten, wie sich das neue Motorenreglement auf die Formel 1 auswirkt", sagt Stuck mit Blick auf die geplante Einführung des Turbo-Motors ab 2014.

Außerdem sei Red Bull sehr von seinem Chefingenieur Adrian Newey abhängig, wie Stuck findet:

"Sollte Newey eines Tages - aus welchen Gründen auch immer - nicht mehr weiter machen, könnte es für das Team Probleme geben."

Alonso und Mercedes als Konkurrenten

Künftig wieder mehr Probleme bereiten dürften Vettel und dessen Rennstall nach Ansicht von Stuck auch die zuletzt abgehängten Rivalen von Ferrari und Mercedes.

"Alonso wird Vettels härtester Konkurrent bleiben", sagt der 62-Jährige und fügt hinzu: "Auch bei Mercedes geht es vorwärts. Die können und wollen sich keine weitere Schlappe erlauben."

Alleingänge a la Schumacher, der sich 2001 bereits fünf und 2002 sogar sechs Rennen vor Saisonende zum Champion gekürt hatte, kann sich Stuck in naher Zukunft demnach nicht mehr vorstellen (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

"Ferrari für jeden Piloten ein Reiz"

Durchaus vorstellen kann sich Stuck stattdessen aber einen Wechsel Vettels zum Red-Bull-Dauerrivalen Ferrari.

"In den kommenden Jahren sehe ich Vettel bei Red Bull, zumindest so lange er Ferrari auf Distanz halten kann", sagt Stuck.

Generell sei das Traditionsteam aus Italien aber "für jeden Piloten ein Reiz. Da würde jeder gerne mal fahren."

Alpennest statt Mördergrube

Zugleich würde Vettel so dem Weg seines einstigen Vorbilds folgen.

Auch Schumacher hatte seine ersten zwei WM-Titel noch mit Benetton gewonnen, ehe er sich bei der Scuderia einer neuen Herausforderung stellte.

Ob Vettel für die von großen Emotionen geprägte Ferrari-Welt auch wirklich geeignet ist, wagt Stuck allerdings zu bezweifeln:

"Bei Ferrari wird man genauso schnell in den Himmel gelobt wie man in die Verdammnis geschickt wird", sagt er und folgert:

"Vielleicht ist Vettel in seinem österreichischen Alpennest besser aufgehoben als in dieser Mördergrube."

Titel gibt's schließlich nicht nur dort zu gewinnen.

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