Lewis Hamilton ging in der Formel 1 bisher 104 Mal an den Start © getty

Trotz seines Ausfalls in Singapur glaubt der McLaren-Pilot an seine WM-Chance. Teamkollege Button bietet sich als Helfer an.

Von Felix Götz

München - Lewis Hamilton war der große Verlierer des Singapur-Grand-Prix (Rennbericht).

Während seine Titel-Konkurrenten Sebastian Vettel, Fernando Alonso und Kimi Räikkönen Punkte holten, schied der McLaren-Pilot souverän in Führung liegend mit einem Getriebeschaden aus.

In der Fahrerwertung fiel der 27-Jährige auf den vierten Platz zurück, sein Rückstand auf den Führenden Ferrari-Star Alonso beträgt 52 Zähler. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

"Es war herzzerreißend", sagte Hamilton: "Wenn du weißt, dass du dir ohne technische Probleme locker 25 Punkte holen könntest, und dann kommt ein Problem, ist das enttäuschend."

Untersuchungen laufen

Was genau am "Chrompfeil" des Weltmeisters von 2008 nicht stimmte, ist noch nicht klar.

"Wir untersuchen das noch", erklärte McLaren-Sportdirektor Sam Michael.

Der direkt nach dem Ausfall an Hamilton gerichtete Funkspruch von Renningenieur Mark Temple ("Wir haben gestern alles versucht") wurde von einigen so gedeutet, dass McLaren bereits nach dem Qualifying Hinweise auf eine mögliche Panne gehabt haben könnte.

Vermutungen zurückgewiesen

Demnach könnte sich der englische Rennstall für die risikoreiche Variante entschieden haben, das womöglich angeschlagene Getriebe nicht zu wechseln.

Somit sollte die andernfalls fällig gewordene Rückversetzung um fünf Plätze und den damit verbundenen Verlust der Pole-Position verhindert werden.

Hamilton dementierte allerdings diese Theorie. Der Defekt habe sich erst "drei bis vier Runden" vor dem Ausfall angedeutet.

Michael schlug in dieselbe Kerbe, gab aber zu, dass McLaren in dieser Saison nicht zum ersten Mal Probleme mit dem Getriebe hatte. ( 615796 DIASHOW: Die Bilder des Rennens )

Zwei Siege, drei Ausfälle

Fakt ist: In den vergangenen fünf Rennen ließ Hamilton - größtenteils unverschuldet - zu viele Punkte liegen.

In Ungarn und in Italien gewann der Engländer zwar, aber in Deutschland, Belgien und nun in Singapur ging er jeweils leer aus.

"Wir können uns das eigentlich nicht leisten", weiß auch Hamilton, der aber kurz darauf zum Großangriff blies: "Dann muss ich halt die letzten sechs Rennen alle gewinnen."

McLaren will sechs Siege in Serie

Sechs Siege in Serie? In dieser Saison schaffte es noch kein Pilot, zwei Mal in Folge als Erster über die Ziellinie zu fahren.

Dennoch traut McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh seinem Fahrer einen sensationellen Schlussspurt zu.

"Wir müssen sicherstellen, dass wir Lewis in diesem Jahr sechs weitere Male problemlos ins Ziel bringen. Wenn das gelingt, ist der Titel mit der aktuellen Leistungsfähigkeit des Wagens möglich", glaubt der 54-Jährige.

Und der Engländer weiter: "Bei sechs noch ausstehenden Rennen kann Lewis noch 150 Zähler holen. Schaffen wir es, mit ihm diese 150 WM-Punkte zu ergattern, ist das eine Ansage, wenn es um den Titel geht."

Alonso eine "harte Nuss"

Die Konkurrenz hat es allerdings in sich. Vor allem "Punkte-Eichhörnchen" Alonso, der in diesem Jahr bislang nur ein einziges Mal einen Nuller verzeichnete, bereitet McLaren Sorgen.

"Alonso hat still und leise wieder 15 Punkte geholt. Er wird eine harte Nuss", so Michael.

Hoffnungen macht McLaren der Speed, mit dem seit Hockenheim eigentlich nur Red Bull teilweise mithalten kann.

"In seiner eigenen Liga"

Zudem setzt der Rennstall auf die Form seines Fahrers.

"Lewis ist momentan in seiner eigenen Liga. Er weiß, wie schnell er in Singapur war, und er glaubt, dass er das in Japan wiederholen kann. Es ist eine Freude, ihn so zu sehen", sagte Michael, der nicht zu erwähnen vergaß, dass er zu Hamilton "ein sehr enges Verhältnis entwickelt und großen Respekt vor ihm" habe.

Diese Aussagen könnten darauf hindeuten, dass sich McLaren und Hamilton in Sachen Vertragsverlängerung wieder angenähert haben.

Hamilton kann zwar "im Moment keine Neuigkeiten verraten", es machen aber Gerüchte die Runde, wonach ein Vertragsentwurf auf dem Verhandlungstisch liegen soll.

Button als Teamplayer

Der Fokus liegt bei allen Beteiligten zunächst aber auf dem Kampf um die Meisterschaft.

Und dabei beweist Jenson Button, der trotz seines zweiten Platzes auf dem Marina Bay Street Circuit satte 75 Zähler Rückstand auf Alonso hat, offenbar Teamplayer-Qualitäten.

Laut Whitmarsh hat der 32-Jährige ihm angeboten, sich in den verbleibenden Rennen in den Dienst Hamiltons zu stellen.

"Meine Chancen sind sehr gering"

"Dass es in unserem Team schon wieder einen Ausfall gab, ist enttäuschend", litt Button mit seinem Mannschaftskollegen.

Zu seinen eigenen Möglichkeiten im Titelkampf äußerte er sich zurückhaltend.

"Der Schlüssel ist Konstanz. Aber meine Chancen sind sehr gering", erklärte der Weltmeister von 2009.

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