2012 hatte Vettel (l.) den hauchdünnen Vorsprung von drei Punkten auf Alonso © getty

Vettel schießt nach seinem WM-Sieg gegen Ferrari und eröffnet damit das Duell 2013. Alonso könnte eine Regeländerung helfen.

Von Tobias Wiltschek

München - Dem Triumph auf der Piste folgte die verbale Ohrfeige.

Kaum hatte Sebastian Vettel in einem packenden Finale die WM gewonnen, attackierte er seine Gegner.

"Wir würden manche Dinge nicht machen, die andere tun, um ihre Ziele zu erreichen. Manche Leute haben versucht, uns innerhalb und außerhalb der Regel zu schlagen", erklärte der Red-Bull-Pilot.

Die Adressaten seiner Kritik wollte er selbst auf Nachfrage nicht nennen. Das brauchte er auch nicht. Denn allen war klar, dass damit nur Ferrari gemeint sein konnte.

Massa hält Webber auf

In Sao Paulo hatte Felipe Massa zu Beginn Vettels attackierenden Teamkollegen Mark Webber so geschickt aufgehalten, dass Fernando Alonso an beiden vorbeirauschen konnte (Nachbericht).

Dieses Manöver war genauso legitim wie die absichtliche Beschädigung des Siegels an Massas Getriebe in Austin zu Gunsten Alonsos. Vettel ließ sich von den Störfeuern aber nicht von seinem Ziel abbringen.

"Wahre Charakterstärke"

"Sebastian hat seine wahre Chrakterstärke gezeigt und sich von solchen Sachen nicht beeindrucken lassen", lobt Teamchef Christian Horner.

Fair waren die Aktionen von Ferrari in der Tat nicht, und Vettel wird sie sich merken ( 644318 DIASHOW: Vettels Weg zum Titel ).

Titelverteidigung ist das Ziel

Auch solche Dinge sind es, die den Heppenheimer motivieren, noch besser zu werden. Die erneute Titelverteidigung sei natürlich das Ziel, erklärte Vettel bei seinem triumphalen Empfang in der Red-Bull-Fabrik im britischen Milton Keynes.

[kaltura id="0_uplyv60o" class="full_size" title="Zwischen Party und Vertrags-Verwirrung"]

"Wenn du eine Sache gut gemacht hast, ist es zwar schwierig, noch besser zu werden, aber die Chance ist immer da. Solange du dich selbst hinterfragst, kannst du aus deinen Fehlern lernen und es in Zukunft besser machen."

Den vierten Titel in Serie wollen die "Bullen" auch in der Konstrukteurs-WM einfahren.

Marko lobt Stimmung und Leidenschaft

"Wir haben momentan eine so tolle Stimmung und so eine Leidenschaft, die das ganze Team auszeichnet", freute sich Motorsportchef Helmut Marko bei "Servus TV": "Ich glaube schon, dass wir das weiterführen können."

Die Arbeit an der Entwicklung des neuen RB9 läuft bereits auf Hochtouren. Man darf jedoch davon ausgehen, dass im Auto von 2013 noch viel vom aktuellen Renner steckt. Schließlich war der in der zweiten Hälfte der gerade zu Ende gegangenen Saison das Maß aller Dinge.

Ferrari muss sich steigern

Bei Ferrari wissen sie indes, dass sie Alonso einen deutlich schnelleren Boliden bauen müssen, wenn sie auch ihrem Star den großen Traum vom dritten Titel nach 2005 und 2006 erfüllen wollen.

"Wir haben viele Ideen und wissen, wo wir ansetzen müssen", versprach Teamchef Stefano Domenicali nach der knappen Niederlage gegen Red Bull.

Profitieren könnte die Scuderia von einer Änderung im Reglement für 2013.

DRS-Zonen werden begrenzt

In der kommenden Saison ist der Einsatz des DRS auch im Training und im Qualifying nur noch in den Bereichen gestattet, die auch im Rennen als DRS-Zonen ausgewiesen sind.

Das heißt, Red Bull könnte seine Stärke im Qualifying nur noch in diesen begrenzten Bereichen ausspielen und das Heck nicht mehr auf der gesamten Runde flach stellen.

Die Schwäche, die Ferrari in diesem Jahr auf einer schnellen Runde gezeigt hat, würde demnach nicht mehr so sehr ins Gewicht fallen. "Die neue DRS-Situation müsste uns theoretisch helfen", hofft Domenicali.

Dies sei aber kein Grund, nicht an der größten Schwachstelle von 2012 zu arbeiten. "Unsere Pace im Qualifying müssen wir sicherlich verbessern."

Alonso will wieder angreifen

Bei der Zuverlässigkeit des Autos, der Schnelligkeit bei den Boxenstopps und der Rennstrategie waren die Roten schon in der abgelaufenen Saison mindestens ebenbürtig.

"Ich versuche es nächstes Jahr wieder, da greifen wir wieder an", versprach Alonso noch in der Nacht der großen Niederlage.

Dass sie der Konkurrenz aus Milton Keynes in den vergangenen Tagen schon wieder beim Feiern zuschauen mussten, steigert die Motivation bei den Roten zusätzlich.

"Hoffentlich feiern sie jetzt", meinte Domenicali schnippisch in Richtung Red Bull.

"Für die Zukunft hoffe ich, dass sie auch den bitteren Beigeschmack kennenlernen, den wir gerade haben."

Weiterlesen