Sergio Perez fuhr beim Italien-GP zum dritten Mal in dieser Saison aufs Podium © getty

In Monza trumpft der Sauber-Pilot groß auf und befeuert Gerüchte um einen Wechsel zur Scuderia. Beide Teams geben sich zugeköpft.

Von Jakob Gajdzik

München - Mitten im Ferrari-Land lieferte Sergio Perez das bestmögliche Bewerbungsschreiben ab. (Bericht: Hamilton siegt vor Perez)

Sollten die Oberen des traditionsreichen italienischen Rennstalls noch Zweifel gehabt haben, ob der Mexikaner für die kommende Saison ein geeigneter Kandidat auf ein Scuderia-Cockpit wäre, belehrte "Checo" sie in Monza eines Besseren.

Auf seinem furiosen Schlussspurt überholte Perez im Sauber erst den bis dato Dritten Felipe Massa und schließlich auch noch den WM-Führenden Fernando Alonso - beide in klasse Manier. ( 610180 DIASHOW: Bilder des Rennens )

Dass er mit Kimi Räikkönen auch einen weiteren Weltmeister bei seinem Husarenritt von Platz zwölf auf Platz zwei locker hinter sich ließ, ging dabei fast unter.

Drittes Mal aufs Podium

Nach Platz zwei in Malaysia und Rang drei in Kanada fuhr Perez in Italien zum dritten Mal in dieser Saison aufs Podium. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

Das brachte dem 22-Jährigen viel Applaus ein - auch von Ferrari.

"Er ist zweifellos ein gutes Rennen gefahren", lobte der Teamchef der Roten, Stefano Domenicali, "dazu kann man ihm nur gratulieren."

Die bereits seit geraumer Zeit im Raum stehen Gerüchte, Perez könnte zur kommenden Saison Massa im Ferrari ablösen und an der Seite von Alonso um Punkte fahren, wollte Domenicali - wenig überraschend - nicht kommentieren. ( 576155 DIASHOW: Das Fahrerkarussell 2012 )

"Keine Auskunft" über Zukunft

"Momentan können wir keine Auskunft geben, wie es mit Sergio Perez weitergeht", war alles, was Domenicali zu diesem Thema zu entlocken war.

Ähnliche Worte kamen aus der Sauber-Box: "Wir geben unsere Fahrer ja immer nur auf Saisonbasis bekannt und ich bin sehr gespannt, was die Zukunft anbelangt", sagte Geschäftsführerin Monisha Kaltenborn bei "Sky".

Auch Perez selbst antwortete auf die Nachfrage, ob seine Chancen bei der Scuderia nach dem Italien-GP gestiegen wären: "Ich weiß es nicht."

Massa-Abschied in Brasilien?

Dass bei Ferrari der Brasilianer Massa, seit 2006 bei den Italienern, am 25.November in seinem Heimatland sein letztes Rennen für die Scuderia fährt, ist sehr wahrscheinlich.

Zu wenig holt der 31-Jährige im Vergleich zu Teamkollege Alonso aus dem F2012 raus. Während der Spanier mit 179 Punkten die WM-Wertung anführt, fährt Massa mit 47 Punkten der Musik weit hinterher.

Einen Platz vor Massa in der WM-Wertung liegt? Richtig, Perez. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Massa selbst, in Spa und Monza auf den Plätzen fünf und vier, hat die Hoffnung auf das Ferrari-Cockpit im nächsten Jahr noch nicht aufgegeben.

"Ergebnisse wichtig"

"Die Ergebnisse der vergangenen beiden Rennen waren wichtig. Jetzt ist die Zeit, um auf die kommende Saison hinzuarbeiten und das versuche ich", sagte er.

Gegen die überzeugenden Leistungen von Perez könnten diese Versuche zu spät kommen.

Doch auch die schlaue Sauber-Strategie war in Monza ein herausstechender Faktor. Der Schweizer Rennstall entschied sich, Perez zunächst auf harten Reifen starten zu lassen, um dann bei nur einem Boxenstopp auf die mittleren zu wechseln.

Damit machte Perez pro Runde fast eine Sekunde auf die Konkurrenz gut und schnappte sich einen Fahrer nach dem anderen - auch wegen seiner reifenschonenden Fahrweise.

Hätte das Rennen länger gedauert, hätte auch Lewis Hamilton im McLaren zittern müssen. Der Vorsprung des Monza-Siegers schrumpfte von zwischenzeitlich zwölf Sekunden am Ende auf 4,356.

"Sind ein paar Risiken eingegangen"

"Es ist eines dieser Rennen, bei denen du schnell genug bist und angreifen kannst", genoss Perez den Grand Prix in vollen Zügen, gab bezüglich der Strategie aber auch zu: "Wir sind ein paar Risiken gegangen, spät auf die weichen Reifen zu wechseln und es zahlte sich aus."

Dass er seinem potenziellen neuen Arbeitgeber durch das Überholmanöver gegen Alonso drei - womöglich entscheidende - WM-Punkte klaute, darüber macht sich "Checo" keine Gedanken.

"Ich fahre für mein Team und werde immer alles für das Team geben, für das ich gerade fahre. Ich werde immer mein Bestes geben. Und ich werde gegen jeden fahren, egal ob Fernando oder Lewis", sagte Perez.

Perez will ersten Sieg

Auf seinen ersten Sieg will "Speedy Gonzales" aber nicht warten, bis er möglicherweise im Ferrari sitzt.

"Ich möchte gewinnen, hoffentlich noch vor Saisonende", sagte der 22-Jährige.

Seine Chancen bei Ferrari würde ein Grand-Prix-Sieg sicher nicht trüben.

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