Michael Schumacher geht in Brasilien zum 307. Mal in der Formel 1 an den Start © getty

Am Sonntag geht Michael Schumacher in Rente. Im Interview blickt er zurück, spricht über Gefühle und die Zeit nach der Formel 1.

München - Michael Schumacher sagt auf seine Weise "danke".

Wenn der Rekord-Weltmeister am Sonntag in Sao Paulo beim Großen Preis von Brasilien (Qualifying, Sa., ab 16.45 Uhr im LIVE-TICKER) sein endgültig letztes Rennen fährt, wird er sich mit einem besonderen Gruß von seinen Fans verabschieden. (NEWS: Alles zur Formel 1)

"Life is about passions - Thank you for sharing mine" ("Im Leben geht es um Leidenschaften - Danke, dass ihr meine geteilt habt") - dieser Spruch wird neben dem Bild eines chinesischen Drachen Schumachers roten Helm zieren.

Aber auch sportlich will der 43-Jährige noch einmal einen positiven Eindruck hinterlassen.

Im Interview spricht Michael Schumacher über seine Gefühle vor dem Abschied und die Zeit nach seiner Karriere.

Frage: Herr Schumacher, am Sonntag beenden Sie Ihre Karriere zum zweiten Mal und diesmal endgültig. Wie emotional sind Sie vor diesem Wochenende? (BERICHT: Haug würde Schumi wieder holen)

Michael Schumacher: Relativ relaxed und ausgeglichen. Jedenfalls noch nicht besonders emotional. Es kann sein, dass sich das noch ändert, vielleicht, wenn die letzte Zielflagge passiert ist. Aber es ist einfach etwas anderes als 2006 (beim ersten Rücktritt, d. Red.). Zum einen habe ich es schon einmal erlebt. Zum anderen kämpfe ich diesmal nicht mehr um den Titel. Diesmal ist es ja so: Wenn es gut läuft, kommen wir in die Punkte. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Frage: Frustriert Sie das nicht?

Schumacher: Natürlich würde ich zum Abschluss liebend gerne noch mal ein schönes Highlight setzen. Ich werde mein Bestes geben, und dann werden wir schauen, was dabei rauskommt.

Frage: Wie fällt nach den drei Jahren Ihr Fazit der zweiten Karriere aus? Was entgegnen Sie Kritikern, die sagen, Sie seien zu alt und hätten sich mit dem Comeback keinen Gefallen getan?

Schumacher: Ich sehe es von der Warte: Ich werde bald 44 und kann immer noch in der Weltspitze mitfahren und meine Ausrufezeichen setzen. Deshalb kann man das positiv bewerten. Mit meiner eigenen Performance bin ich zufrieden. Natürlich muss man aber auf den Punkt sehen, dass wir die Ziele klar verfehlt haben, und da bin ich genauso in der Verantwortung wie alle anderen.

Frage: Sie halten nahezu alle Rekorde in der Formel 1. Gäbe es einen, der für Sie unerreichbar gewesen wäre?

Schumacher: Der für den Pulsschlag. Da wäre ich sicher nicht vorne dabei, sondern eher die Südländer.

Frage: Haben Sie inzwischen schon eine konkretere Ahnung, was Sie nach Ihrer Karriere machen werden?

Schumacher: Das ist eine gute Frage. Viele glauben ja, dass wir Rennfahrer alle Adrenalin-Junkies sind. Das möchte ich absolut verneinen, das stimmt in meinem Fall sicher nicht. Was ich aber sicher bin, ist ein Wettkampf-Typ. Das ist einfach in mir drin, und das werde ich auch nicht ablegen können. Wohin ich das künftig verschiebe, muss ich mal schauen.

Frage: Gibt es schon den Ansatz einer Idee?

Schumacher: Ein Ansatz, der mir mehr und mehr Spaß macht, ist das Reiten. Auch in Wettbewerben. Das will ich ausbauen. Aber klar ist, dass das Rennfahren eine absolute Profi-Aktivität war, und dass die Professionalität bei allem, was kommen wird, nicht mehr so wichtig ist, sondern eher der Spaß im Mittelpunkt steht. Aber außer aufs Reiten und sicher hier und da ein wenig Kartfahren habe ich mich noch nicht festgelegt. Klar ist: Ich habe auch ein Leben neben der Formel 1, und das will ich künftig ein wenig mehr genießen.

Frage: Eine Funktion in der Formel 1 schließen Sie derzeit aus. Wird man Sie trotzdem am Rande des einen oder anderen Rennens in der Zukunft sehen?

Schumacher: Warum nicht? Ich habe keinen Grund, mich hier nicht mehr sehen zu lassen. Deshalb kann es durchaus passieren, dass ich bei den Rennen, die immer besonders viel Spaß gemacht haben, auch mal sein werde.

Frage: Werden Sie im kommenden Jahr Markenbotschafter bei Mercedes?

Schumacher: Das ist eine Sache, die wir besprechen werden, sobald die Saison zu Ende ist. Mercedes ist durchaus interessiert.

Frage: Was ist das Erste, was Sie machen, wenn Sie nach Hause kommen?

Schumacher: Eine der ersten Sachen ist jedenfalls das Race of Champions im Dezember im Bangkok. Trainieren muss ich dafür aber nicht, höchstens, mal ein Glas zu heben, damit der Samstagabend für mich nicht so schwer wird.

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