Michael Schumacher kehrte 2010 mit Mercedes in die Formel 1 zurück © getty

Was kommt für Michael Schumacher nach Mercedes? SPORT1 gibt einen Überblick über mögliche Optionen des Rekord-Weltmeisters.

Von Marc Ellerich

München - So viel steht fest: Mercedes wird den Vertrag von Michael Schumacher nicht verlängern, Lewis Hamilton übernimmt seinen Cockpit-Platz bei den Silberpfeilen. (BERICHT: Schumi-Aus fix - Hamilton kommt)

Das sind die Fakten. Danach aber beginnen schon die Fragen und die Spekulationen: Wie geht es weiter mit dem Superstar des motorsportlichen Elitezirkels?

War's das? Oder ist das Kapitel Formel 1 für den siebenmaligen Weltmeister noch lange nicht geschlossen? Taucht Schumacher nach einem Abschluss seiner Karriere als Rennfahrer womöglich in anderer Funktion in der PS-Liga auf?

Dürre Erklärung

Er selbst ließ sich in einem von Mercedes verbreiteten Statement nicht in die Karten blicken. (STIMMEN: "Abschied reißt ein Riesenloch")

"Ich hatte drei schöne Jahre beim Mercedes F1 Team, die sportlich leider nicht so gelaufen sind, wie wir uns das alles gewünscht hatten", ließ Schumi mitteilen.

Er wünsche seinem Nachfolger Hamilton und dem Team alles Gute und werde sich auf die kommenden sechs Rennen konzentrieren. Punkt, das war's!

"Absolute Leidenschaft"

An anderer Stelle hatte Schumacher allerdings durchaus bekräftigt, wie sehr ihn die Formel 1 noch fasziniert.

Er werde fahren, "solange es mir Spaß macht. Ich habe noch die absolute Leidenschaft".

Aber welche Möglichkeiten hätte der berühmteste Rennfahrer der Geschichte eigentlich, um seine Karriere auf welche Weise auch immer fortzusetzen?

SPORT1 untersucht die einzelnen Optionen.

Option Sauber: "Ich würde ihn sofort nehmen", warb der Schweizer Rennstall-Besitzer reichlich offensiv um Schumacher. Da war der Mercedes-Poker mit Hamilton in vollem Gange. ( 576155 Fahrerkarussell: Perez zu McLaren )

"autosport.com" berichtete von ausführlichen Gesprächen, die Schumachers Managerin Sabine Kehm mit Sauber am Rande des Singapur-GP geführt habe.

Und praktischerweise ist ein Cockpit-Platz im Privatteam gerade frei geworden: Sergio Perez wird bei McLaren Nachfolger von Lewis Hamilton.

[kaltura id="0_dn3xed7b" class="full_size" title="Ralf Schumacher Michael ist das gar nicht so unrecht "]

SPORT1-Prognose: Eine Variante, die Schumacher sicher in Betracht ziehen wird. Zumal der Sauber-Bolide zumindest in dieser Saison konkurrenzfähiger als der Mercedes W03 erscheint. Perez fuhr damit drei Podiumsplatzierungen ein.

Allerdings gibt es auch viele Fragen: Kann sich der Rennstall den PS-Superstar überhaupt leisten? Kann er ihm dauerhaft ein leistungsfähiges Auto bieten? Und wie würde Schumachers Ego den Wechsel von den Weltmarken Ferrari und Mercedes zum kleinen Schweizer Team verkraften?

Option Ferrari: Die Legende Schumacher wieder im Cockpit der legendären Scuderia? Das Beziehungs-Comeback zweier Giganten? Die Schumi-Fangemeinde würde bei dieser Nachricht vor Glück platzen.

Was die Phantasie anregt: Ferraris zweiter Mann, Felipe Massa, galt fast die komplette Saison über als Streichkandidat.

Zuletzt allerdings stiegen die Aktien des Brasilianers nach verbesserten Resultaten wieder. Er selbst glaubt fest an einen Verbleib.

Doch wie ist es zu verstehen, wenn Ferraris Alleinherrscher Luca di Montezemolo die ursprünglich angekündigte Personalentscheidung verschiebt mit der Begründung, man brauche noch ein paar Tage?

SPORT1-Prognose: Schumachers früherer Manager Willi Weber sagt: "Wäre ich noch sein Manager, würde ich noch heute ins Auto steigen, nach Italien fahren und mich mit Luca di Montezemolo unterhalten. Dort hatte Michael seine erfolgreichste Zeit."

Was Weber allerdings unterschlägt: Bei Ferrari wurde Schumacher 2006 in die erste Rente geschickt, um Platz für den finnischen "Iceman" Kimi Räikkönen zu schaffen.

Andererseits: Das italienische Team, mit dem der Deutsche fünf seiner sieben Titel holte, war 2009 sofort zur Stelle und wollte Schumacher zu einem Comeback bewegen. Er sollte Massa ersetzen, der an den Folgen seines schweren Unfalls beim Ungarn-GP laborierte.

Schumacher wollte damals einspringen, konnte es aber wegen seiner schweren Nackenverletzung infolge eines Motorradunfalls nicht.

Dass Schumacher sich die Rolle als Nummer zwei hinter dem roten Liebling Fernando Alonso antun will, darf mehr als bezweifelt werden.

Dennoch: Vielleicht steigt Schumi am Ende doch in den roten Renner. Zumindest für zwei Jahre, bis Ferrari sich seinen Wunsch-Piloten Sebastian Vettel geangelt hat.

Option Marken-Botschafter bei Mercedes: Diese Variante hält Ex-Manager Weber für die wahrscheinlichste. "Ich bin der Meinung, dass Michael schon seit langem mit Mercedes diskutiert, dass er künftig in ihren Reihen eine Berater- oder Botschafter-Funktion einnimmt."

SPORT1-Prognose: Warum sollte Schumacher das tun, so lange er in der Lage ist, einen Formel-1-Boliden erfolgreich zu steuern?

Schon in seiner Rolle als Ferrari-Berater in den Jahren 2007 bis 2009 wirkte er nicht wirklich ausgefüllt.

Und ob der unfreiwillige Abschied aus dem Mercedes-Cockpit Schumachers Lust auf einen Verbleib bei der Sternen-Marke gesteigert hat?

Zumal der Familienvater die rege Reisetätigkeit mit der Formel 1 stets ungern inkauf genommen hatte, und wenn, dann nur um seiner Leidenschaft, dem Rennfahren, zu frönen.

Option Karriereende

SPORT1-Prognose: Wäre jammerschade, ist aber keineswegs auszuschließen.

Letztlich gilt das, was Schumachers Managerin Sabine Kehm der "BBC" auf die Frage antwortete, ob sich dieser in Sachen Zukunft bereits entschieden habe. "Nein", antwortete sie da klipp und klar.

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