Sebastien Grosjean ging beim Monaco-Grand-Prix leer aus © getty

Die Verfolger-Teams machen sich das Leben schwer: Maldonado und Grosjean crashen, Räikkönen verzockt sich. Nur einer überzugt.

Von Björn Seitner

München - Auf den Höhenflug kam der tiefe Fall.

Nach seinem Spanien-Coup und dem ersten Sieg eines venezuelanischen Formel-1-Piloten erlebte Pastor Maldonado in Monaco ein unterirdisches Wochenende (Nachbericht).

Angefangen beim unnötigen Trainings-Crash mit Sergio Perez, dem daraus resultierenden letzten Startplatz und dem noch viel unnötigeren Unfall mit Pedro de la Rosa nach nur wenigen Rennsekunden.

Auch Lotus verlor mit Pistenrambo Romain Grosjean gleich zu Beginn einen potenziellen Podiums-Kandidaten ( 564949 DIASHOW: Die Bilder des Rennens ).

Zum ersten Mal in dieser Saison knackte kein Williams-, Lotus-, Sauber- oder Force-India-Fahrer die Top 6. Die Inder konnten mit den Punkteplätzen sieben und acht immerhin zufrieden sein. Wirklich überzeugt hat nur Sauber-Pilot Perez.

SPORT1 beleuchtet die Situation des Jäger-Quartetts:

Williams

Nach dem Barcelona-Sieg hatte sich der britische Rennstall von Monaco-Spezialist Maldonado (GP2-Sieg 2007) deutlich mehr versprochen (DATENCENTER: Die Fahrer-WM).

Chef-Ingenieur Mark Gillan war enttäuscht darüber, dass beide Fahrer in den Häuserschluchten von Monte Carlo ihr Potenzial nicht abrufen konnten. Bruno Senna landete nach Maldonados Crash auf Rang zehn und sorgte damit für ein mageres Pünktchen in der Konstrukteurs-Wertung.

"Das Auto war gut genug für die zweite oder dritte Startreihe. Auch die Geschwindigkeit im Rennen war gut", erklärte Gillan, hatte für Senna aber auch Verständnis: "Er sagte selbst, dass im Qualifying mehr drin gewesen wäre und war sehr frustriert darüber, dass er von Kimi (Räikkönen, Anm. d. Red.) im Rennen aufgehalten wurde."

Gillan hofft auf Montreal

Nach Rang sechs in Malaysia und sieben in China ging es bei Senna stetig bergab. Auch Maldonado muss erst noch beweisen, dass sein erster Grand-Prix-Sieg keine Eintagsfliege war.

Für den Kanada-GP am 10. Juni hofft Gillan bei der derzeit sechststärksten Kraft der Königsklasse auf eine Verbesserung:

"In Montreal wird es viele Stopps und Bremsvorgänge geben, deshalb sollten wir stark sein. Aber das müssen wir im Qualifying und im Rennen beweisen."

Lotus

Nur einen Zähler mehr konnte Lotus, der immer noch drittstärkste Rennstall, in Monte Carlo einfahren (DATENCENTER: Die Konstrukteurs-WM).

Doch genau wie Williams verlor das Team aus Enstone gleich zu Beginn mit Romain Grosjean einen Fahrer.

Der Franzose versuchte gegen Schumacher und Alonso seinen vierten Startplatz mit der Brechstange zu verteidigen und sorgte dann auch noch für das Aus von Kamui Kobayashi.

Einige Experten hatten Lotus zwar das stärkste Auto für Monaco bescheinigt, doch bei Räikkönen verzockte man sich mit den Reifen: "Wir hatten den Stopp so weit hinausgezögert, weil wir dachten, das Regen komme", gab Technikchef James Allison zu.

Enttäuschung in Monaco, aber immer noch dritte Kraft

Lotus-Teamchef Eric Boullier bracht die Enttäuschung dann auf den Punkt: "Wir sind hierher gekommen mit zwei Podestplätzen aus den letzten zwei Rennen. Logisch hat man dann andere Erwartungen."

27 WM-Punkte in Spanien, gar 33 in Bahrain - nun der Absturz im Fürstentum. Dennoch liegt der Rennstall gleichauf mit Ferrari und gilt auch für Kanada als einer der Favoriten.

Grosjean ist einer von nur drei Fahrern, die bisher jedesmal in die Quali-Top-Ten fahren konnten. "Und Kimi liegt nur 25 Punkte hinter WM-Leader Fernando Alonso. Es bleibt also weiter spannend", weiß Boullier.

Sauber

Die Schweizer konnten nach Kobayashis starkem fünften Platz in Barcelona aus Monaco keine Punkte mit nach Hause nehmen.

Perez hatte schon im Training beim Maldonado-Crash Pech und musste von Startplatz 23 aus ins Rennen gehen. Dass er gerade im Stadtkurs noch auf Rang elf fuhr, spricht für den Mexikaner.

Kobayashi startete dagegen auf elf, musste aber nach nur fünf Runden wegen Maldonado und einem daraus resultierenden Problem mit der Radaufhängung die Segel streichen.

Perez mit Selbstvertrauen und Top-Zeit

Perez legte in der 49. Runde den schnellsten Umlauf von allen hin und hat weiterhin ordentliches Selbstvertrauen.

Bisher fehlt dem Mexikaner das Auto für regelmäßige Top-5-Platzierungen, doch Perez ist weiter bei Ferrari im Gespräch und könnte in der kommenden Saison Nachfolger von Felipe Massa werden.

Eines steht für Perez, den wohl einzigen Gewinner der Verfolger-Teams, auch nach der guten Leistung in Monaco fest: "Ich will schnellstmöglich Rennen gewinnen."

Force India

Das mit 28 Zählern in der WM-Wertung schlechteste Mittelklasse-Team, zeigte in Monte Carlo die konstanteste Leistung: Mit Paul di Resta (Platz 7) und Nico Hülkenberg (Rang 8) fuhren beide Piloten in die Top Ten.

Für den Deutschen war es das bis dato beste Saisonergebnis, allerdings weiß Hülkenberg, dass "uns etwa drei Zehntel nach vorne" fehlen.

Er bleibt aber zuversichtlich, dass Force India den angepeilten fünften WM-Rang noch erreichen könne: "Im Vorjahr sind wir auch erst in der zweiten Saisonhälfte so richtig auf Touren gekommen."

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