Fernando Alonso wurde 2001 von Flavio Briatore ins Minardi-Team geholt © getty

Fernando Alonso gibt sich vor dem Italien-GP vom Spa-Unfall völlig unbeeindruckt. Er will seine Karriere bei Ferrari beenden.

Von Marc Ellerich

München - Was große Sportler auszeichnet, ist ihre Fähigkeit, Unangenehmes oder Nebengeräusche auszublenden und sich rasch wieder aufs Wesentliche zu konzentrieren.

Dass Fernando Alonso zu den Großen seiner Sportart gehört, ist kaum zu bezweifeln.

Also reagierte der spanische Doppel-Weltmeister der Jahre 2005 und 2006 mit dem bekannten Reflex auf den heftigen Start-Crash in Kurve eins des Belgien-Grand-Prix. ( 607536 DIASHOW: Die Bilder des Rennens )

Alonso: Schlechtes Rennen ist drin

Spa - war da was? Schon kurz nach dem Unfall, der ihn hätte das Leben kosten können, twitterte der Ferrari-Star ans Fan-Volk: Alles halb so schlimm, er freue sich bereits auf das rote Heimspiel in Monza (Training, Fr. ab 10 Uhr im LIVE-TICKER).

Und auch wenige Tage später sprach der WM-Führende lieber über seine Chancen im Titelrennen als über Prellungen und blaue Flecken. (BERICHT: Grosjean räumt ab - Vettel sagt danke)

Auf 24 Punkte vor seinem ersten Verfolger, Weltmeister Sebastian Vettel, ist sein Vorsprung in der WM nach dem unfreiwilligen Nuller in Spa geschrumpft. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Die Ausgangssituation habe sich dennoch kaum verändert, hat sich der Superstar aus Oviedo ausgerechnet.

"Der Druck ist im Moment bei den anderen", behauptete er gegenüber "CNN": "Mit unserer Position in der Meisterschaft können wir uns ein schlechtes Rennen erlauben. Die anderen können das nicht."

Ferrari habe den Titel 2012 nach wie vor in den Händen, assistierte sein Teamchef Stefano Domenicali

Sechs WM-Kandidaten

Auch was die Namen seiner ärgsten Konkurrenten angeht, rechnet Ferraris Nummer eins nicht mehr mit großen Überraschungen.

"Ich denke, im Moment sind es die beiden McLarens, die Red Bulls, Kimi und ich", stellte Alonso fest.

Vermutlich gibt sich der Spanier nach dem Horrorcrash ganz bewusst eiskalt bis in die Haarspitzen. Immerhin, zumindest so viel wollte er einräumen: "Die WM kommt jetzt in die entscheidende Phase."

Und ob es vor diesem Hintergrund nun eine Motivationsspritze fürs eigene Team ist oder lediglich ein Bonbon für Ferraris Tifosi vor dem Gastspiel im Königlichen Park: Vor dem letzten Grand Prix auf europäischen Boden kündigte Alonso an, bis zu seinem Karriereende ausschließlich in einem roten Flitzer um die WM-Krone kämpfen zu wollen.

Sein Vertrag mit der Scuderia laufe bis 2017, sagte Alonso. Ob er danach weitermache, wisse er im Moment nicht. "Aber wenn ja, dann wäre das ganz sicher nur mit Ferrari."

Frieden mit Grosjean

So etwas kommt gut an im Ferrari-Land, und zugleich hat der Spanier damit die Forderung seines Teamchefs Domenicali erfüllt. Der forderte mit Blick aufs belgische Unglück, sich ab sofort aufs italienische Rennen zu konzentrieren: "Die Frustration muss jetzt aufhören."

Bei seinem spanischen Vorfahrer muss sich der Rennleiter da keinerlei Sorgen machen: Mit Bruchpilot Grosjean hat Alonso längst per SMS Frieden geschlossen, und einen weiteren Vorteil gegenüber der Konkurrenz hat er ebenfalls ausgemacht.

"Mein Motor ist okay, kein Problem oder irgendeine Beschädigung", stellte der Spanier vor dem 13. Rennen zufrieden fest: "Verglichen mit meinen größten Konkurrenten habe ich also eine frische Maschine mehr."

Die Botschaft all dessen ist klar: Fernando Alonso ist voll da, Monza kann kommen.

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