Nach drei Vize-Titeln wird Nigel Mansell 1992 im Williams-Renault Weltmeister © getty

Der "Löwe" verkauft heute Autos und hat ein eigenes Museum. Ein Reifenplatzer kostet ihn 1986 den WM-Titel, den er erst 1992 holt.

Köln - Der Mann, den sie den "Löwen" nannten, lässt es in diesen Tagen ruhiger angehen.

Wer Nigel Mansell am Donnerstag zu seinem 60. Geburtstag gratulieren will, kann auf der Insel Jersey sein Glück versuchen, in der Steueroase mitten im Ärmelkanal.

Dort lebt der Formel-1-Weltmeister von 1992, dort führt der einst schnellste Mann der Königsklasse einen Gebrauchtwagen-Handel.

Und im zweiten Stock erinnert ein eigenes Museum an die lange Karriere der britischen Rennfahrer-Legende.

Erinnerungsstücke an 20 Jahre Motorsport

"Menschen kommen und gehen auf diesem Planeten, aber nur sehr wenige hinterlassen ein Erbe", sagte Mansell kürzlich der englischen Tageszeitung Daily Telegraph.

Er habe daher einen Platz gesucht für Erinnerungsstücke aus über 20 Jahren im Motorsport, 18 Jahre nach dem Ende seiner turbulenten Karriere in der Königsklasse.

Mansell hat sich von seinem Markenzeichen getrennt

Wer Mansell heute trifft, muss allerdings schon zweimal hinschauen.

Denn sein Markenzeichen trägt der 31-malige Grand-Prix-Sieger nicht mehr:

Ohne Schnäuzer bietet er ausgewählten Gästen Führungen durch sein Museum an.

Doch der klare Blick unter den buschigen Brauen erinnert noch immer an den vom Ehrgeiz getriebenen Rennfahrer, der sich in den 80er- und 90er- Jahren Duelle lieferte mit Niki Lauda, Ayrton Senna und Alain Prost.

Lange Wartezeit auf WM-Titel

Auf der Strecke war er kompromisslos und unberechenbar, sein unerbittlicher Fahrstil brachte ihm eine Menge Respekt ein, er machte ihn zu einer der schillernsten Figuren im PS-Zirkus.

Mit ein wenig mehr Glück könnte Mansell heute auf mehrere Titel zurückblicken, doch es blieb bei dem einen großen Triumph 1992.

Und auch auf den musste er lange warten.

Reifen-Platzer verhindert Weltmeisterschaft

Schon 1980 gab er sein Debüt in der Königsklasse, bis zum WM-Gewinn holte er drei Vizemeistertitel - und manchmal ging es dabei dramatisch zu.

So war schon 1986 im Williams-Honda der Titel zum Greifen nah, doch beim Saisonfinale in Adelaide platzte Mansell der linke Hinterreifen.

Fassunglos musste er aus der Box ansehen, wie ausgerechnet der von ihm ungeliebte "Professor" Prost seinen zweiten Titel einfuhr.

Nur ein Jahr später entglitt Mansell der Titel, als er auf dem Hungaroring aufgeben musste. Beim Reifenwechsel hatte sich eines der Räder gelöst.

Schumacher knackt Rekord nach zehn Jahren

Auch der Wechsel zu Ferrari im Jahr 1989 sollte noch nicht zum Erfolg führen, Glück auf der Strecke erfuhr Mansell erst ab 1991, seit seinem Wechsel zu Williams-Renault.

Zunächst reichte es zu Platz zwei hinter Senna, 1992 folgte dann Mansells großes Jahr:

Die ersten fünf Rennen gewann er, triumphierte insgesamt neunmal und holte sich bereits nach 11 von 16 WM-Läufen den Titel.

Zehn Jahre lang war er damit der schnellste Weltmeister aller Zeiten, bis Michael Schumacher bei seiner Jagd nach Rekorden 2002 auch Mansell ablöste.

Rennsport-Leidenschaft auch nach Formel-1-Karriere

Dem Triumph folgte für den Briten ein Ausflug in die USA, wo Mansell auf Anhieb Champion in der Indy-Car-Serie wurde.

1994 kehrte er für sechs Rennen noch einmal zurück in die Königsklasse.

1995 endete die Karriere in der Formel 1, dem Rennsport blieb er dennoch verbunden.

Als Rennkommissar war er immer wieder tätig, auf der Strecke siegte er zudem 2005 im Grand Prix Masters.

Seinen letzten Auftritt auf der großen Bühne feierte er 2010.

Beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans trat er mit seinen beiden Söhnen Leo und Greg an.

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