Der deutsche Marussia-Pilot Timo Glock gab 2004 sein Debüt in der Formel 1 © getty

Der Marussia-Pilot hat noch keinen einen einzigen Punkt auf dem Konto, dennoch kämpft er in gewisser Weise um einen WM-Titel.

Austin - Weltmeister Sebastian Vettel und Rekordchampion Michael Schumacher hatten in dieser Saison fast nie eine Chance gegen Timo Glock.

Allerdings nicht auf der Formel-1-Strecke, sondern am Schachbrett.

"Timo ist der einzige, der mir 2012 echte Probleme macht", sagte Vettel: "Weil er immer gewinnt!"

Auch gegen Schumacher habe er zuletzt "eine Serie" gehabt, berichtet Glock schmunzelnd: "Auch wenn er manchmal Tage hat, an denen ich denke, mir sitzt Garri Kasparow gegenüber."

Glock fährt zwei Weltmeisterschaften

Sein eigentlicher Job als Rennfahrer ist für den Odenwälder auf den ersten Blick dagegen derzeit keine große Freude. (DATENCENTER: WM-Fahrerwertung)

Null Punkte, so die ernüchternde Bilanz bisher. Und dennoch kämpft der Marussia-Pilot um den Titel. Sozusagen.

"Für mich gibt es zwei Weltmeisterschaften", betont er nämlich: "In der zweiten bin ich der WM-Führende."

"Persönliche Bilanz ist wichtig"

Der Grund dafür ist einfach. Drei der zwölf Teams hinken der Konkurrenz auch in dieser Saison meilenweit hinterher, es sind die klassischen Hinterbänkler.

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone fluchte Ende des Vorjahres schon, man müsse "einige dieser Krüppel loswerden".

Dennoch fahren die sechs Piloten der drei Rennställe im hinteren Feld mit harten Bandagen ihre eigene Meisterschaft aus. (NEWS: Alles zur Formel 1)

Und in der führt eben Glock. "Am Ende fahren wir immer um die Goldene Ananas", sagt er: "Aber für meine persönliche Bilanz ist das wichtig."

Platz zehn als Ziel

Und nicht nur für die. Deshalb hat der 30-Jährige für die restliche Saison noch zwei große Ziele.

"Die Nummer eins dieser Fahrer-Wertung bleiben. Und Platz zehn für das Team sichern", erklärt er:

"Wobei diese beiden Sachen sich eigentlich gegenseitig bedingen."

Finanzsorgen bei Marussia?

Für Platz zehn in der Teamwertung würde Marussia viele Millionen mehr bekommen als die beiden Rivalen Caterham und HRT. Dies wäre in zweierlei Hinsicht wichtig.

Zum einen, um die von Glock stets geforderte Entwicklung voranzutreiben. Zum anderen, weil dem Team finanzielle Probleme nachgesagt werden.

Glock weiß davon nach eigener Auskunft nichts. "Es läuft alles nach Programm, deshalb gehe ich davon aus, dass alles okay ist", sagt er.

Vertrag verhindert Wechsel

Doch warum tut sich ein Fahrer, der in den Augen aller Experten zu Größerem taugt und zu Toyota-Zeiten als Zweiter zweimal nur knapp am Sieg vorbeifuhr, sich so etwas an?

Nahezu alle Teams aus dem Mittelfeld suchten in den vergangenen Wochen nach neuen Fahrern für das kommende Jahr, Glocks Name fiel praktisch nie.

"Weil ich noch Vertrag habe für 2013 und die Teams das untereinander respektieren", erklärt er: "Und deshalb habe ich mich auch nicht selbst ins Gespräch gebracht. Vertrag ist Vertrag."

Glock ist zufrieden

Was nicht heißt, dass er bei Marussia unglücklich ist. Er sei "zufrieden und happy" versichert er sogar. Weil die Arbeit mit der Crew Spaß mache und er eine herausfordernde Aufgabe sehe, nämlich die Entwicklung des Teams.

"Ich hoffe, dass wir 2013 einen Sprung machen und spätestens in der Saison den Anschluss ans Mittelfeld schaffen", erklärt er: "Aber dafür brauchen wir ein größeres Budget. "

Die zusätzlichen Millionen durch Glocks "WM-Titel Goldene Ananas" könnten dafür eine wichtige Basis sein.

Weiterlesen