Michael Schumacher ist mit sieben Titeln Rekordweltmeister in der Formel 1 © imago

Michael Schumacher zeigt sich bei seinem Abschied aus der Formel 1 sehr berührt. Der Macher will trotzdem aktiv bleiben.

Sao Paulo - Tagelang hatte Michael Schumacher beteuert, wie cool und emotionslos er seinen endgültigen Abschied aus der Formel 1 erleben würde. (INTERVIEW: Michael Schumacher)

Doch die unzähligen Plakate auf der Tribüne, die Zuneigung der Menschen und die zahlreichen Präsente bewegten den Rekordweltmeister dann doch.

"Das berührt mich sehr und ist ein gutes Gefühl", sagte er - obwohl er zugab, "die Tage bis zum Abschied gezählt" zu haben.

Doch auch wenn er zuletzt nur noch hinterherfuhr, war der Abschied des "Größten aller Zeiten" für seine zahlreichen Fans ein gleichsam wichtiges wie trauriges Ereignis. ( 642478 DIASHOW: Die zweite Karriere von Michael Schumacher )

Fans nehmen Abschied

Aus Chile oder Russland, aus Argentinien und natürlich auch aus Deutschland waren Fans nach Sao Paulo (Rennbericht) gereist, um "ihren Schumi" in die Rennfahrer-Rente zu begleiten.

"Danke für alles, Schumi" oder auch "Michael, die Formel 1 ist nichts ohne Dich" stand auf den Plakaten auf den Tribünen. ( 643404 DIASHOW: Bilder des Rennens )

Und selbst vor dem Autodromo hatten zahlreiche Fans Schumacher-Plakate aufgebaut, ja sogar eine eigene "Schumi-World". Bei alledem hätte der Eindruck entstehen können, dass der spannende Titelkampf zwischen Sebastian Vettel und Fernando Alonso bei diesem Saisonfinale eher eine Randnotiz war.

Warm-up-Runde für die Fans

Schumacher bedankte sich bei seinen Fans mit einem beachtlichen siebten Platz im Rennen und schon vor dem Start mit einer besonderen Geste: Die Warm-up-Runde bestritt der Kerpener mit einer großen Fahne in der Hand, auf der in großen Lettern "Thank you" stand.

Über den Bordfunk bedankte er sich bei seinem Team, ins "RTL"-Mikrofon sagte er bewegt: "Danke für all die schönen Momente, das Leben einer Passion."

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Auto ist schuld

Daran, dass er in drei Silberpfeil-Jahren nur einmal auf dem Podium stand, war sowieso einzig und allein das Auto schuld - da sind seine Fans sich sicher.

"Jeder Einkaufswagen eines Discounters ist schneller als diese Mercedes-Gurke", schimpfte Reiner Ferling, zweiter Vorsitzender von Schumachers Fanklub in Kerpen.

Und auch für Schumachers Ex-Manager Willi Weber ist der Rekordchampion weiterhin über jeden Zweifel erhaben. "Für mich ist der perfekteste Rennfahrer der Welt Michael Schumacher. Da lasse ich nichts drauf kommen", sagte Weber zu "Sky": "Sieben Titel, 91 Siege - das ist schon eine Menge. Da muss Seb schon noch ein bisschen Gas geben und noch viel tun, um in die Nähe zu kommen."

Kreis schließt sich

Doch der Abschluss mit Platz sieben in Brasilien versöhnte Schumacher, zumal genau dieser Platz für ihn den Kreis schloss.

"In gewisser Weise ist es bezeichnend, dass ich meine Formel-1-Karriere auf dem siebten Platz beendet habe, mit dem ich sie vor 308 Rennen beim Qualifying in Spa 1991 auch begonnen habe", erklärte er: "Und das alles mit der Startnummer sieben nach dem Gewinn von sieben Weltmeister-Titeln."

Schumacher behält Mercedes

Den Wagen, in dem er sein 308. und letztes Rennen bestritt, bekam er anschließend von Mercedes geschenkt. Auf dem Boliden klebte wie auf der Kleidung des gesamten Teams der Aufkleber "Thank you, Goodbye, Michael".

Mit Champagner und in T-Shirts mit derselben Aufschrift empfingen ihn seine Mechaniker nach Rennende.

Am Abend vorher musste der 43-Jährige im aus allen Nähten platzenden Motorhome von Mercedes noch einige kuriose und viele intime Fragen der Journalisten aus aller Welt beantworten. "Werden Sie uns vermissen?", "Freuen sich Ihre Kinder schon?", "Wie wird Ihre Nacht?".

Schumacher lächelte die Fragen charmant weg. "Ja, ich werde Euch vermissen - einige", sagte er schmunzelnd, über seine Kinder wolle er aber wie immer nichts sagen. Und wie denn wohl seine Nacht vor dem letzten Rennen werde? "Meine Frau ist leider nicht hier. Von daher wohl ziemlich ruhig", sagt Schumacher lächelnd.

Corinna spielt die Hauptrolle

Ohnehin wird Ehefrau Corinna im "neuen Leben nach der Formel 1" klar die Hauptrolle spielen.

Auf die Frage, was er sich als Mensch, der alles besitze, wünsche, antwortete er in der "Bild am Sonntag": "Dass wir diese positive Energie, diese Harmonie, dieses Glücklichsein, das Corinna und mich verbindet, so lange wie möglich erhalten können. Ich werde mein Leben mit Corinna so einrichten, dass wir weiter glücklich leben werden."

Seelisch ist Schumacher auf das Leben ohne Formel 1 eingestellt. "Ich habe schon einige Rennen vor dem Fernsehen verfolgt", sagte er mit Blick auf seine Auszeit von 2007 bis 2009: "Ich habe sie immer sehr interessiert geschaut - und ganz ohne Wehmut."

"Werde mit Partnern aus Formel-1-Zeiten weiterarbeiten"

Was außer der Familie in seinem neuen Leben die meiste Zeit einnehmen wird, hat er noch nicht entschieden. "Aber mein Zeitplan wird sicher ganz schön voll sein", meinte er. Reiten will er, Kart fahren. "Und ich werde mit meinen Partnern aus Formel-1-Zeiten weiterarbeiten."

Auch mit Mercedes wird er nach dem Saisonende über eine weitere Zusammenarbeit sprechen: "Da gibt es einige gute Ideen."

Eines ist jedenfalls sicher: "Ich bin kein Büro-Hengst, und ich werde auch kein Team-Manager. Ich bin ein Macher, ich brauche Aktion und Aktivitäten."

Rennen sind passe

Rennen fahren will der erfolgreichste Formel-1-Fahrer der Geschichte aber zunächst nicht mehr.

"Ich muss jetzt erst mal Abstand gewinnen, mich erholen, dann sieht man weiter", sagte er: "Aber keine Angst, Formel 1 fahre ich nicht mehr, Indycar oder NASCAR auch nicht."

Schumacher hat wohl einfach Sehnsucht danach, ein ganz normales Leben zu führen. Soweit das einem Weltstar wie ihm eben möglich ist.

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