Vettel (2010, 2011) und Alonso (2005, 06) haben je zwei Mal die WM gewonnen © getty

Der Red-Bull-Pilot lässt sich von Alonsos Attacken nicht aus der Reserve locken. Seine mentale Stärke könnte entscheidend sein.

Von Tobias Wiltschek

München - Nur zehn Punkte hat Sebastian Vettel nach seinem Sieg in Singapur auf Fernando Alonso gutgemacht.

Der Rückstand auf den WM-Spitzenreiter beträgt immer noch 29 Zähler (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Doch hört man sich im Fahrerlager und bei den Experten um, bleibt der Eindruck, als ob der Red-Bull-Pilot im Rennen um den WM-Titel einen viel größeren Schritt nach vorn gemacht hätte als den von Platz vier auf Platz zwei.

Der Erfolg im Nachtrennen auf dem Marina Bay Street Circuit ( 615796 Bilder ) hat dem Heppenheimer die Gewissheit wieder gegeben, doch noch gewinnen zu können - zum ersten Mal seit fünf Monaten.

Und er hat damit auch seine Antwort auf den Seitenhieb von Alonso gegeben.

Alonso ignoriert Vettel

Der Ferrari-Fahrer hatte schon vor dem Grand Prix von Singapur das Psycho-Spielchen gegen Vettel eröffnet, als er die Fahrkünste des Titelverteidigers indirekt in Frage stellte.

In der spanischen Sportzeitung "As" hatte Alonso behauptet, Hamilton sei der einzige seiner Titelkonkurrenten, der auch ohne das beste Auto gewinnen könne.

"Er will Sebastian ärgern, indem er ihn ignoriert", meinte der ehemalige Formel1-Pilot und heutige TV-Experte Marc Surer. Dies zeige aber auch, dass er ihn am meisten fürchte.

Marko stichelt zurück

Ähnlich interpretiert Red-Bull-Berater Helmut Marko die Aussagen des Spaniers.

In der "FAZ" wertete er sie als Versuch, das Team mit psychologischen Spielchen aus dem Rhythmus zu bringen. Im Gegenzug stichelte der Österreicher:

"Es ist schon interessant zu sehen, dass McLaren und Ferrari, die jahrzehntelang verfeindet waren, jetzt plötzlich Freunde sind."

Auch Alonso und Hamilton haben ihr Kriegsbeil mittlerweile begraben, nachdem sie sich 2007 als McLaren-Teamkollegen einen erbitterten Kampf geliefert hatten.

Duell zwischen Alonso und Vettel

Doch nachdem Hamilton durch seinen Getriebeschaden in Singapur mit nun 52 Punkten nur noch theoretische Titelchancen hat, scheint sich alles auf das Duell zwischen Alonso und Vettel zuzuspitzen.

Auf die Psycho-Attacken des Spaniers reagiert der Deutsche gelassen. "Ich bin nicht hier, um besser als Fernando oder ein anderer Fahrer zu sein", sagte er in der "Sport Bild":

"Ich habe zwei Mal die WM gewonnen. Das heißt, dass ich der konstant schnellste Fahrer einer Saison war."

Mit dieser Aussage bestätigt Vettel nur das, was seine Wegbegleiter über ihn sagen.

"Vettel lässt sich nicht provozieren"

"Es gibt ein Problem für Alonso: Vettel ist kein Typ, der sich provozieren lässt", meinte Gerhard Berger.

Der ehemalige Formel-1-Pilot holte den damals 20-jährigen Vettel 2007 zu Toro Rosso und erinnert sich: "Sebastian war schon damals im positiven Sinne ein Mental-Killer; völlig klar im Kopf, sehr intelligent."

Eine Meinung, die Helmut Marko teilt: "Je größer der Druck, desto besser reagiert er darauf, desto besser werden seine Ergebnisse."

Entscheidend ist im Oberstübchen

Es gebe viele sehr gute Fahrer, aber die entscheidenden Unterschiede spielen sich laut Marko "im Oberstübchen" ab.

Auch Eddie Jordan sieht den Red-Bull-Piloten im Vorteil. "So gut Alonso auch ist, bei Vettel sieht er rot. Nur bei ihm neigt er zu Fehlern", erklärte der Ex-Teamchef und heutige Experte der "BBC".

Zu ungestüm in Monza

In Monza war es, als dem sonst so routinierten Asturier im Duell mit Vettel einer der ganz seltenen Fehler in diesem Jahr passierte.

Statt seinen langsameren Konkurrenten auf der Geraden zu überholen, wollte er sich in einer Kurve auf der Außenbahn an ihm vorbeiquetschen und musste schließlich ins Gras ausweichen, um einen Unfall zu verhindern.

Solche Fehler könnten ihm "im Extremfall sogar den Titel kosten", sagte Jordan.

Vettel hat alles selbst in der Hand

Vor den ausstehenden sechs Rennen liegt Vettel zwar noch 29 Punkte hinter Alonso, doch er hat im Kampf um die WM-Krone immer noch alles selbst in der Hand.

Im besten Fall könnte er als Sieger der letzten sechs Rennen mindestens 42 Zäher auf Alonso aufholen, ohne dass er auf einen Ausfall seines Konkurrenten angewiesen wäre.

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