Lewis Hamilton hat bislang 19 Formel-1-Rennen gewonnen © imago

Bleibt er? Oder geht er zu Mercedes? Der Brite lässt sich nicht in die Karten blicken. Bei seinem Team wird Ungeduld spürbar.

Monza - Ein "Gambler", ein Spieler, sei er nicht, sagt Lewis Hamilton.

Das Pokerface, das er auch rund um seinen souveränen Sieg beim Großen Preis von Italien immer dann auflegte, wenn es um seine Zukunft in der Formel 1 ging, lässt durchaus andere Schlüsse zu.

Der potenzielle Nachfolger von Michael Schumacher bei Mercedes ist begehrt - und das spielt er in den Verhandlungen mit McLaren aus (BERICHT: Löst Hamilton Schumi ab?).

Ob er wisse, für welches Team er in der kommenden Saison fahre, wurde Hamilton in Monza einmal mehr gefragt. "Nein", lautete die knappe Antwort des Briten, momentan sehe er sich nirgendwo (NEWS: Alles zur Formel 1).

75-Millionen-Angebot von Mercedes?

Seit Monaten ziehen sich die Verhandlungen mit seinem Rennstall über den auslaufenden Vertrag hin, eigentlich sollte eine Entscheidung bereits in der Sommerpause fallen.

Es geht um viel Geld. Gerüchte über das hochdotierte Angebot des Mercedes-Werksteams waren in der vergangenen Woche weiterer Zündstoff.

Angeblich 75 Millionen Euro über drei Jahre soll Hamilton den Stuttgartern wert sein, schreibt die "Daily Mail". Bei Mercedes soll er demnach Rekordweltmeister Schumacher ersetzen, auch dessen Zukunft ist ungeklärt.

Ton bei McLaren wird rauer

Für McLaren eine unangenehme Situation. Transportierten die offiziellen Äußerungen des Rennstalls in den Monaten zuvor vor allem Konsens zwischen den Parteien, wird der Ton von Seiten der Briten nun rauer.

"Wir wollen keinen Fahrer, der sich nicht zu 100 Prozent zu uns bekennt, der nicht absolut zufrieden bei uns ist", sagt Teamchef Martin Whitmarsh der "BBC":

"Dieses Team ist sehr gut für ihn - ich weiß das. Aber er muss es auch glauben. Und, noch wichtiger, sein Management muss das glauben."

Vorwürfe der Undankbarkeit

Auf der Insel wird Hamilton bereits Undank vorgeworfen. 1998 nahmen ihn McLaren und Mercedes im Young Driver Support Programme unter Vertrag, seit 2007 fährt er für die Briten in der Formel 1.

"Ohne sie wäre er heute nicht da, wo er ist", sagt der dreimalige Weltmeister Jackie Stewart: "Ein bestimmtes Maß an Loyalität kann man da erwarten."

Doch Hamilton lässt sich Zeit. Und legt dabei nicht viel Wert auf Diplomatie. "Es ist ein Geschäft, und man muss auch wie ein Geschäftsmann denken", sagte der Champion von 2008 am vergangenen Wochenende in Spa.

Das erste Angebot "ist meistens sch..."

Der "Daily Mail" verriet er zudem in erstaunlicher Offenheit seine Verhandlungstaktik. "Niemals", wird Hamilton zitiert, "unterschreibt man den ersten Vertrag, der einem hingelegt wird - denn der ist meistens sch..."

Auch, das Hamilton das angebliche Angebot von Mercedes als Druckmittel nutzt, um seinen Preis bei McLaren in die Höhe zu treiben, ist eine beliebte Theorie.

Der frühere Formel-1-Pilot Marc Surer sieht ein "Taktikspielchen". Ein ambitionierter Pilot solle "immer das beste Auto nehmen, das ihm angeboten wird - nicht das meiste Geld", sagt der Schweizer dem "Motorsport-Magazin": "So gesehen verstehe ich es nicht, sollte Lewis wirklich Interesse haben."

Regel-Reform als Unsicherheitsfaktor

In der Tat gehören die McLaren momentan zu den schnellsten Autos im Feld, einmal mehr zeigte sich das in Monza. Einzig die Probleme mit der Benzinpumpe an Jenson Buttons Auto verhinderten wohl einen Doppelsieg nach der Doppel-Pole.

Ohne Zweifel ist McLaren ein Rennstall, der dem Piloten einen siegfähigen Boliden bieten kann - das Mercedes-Werksteam bleibt diesen Nachweis bislang schuldig. Nur ein Sieg gelang seit der Rückkehr in die Formel 1 im Jahr 2010.

Die Stuttgarter dürfen allerdings auf eine Veränderung der Kräfteverhältnisse ab der Saison 2014 hoffen.

Dann tritt ein neues Motoren-Reglement in Kraft, als Werksteam könnte Mercedes einer der Gewinner sein. "Wenn die Regeln in den kommenden fünf Jahren unverändert bleiben würden", sagt Hamilton, "wäre die Entscheidung leichter."

Für den Briten ein weiteres Ass im Vertragspoker.

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