Daniel Ricciardo wartet in der Formel 1 noch auf seine erste Podiumsplatzierung © getty

Der Wechsel von Ricciardo zu Red Bull ist nur noch eine Frage der Zeit. Mit ihm bekommt Vettel den Anti-Webber zum Teamkollegen.

Von Tobias Wiltschek

München - Am kommenden Wochenende ist es noch nicht so weit.

Motorsportchef Helmut Marko dementierte Meldungen, wonach Daniel Ricciardo schon beim anstehenden Grand Prix von Belgien (Training, Fr., ab 9.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) als neuer Teamkollege von Sebastian Vettel bei Red Bull vorgestellt wird (News).

Doch spätestens seit den geplatzten Verhandlungen der "Bullen" mit Lotus-Star Kimi Räikkönen ist die Bekanntgabe des Wechsels von Ricciardo von Toro Rosso zu Red Bull wohl nur noch eine Frage der Zeit ( 576155 DIASHOW: Das Fahrerkarussell ).

Abschied aus der Formel 1

Auf den Australier Mark Webber, der sich mit Vettel häufig duellierte und Ende Juni seinen Wechsel von der Formel 1 zur Langstrecken-WM bekanntgegeben hatte, folgt also wieder ein Australier.

Doch damit sind die Gemeinsamkeiten der beiden Rennfahrer im Großen und Ganzen bereits aufgezählt.

Im Gegensatz zum nachdenklichen und introvertierten Webber ist der 24-jährige Ricciardo eine Frohnatur, der immer einen kessen Spruch auf den Lippen hat.

"Das war ein Witz"

Vor seinem ersten Rennen für Toro Rosso bei seinem Heim-Grand-Prix in Melbourne 2012 flachste er bei SPORT1: "Ich bin mehr als bereit. Vielleicht sogar ein bisschen zu sehr bereit. Nein, das war ein Witz. Ich freue mich irrsinnig drauf."

Diese Lockerheit hat sich der Sonnyboy aus Down Under bewahrt, auch wenn er zu den wohl wenigen Australiern zählt, die nicht mit einem Surfbrett umgehen können - auch ein Unterschied zu Webber. Der 36-Jährige entspannte sich nach hektischen Formel-1-Wochenenden gerne in den Fluten.

Ricciardo, der es in bislang 41 Formel-1-Rennen auf 21 WM-Zähler brachte, kann dagegen gar nicht genügend Lärm ausgesetzt sein. "Ich mag es, auf Konzerte zu gehen. Das gehört zu den Dingen, die ich tue, um zu entspannen", sagte er bei "GPUpdate.net".

Punkrock-Fan Ricciardo

Sein Lieblingsgenre? "Punk: New Found Glory war die erste Punk-Band, die ich verfolgt und gemocht habe, als ich in der High School war. Sie wecken eine Menge gute Erinnerungen."

Auch an den Rennwochenenden gibt es für Ricciardo mächtig was auf die Ohren. "An der Strecke höre ich normalerweise ein bisschen was Heftigeres für die Rennen, wie Parkway Drive oder Alexisonfire", berichtet der Australier. "Ein bisschen Geschrei ist dabei, um mich hochzupushen."

Nur beim Kampf um die Startplätze wird der Punk-Freak zum Softie: "Während des Qualifyings höre ich vielleicht etwas Entspannteres, damit ich nicht zu aggressiv bin."

Ansonsten aber kann sich Ricciardo, der auch ein glühender Fan von Manchester United ist, durchaus für Aggressivität begeistern.

Leidenschaft für Martial Arts

"Ich mag die UFC (Ultimate Fighting Championship, Anm. d. Red.). Ich bin danach ein bisschen verrückt geworden", erklärt er seine Leidenschaft für Mixed Martial Arts und verrät: "Ich habe ein bisschen geboxt, als ich jünger war. Ich hatte also immer ein bisschen Interesse an der Technik."

Seinem neuen Teamkollegen wird er freilich etwas zahmer begegnen. "Auf gewisse Weise ist er schon ein Vorbild", zeigte er bei SPORT1 im vergangenen Jahr schon großen Respekt vor Vettel: "Er hat das ganze Programm beim Red Bull Junior-Team durchlaufen. Dann der erste Grand-Prix-Sieg mit Toro Rosso."

"Würde nach seinen Regeln spielen"

Wie Vettel Weltmeister zu werden, sei auch für Ricciardo der große Traum: "Er hat das hinbekommen. Er hat mir gezeigt, dass das geht. Es ist möglich, du musst nur gut genug sein."

Einstweilen wird er sich aber mit dem zementierten Status als Nummer 2 hinter Vettel anfreunden müssen. Dessen ist er sich bewusst.

"Auch ich will gewinnen", sagte der ambitionierte Ricciardo vor einigen Wochen in der "Sport Bild": "Wenn allerdings der Punkt in der Saison gekommen wäre, wo er mir klar in den Hintern getreten hat, dann würde ich nach seinen Regeln spielen."

Mit dieser Aussage unterscheidet er sich wohl am deutlichsten von seinem Vorgänger und Vettel-Intimfeind Webber.

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