Norbert Haug (r.) ist seit 1990 Motorsport-Chef bei Mercedes © getty

Der Mercedes-Motorsportchef stellt dem Rekord-Champion ein tolles Abschlusszeugnis aus. Schumi soll Markenbotschafter werden.

Austin - Sportchef Norbert Haug hat Michael Schumacher wenige Tage vor dem endgültigen Karriereende ein ausgezeichnetes Abschlusszeugnis ausgestellt und möchte den Rekord-Champion gerne langfristig an Mercedes binden.

Auf die Frage, ob er den 43-Jährigen mit dem Wissen von heute wieder verpflichten würde, antwortete Haug: "Absolut!" (NEWS: Alles zur Formel 1)

Nach der am Sonntag mit Schumachers letztem Rennen in Brasilien (Training, Fr., ab 13 Uhr im LIVE-TICKER) endenden Saison sollen Gespräche über eine weitere Zusammenarbeit beginnen.

Der Trend scheint dahin zu gehen, dass Schumacher künftig als Markenbotschafter fungieren wird.

"Er liebt unsere Marke"

"Ich glaube nicht, dass Michael eine Rolle in der Formel 1 möchte", sagte Haug, der aber guter Dinge ist, mit dem siebenmaligen Weltmeister auf einen Nenner zu kommen:

"Er liebt unsere Marke und wir können uns glücklich schätzen, wenn Michael international weiter für Mercedes präsent sein sollte. Es gibt wenige Sportler, die weltweit so bekannt, geschätzt und beliebt sind wie er."

Sportlich habe man in den drei Jahren der gemeinsamen Zusammenarbeit "außer einzelner Highlights nicht das erreicht, was wir uns in diesem Zeitraum vorgenommen hatten. Aber das ist nicht Michaels Fehler", stellte Haug klar:

"Wenn es sein Auto möglich machte, war Michael top. Ich kann mich bei Michael nur für seine Arbeit und seinen kompromisslosen Einsatz bedanken. Und ich muss mich bei ihm entschuldigen, dass unser Team die technischen Voraussetzungen in den ersten drei Jahren nicht so dargestellt hat, dass er regelmäßig um Podiumsplätze hätten fahren können."

Seit sechs Rennen ohne Punkt

Schumacher, der seit sechs Rennen ohne jeden Punkt ist, hatte in diesem Jahr häufig unter technischen Problemen zu leiden.

Allerdings wird er auch die dritte Silberpfeil-Saison mit weniger Punkten als Teamkollege Nico Rosberg abschließen. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

"Michael ist in jedem Jahr schneller geworden, und fahrerisch ist das aktuelle Jahr sicherlich sein stärkstes", sagte Haug jedoch: "Vor drei Jahren haben viele gefragt: Kann er es noch? Nun wird auch gefragt: Warum geht er jetzt?"

Auch Formel-1-Boss Bernie Ecclestone wird "Schumi" vermissen. "Die Formel 1 hat ihn nach seiner Rückkehr mehr gebraucht als er die Formel 1. Er ist die Formel 1. Wir werden ihn vermissen", sagte der 82-Jährige der "Bild".

"Die beste mögliche Wahl"

Dennoch wollte Haug Schumachers Aussage, er hätte für Mercedes weiterfahren können, wenn er sich frühzeitig bekannt hätte, nicht bestätigen.

"Diese Hypothese muss man nicht mehr diskutieren", sagte Haug stattdessen und ließ weiter durchblicken:

"Michael hat die Zeit der Entscheidungsfindung gebraucht. Er hat ja gesagt, dass sein Denkprozess vielleicht von außen beschleunigt wurde. Und er hat auch aus freien Stücken gesagt, dass Lewis Hamilton als Nachfolger die beste mögliche Wahl ist."

Haugs Respekt ist immens

Auf den Briten freut sich Haug, Schumachers Abschied weckt aber auch ein wenig Wehmut.

"Mein Respekt vor Michaels fahrerischen Leistung ist groß, der vor seiner menschlichen Leistung ist immens", sagte der 59-Jährige und stellte fest: "Das Allerwichtigste ist: Wir können uns gegenseitig in die Augen schauen. Beide Seiten sind sehr, sehr respektvoll miteinander umgegangen."

Schumacher habe seit 2010 "alles eingebracht, was er einbringen kann. Und natürlich auch Nico, man muss immer unsere beiden Fahrer sehen."

Bewährungsprobe für Rosberg

Nico Rosberg steht nach im Vergleich gegen den neuen Stallrivalen Hamilton nun vor einer Bewährungsprobe. Dass 2013 für die Zukunft des Shanghai-Siegers ein entscheidendes Jahr sein wird, will Haug nicht verhehlen.

"Ich habe noch nie ein unentscheidendes Jahr erlebt", meinte er: "Es sollte zumindest eine Balance zwischen beiden Fahrern geben. Wenn das nicht so sein sollte, gelten im Leistungssport harte Gesetze. Aber Nico wird nicht umsonst im Fahrerlager von Fachleuten allgemein als sehr stark eingeschätzt."

Nach dem guten Start und der frustrierenden zweiten Saisonhälte will Mercedes 2013 mit Rosberg und Hamilton und ohne Schumacher voll angreifen.

"Da, wo wir vor einem halben Jahr waren, bei Nicos Sieg in China, wollen wir in einem halben Jahr wieder sein", sagte Haug, der die Kritik der letzten Wochen als "berechtigt" annimmt, Gerüchte über eine Budgeterhöhung aber energisch dementierte.

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