Michael Schumacher ist der erfolgreichste Fahrer der Formel1-Geschichte © getty

Nach dem Mercedes-Aus prüft der Rekord-Champion die Alternativen. Schumacher verhält sich dabei abwartend. Jordan rät ihm zu Sauber.

Von Marc Ellerich

München - Was macht Michael Schumacher, nachdem das Kapitel Mercedes zum Jahresende beendet sein wird?

Die Frage elektrisiert Fans und Formel-1-Welt gleichermaßen (BERICHT: Schumis Aus besiegelt).

Dass Schumi nach der Trennung von den Silberpfeilen nach der Saison endgültig Renn-Rentner wird, ist noch längst nicht beschlossen.

Der 43-Jährige ist nach wie vor fasziniert vom Rennfahren, mithalten kann er ohnehin, wie ihm sein Mercedes-Kollege Nico Rosberg in einem "Bild"-Interview bescheinigt (BERICHT: Wie sieht Schumis Zukunft aus?).

"Er ist auf einem sehr hohen Level unterwegs in dieser Saison. Auf jeden Fall ist er noch gut genug für die Formel 1, glasklar", sagte Rosberg unmissverständlich.

Diverse Teams interessiert

Das wissen die Verantwortlichen anderer Rennställe natürlich auch. Team-Besitzer Peter Sauber hat sein Interesse an Schumi am deutlichsten formuliert. Er würde den Weltstar mit Kusshand nehmen.

Auch Lotus oder gar eine Rückkehr zu Ferrari gelten als Optionen.

Doch der Rekord-Weltmeister lässt sich derzeit noch nicht in die Karten blicken. Es ist die Zeit der Sondierungen. (BERICHT: Ferrari, Sauber oder Rente?)

Managerin zuversichtlich

Natürlich denkt Schumacher zumindest über eine Fortsetzung seiner Karriere nach.

"Michael sitzt sicher nicht ohne Möglichkeiten da", sagte seine Managerin Sabine Kehm auf Nachfrage der "Bild am Sonntag" und fügte dann hinzu: "Es ist nur im Augenblick noch viel zu früh, über konkrete Richtungen zu sprechen. Alles ist möglich."

Motorsport-Guru Hans-Joachim Stuck geht fest davon aus, dass der Kerpener dem PS-Zirkus erhalten bleiben wird.

"Der wird sicher weiterfahren, so wie ich ihn kenne", sagte "Strietzel" gegenüber SPORT1: "Er ist einfach ein Racer mit seinem Herz und Leib und Seele. Ich hoffe, er fährt in einem guten Team und zeigt den Burschen, wo es lang geht."

[kaltura id="0_nkemi48d" class="full_size" title="Stuck: "Hoffe, Schumi zeigt es ihnen"]

"Michael ist Realist"

Auch DTM-Rekordchampion Bernd Schneider stellte im SPORT1-Interview infrage, ob "er den Helm schon an den Nagel" hängt.

Managerin Kehm erläuterte unterdessen in der "BamS", weshalb Schumacher die Option, bei Mercedes nicht noch ein weiteres Jahr zu fahren, nicht frühzeitig zog und zusah, wie die Silberpfeile sich Lewis Hamilton für 2013 ins Cockpit holten.

"Michael ist Realist. Er kannte die Situation und wollte sich trotzdem erst entscheiden, wenn er ein besseres Bild von der Zukunft hat."

Jordan kritisiert Mercedes

Bekanntlich blieben die Resultate bei Mercedes nicht deshalb aus, weil Schumacher nicht mehr fähig war, sie zu liefern, sondern weil der renommierte Rennstall dem Piloten-Duo Schumacher und Rosberg nicht das entsprechende Auto bauen konnte.

Das hatte sogar der Daimler-Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche erklärt, nachdem die Trennung von Schumacher zum Saisonende bekanntgegeben worden war.

Eddie Jordan, heute TV-Experte und einst der erste Teamchef Schumachers, übte unterdessen Kritik an der Art und Weise, wie Schumis Abschied seitens der Silberpfeile angegangen wurde.

"Aus meiner Sicht hätte er die Chance bekommen sollen, zuerst seine Position zu äußern", sagte Jordan der "Welt am Sonntag": "Das verlangt der Respekt gegenüber einer Rennlegende. Man hätte ihm den Vortritt lassen müssen."

"Es war ein Fehler"

Allerdings kritisierte Jordan auch Schumachers Entschluss, 2010 ein Comeback zu unternehmen.

"Wenn ich sein Vater gewesen wäre, damals vor zweieinhalb Jahren, hätte ich ihm abgeraten. Was sollte das für eine zweite Karriere sein?"

Und weiter: "Ich war damals überzeugt und bin es heute noch mehr, dass das ein Fehler war."

Jordan geht dennoch davon aus, dass Schumacher seine Karriere fortsetzen wolle ( 576155 Fahrerkarussell: Perez zu McLaren ).

Sauber als beste Option?

Die einzige sinnvolle Option sei dabei Sauber, glaubt er: "Das ist ein schnelles Team mit einer guten Technik und funktionierenden Struktur."

Und Jordan, der frühzeitig gleichermaßen Schumachers Rückkehr in die Formel 1 und seine Trennung von Mercedes vorhergesagt hatte, geht davon aus, dass ein solcher Schritt für seinen einstigen Schützling Sinn ergeben könnte.

"Michael, so stelle ich es mir zumindest vor, hätte bei Sauber mit einem konkurrenzfähigen Auto im nächsten Jahr die Chance, seine immer noch vorhandene Leidenschaft auszuleben."

Teamchef statt Botschafter?

So könne sich auch eine interessante, langfristige Zukunfstperspektive ergeben.

"Bei Sauber könnte er sein Engagement Schritt für Schritt ausbauen und es am Ende mit einem intelligenten Timing in die Rolle als Teamchef münden lassen. Diese Rolle passt besser zu dem Mann, der dem Motorsport so verbunden ist, als die eines sterilen Botschafters von Mercedes.", sagte Jordan.

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