Michael Schumacher (l.) wurde in seiner Karriere sieben Mal Formel-1-Weltmeister © getty

Vor dem Italien-GP sorgt der Ex-Teamchef für Wirbel in der "Silly Season". Schumacher reagiert mit Humor auf Nachfragen.

Von Felix Götz

München - Kurz vor dem Italien-Grand-Prix in Monza (Training, Fr., ab 10 Uhr im LIVE-TICKER) versetzen die Spekulationen um Lewis Hamilton und Michael Schumacher die Formel 1 in Aufregung.

Angeblich soll Hamilton von McLaren zu Mercedes wechseln, um dort den womöglich am Saisonende ausscheidenden Schumi abzulösen.

Einem Bericht der "Daily Mail" zufolge bietet Mercedes Hamilton einen Drei-Jahres-Vertrag, der ihm pro Saison 25 Millionen Euro einbringen soll.

Bisher verdient der Brite bei McLaren rund 17 Millionen Euro im Jahr. (NEWS: Alles zur Formel 1)

Schumacher reagiert mit Humor

Schumacher reagierte gelassen auf die Spekulationen. "Wir haben Silly Season, wir sind in Monza, da sind solche Gerüchte normal", sagte er am Donnerstag.

Angesichts wiederholter Nachfragen konnte sich Schumacher ein Lachen nicht verkneifen. "Ihr könnt euch dem Thema aus allen möglichen Richtungen nähern, die Antwort wird immer die gleiche sein", sagte er gut gelaunt zu den Journalisten und hielt an seinem Zeitplan fest:

"Eine Entscheidung verkünde ich im Oktober."

"Interessant für große Marken"

Die Gerüchte um Hamilton habe er "gehört, aber ich werde jetzt nichts dazu sagen", so Schumacher. Er spüre keinen Druck, sondern habe nach wie vor jeden Grund, sich gut zu fühlen:

"Ich bin 43 Jahre alt, und trotzdem noch konkurrenzfähig und für große Marken interessant."

Jordan stößt Spekulationen an

Angestoßen hat die Spekulationen der frühere Formel-1-Teamchef und heutige "BBC"-Experte Eddie Jordan.

"Ich glaube, sie haben sich bereits verständigt", sagte der 64-Jährige, der bei Jordan einst Schumachers Teamchef war: "Ein Deal könnte kurz bevorstehen. Es sieht so aus, als ob Michael aufhört und Lewis zu Mercedes stößt."

An Jordans Aussagen könnte durchaus etwas dran sein, der Ire ist für gewöhnlich hervorragend informiert.

Zur Erinnerung: Jordan prophezeite 2009 als einer der Ersten Schumachers Formel-1-Comeback - und hatte Recht.

Ecclestone "sehr deutlich"

"Ich habe schon vor ein paar Wochen gesagt, dass ich das Gefühl habe, dass Lewis auf dem Sprung ist. Damals dachte ich, er spricht mit Ferrari. Wir wissen jetzt: Das ist nicht wahr. Jetzt weiß ich aber, dass sich seine Leute mit Mercedes treffen", erklärte der Mann aus Dublin.

Besonders ein Gespräch am Rande des Belgien-Grand-Prix in Spa ( 607536 Bilder ) mit Formel-1-Boss Bernie Ecclestone habe ihn in seiner Auffassung bestätigt.

"Er wurde mir gegenüber am Sonntag sehr deutlich", so Jordan.

Ecclestone hatte ihm ins "BBC"-Mikro gesprochen: "Es tut mir leid, dass Schumacher uns nicht als Sieger verlässt, denn er ist ein Sieger."

McLaren dementiert Behauptungen

McLaren dementierte Jordans Behauptungen.

"Das Management von Lewis Hamilton hat uns versichert, dass die Geschichte unwahr ist", teilte ein Sprecher des britischen Rennstalls mit.

Und Teamchef Martin Whitmarsh ergänzte in der "Sport Bild": "Ich habe keinen Plan B, weil ich wirklich davon ausgehe, dass Lewis bleibt."

Bei den Vertragsverhandlungen gebe es kein "fundamentales Problem", meinte Whitmarsh: "Beide Parteien wollen weiterhin zusammenarbeiten. Aber es geht noch um einige Details. Ich glaube schon, dass die Verhandlungen bald beendet sind."

Bietet McLaren zu wenig Geld?

Jordan glaubt an wesentlich größere Probleme bei den Verhandlungen, als sie Whitmarsh zugeben möchte.

Der frühere Rennfahrer behauptet zu wissen, dass McLaren Hamilton weniger Gehalt als bisher bietet: "Das haben sie klargemacht. Sein aktuelles Gehalt war ja vor der Finanzkrise verhandelt worden."

McLaren ist finanziell offenbar nicht gerade auf Rosen gebettet. Außerdem müssen die "Chrompfeile" ab 2013 für die Mercedes-Motoren bezahlen.

Ob aber Mercedes Hamilton ein so hohes Gehalt wie gehandelt zahlen wird, darf bezweifelt werden. Schließlich beschäftigte sich der schwäbische Rennstall zuletzt anscheinend sogar mit einem Ausstieg aus der Königsklasse.

Jordans Argumente

Jordan sieht das anders. Gerade weil der Mercedes-Vorstand unzufrieden sei, wäre eine Verpflichtung Hamiltons "ein großer Coup, der dem Team etwas Atemluft verschaffen" könnte.

Er brachte ein weiteres Argument ins Spiel.

"Ein Wechsel von Hamilton zu Mercedes würde auch aus Sicht seines Managers Simon Fuller Sinn ergeben. Das ist der Mann hinter den Spice Girls und hinter David Beckham. Und Fuller möchte Hamilton als großen Weltstar etablieren", erläuterte Jordan.

Und weiter: "Mercedes ist dafür einfach die größere Weltmarke als McLaren."

Mercedes nicht überrascht

Bei Mercedes ist man über die Gerüchte in keinster Weise überrascht.

"Solange wir nicht in einer Position sind, um unser komplettes Fahreraufgebot für die neue Saison bekanntzugeben, wird es unweigerlich zu Spekulationen kommen. Wir bitten um Verständnis, dass wir dergleichen nicht kommentieren", teilten die Stuttgarter mit.

Schumachers Aussage, erst im Oktober eine Entscheidung zu fällen, steht also.

Womöglich wird man erst dann erfahren, ob Jordan erneut den richtigen Riecher hatte.

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