Michael Schumacher begann 1991 seine Formel-1-Karriere bei Jordan © getty

Surer blickt bei SPORT1 auf Schumachers zweite Karriere zurück. Der frühere Formel-1-Pilot sagt: "Es tut weh, das mit anzusehen."

Von Felix Götz

München - Am 25. November, also in gut zwei Wochen, geht Michael Schumacher in Rente.

Schon jetzt ist eigentlich klar, dass es ein Abschied wird, der eines Rekord-Weltmeisters nicht würdig ist.

Die letzte Königsklassen-Saison in der großen Karriere des siebenmaligen Champions - sie läuft katastrophal.

"Es tut weh, das mit anzusehen. Er hat selbst an seinem Monument gesägt", sagte der frühere Formel-1-Pilot und heutige TV-Experte Marc Surer im Gespräch mit SPORT1.

43 Punkte in 18 Rennen

Magere 43 Punkte holte Schumi in 18 Rennen, in der WM-Fahrerwertung macht das den 15. Platz. (DATENCENTER: WM-Fahrerwertung)

In den vergangenen fünf Grands Prix fuhr der Mercedes-Pilot nicht ein einziges Mal in die Punkte.

Außer den Fahrern, die in diesem Jahr noch keinen Punkt auf dem Konto haben, hat seit dem Rennen in Singapur keiner eine gleichschlechte Bilanz vorzuweisen.

Schumi ist nicht frustriert

"Es gibt keinen Grund, jetzt von Frustration zu sprechen", erklärte der 43-Jährige, der sein Comeback vor drei Jahren nicht als Fehler bezeichnen möchte und in letzter Zeit seltsam resigniert daherkommt.

Aber wie soll man es im Nachhinein sonst nennen?

2010 wurde er in der Fahrerwertung Neunter, 2011 Achter, dann ging es rapide bergab. Nicht einen einzigen Sieg durfte Schumacher in dieser Zeit feiern.

"Schumacher war der Unschlagbare"

"Das habe ich schon von Anfang an gesagt", ist Surer davon überzeugt, dass es falsch war, zurückzukehren.

"Schumacher war der Unschlagbare, der alles gewonnen hat, was man gewinnen kann. Er ist als Großer abgetreten", erklärte der 61-jährige Schweizer:

"Dann ist er zurückgekommen und einfach nur noch mitgefahren. Das Comeback hat ihm geschadet."

"Der ist gar nicht so super"

Für die jungen Piloten, die heute gegen den 91-maligen Grand-Prix-Sieger fahren, sei er einst ein Held gewesen, meinte Surer:

"Die haben ihn noch im Fernsehen bewundert. Jetzt durften sie gegen ihn fahren und haben ihn sogar geschlagen. Einige denken nun natürlich: Der ist gar nicht so super, der hatte nur gute Autos."

Dabei weiß Surer genau, dass Schumacher "überdurchschnittlich gut" war: "Doch wegen einer Kombination aus dem Alter und dem Auto kann er das nicht mehr beweisen."

Haug hält Versprechen nicht

Schumachers Auto ist der vielleicht wichtigste Grund für die aktuelle Misere.

Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug versprach mehrfach in dieser Saison baldige Besserung. Doch es änderte sich kaum etwas.

Stattdessen musste sich Schumacher mit einem Silberpfeil herumschlagen, der diesen Namen eigentlich gar nicht verdient.

Vettel verteidigt Schumi

"Ich glaube, er hatte die vergangenen drei Jahre gehofft, ein schnelleres Auto zu haben, als er es hatte. Du brauchst das richtige Auto unter dir und das richtige Team, um um Siege und Meisterschaften zu kämpfen", verteidigte Sebastian Vettel das Scheitern des früheren Ferrari-Fahrers.

"Mercedes hat ja gut angefangen, konnte dann aber den Anschluss nicht halten. Für mich ist es unerklärlich, wie man mit einem Auto, das sogar ein Rennen gewonnen hat, so weit zurückfallen kann. Irgendwas machen sie bei Mercedes falsch", sagte Surer.

Verbleibende Rennen wichtig

Bleibt die Frage, wie man sich künftig an Schumacher erinnern wird?

Bleibt er das Idol einer ganzen Generation, die er mit seinen Triumphen förmlich vor die Bildschirme gefesselt hat? Oder wird man nur noch an den alternden Rennfahrer denken, der es nicht sein lassen konnte?

Surer ist sich sicher, dass dafür die letzten beiden Rennen in Austin und in Sao Paulo enorm wichtig werden:

"Man erinnert sich immer an die letzten ein, zwei Rennen. Zwei Mal gibt es noch die Chance zu einem kleinen Highlight. Ich hoffe für ihn, dass er noch einmal ein anständiges Resultat erzielen, vielleicht sogar auf das Podium fahren kann."

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