Hans-Joachim Stuck (l.) startete von 1974 bei 1979 bei 74 Formel-1-Rennen © getty

Rennfahrer-Legende Stuck weiß, dass es der Mercedes-Star "noch drauf hat". Eine Verlängerung wäre das Beste für die Formel 1.

Von Björn Seitner

München - Leistungen und Ergebnisse widersprechen sich in dieser Saison wohl bei keinem Fahrer so sehr wie bei Michael Schumacher.

Der Rekord-Weltmeister absolviert das vielleicht beste Jahr seit seinem Comeback 2010, statistisch war das erste Drittel 2012 jedoch "der schlechteste Saisonstart, den ich je erlebt habe", wie Schumacher nach dem Ausfall im Monaco-Grand-Prix feststellte (Bericht).

Dennoch überwiegt beim 43-Jährigen nach nur zwei Punkten aus sechs Rennen der Optimismus, wie auch Rennfahrer-Legende Hans-Joachim Stuck feststellt:

"Er war vor allem in Monaco unheimlich gut drauf, ich habe ihn anschließend trotz eines Unfalls selten so motiviert gesehen", so "Strietzel" im Gespräch mit SPORT1: "Ich würde fast sagen, er ist derzeit der beste Schumacher aller Zeiten."

Doch geht es so weiter, könnte der beste Schumi aller Zeiten zum Edel-Helfer für Teamkollege Nico Rosberg werden.

Stallorder? Die Fahrer wissen wie es läuft

"Ich glaube nicht, dass wir die Order geben würden", sagte Mercedes-Motorsport-Chef Norbert Haug hinsichtlich einer Stallorder (seit 2011 wieder erlaubt) zwar, fügte aber vielsagend an: "Ich denke auch, dass unsere Fahrer wissen, wie das dann zu funktionieren hat..."

Und Routinier Schumacher wird sich sehr wohl darüber bewusst sein, was er tun muss, sollte Rosberg - von den Punkten her der beste Fahrer seit dem China-Grand-Prix - auch nach dem zweiten Saisondrittel noch so nah an der Spitze sein.

Nach 59 Punkten in den vergangenen vier Rennen hat Rosberg 17 Zähler Rückstand auf WM-Leader Fernando Alonso - Schumi fuhr in dieser Zeit nur einen Punkt ein (DATENCENTER: Die Fahrer-WM).

"Er hat es immer noch drauf"

Zu allem Überfluss wurde ihm vom Automobil-Weltverband (FIA) auch noch die erste Pole Position seit 2006 nachträglich aberkannt (News). Das Rennen im Fürstentum musste er wegen eines technischen Problems vorzeitig beenden (Bericht).

Es kann also nur besser werden - glaubt auch Stuck bei SPORT1: "Michael war wirklich ein paar Mal kurz vor einem Sieg und das finde ich fantastisch. Er hat mit seinem Kampfgeist bewiesen, dass er es immer noch unheimlich drauf hat."

Auf diesen Kampfgeist wird es nun mehr denn je ankommen, will Schumacher die aktuelle Saison würdevoll beenden.

Schumacher mit viel Pech

Grundvoraussetzung dafür ist ein funktionierendes Auto, wie Stuck erklärt: "So ein Bolide ist natürlich nicht dafür gebaut, zum Kaffeetrinken zu fahren, sondern ans Limit zu gehen. Da kommt es nunmal vor, dass man wegen eines technischen Fehlers ausfällt. Aber es ist schon schade, wieviel Pech Michael bisher hatte."

Der 62-Jährige ist jedoch zuversichtlich: "Wer in Monaco auf die Pole fahren kann, der kann das auch in den anderen Rennen." (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

Kann Schumacher seine Leistung in den kommenden Grands Prix in Punkte umsetzen, sieht der Ex-Formel-1-Pilot und zweimalige Le-Mans-Sieger auch keinen Grund, warum er seinen Vertrag bei Mercedes nicht noch einmal verlängern sollte.

Stuck glaubt an Vertragsverlängerung

"Michael wird sich Gedanken machen und viele Dinge abwägen. Grundsätzlich wird er nur weiterfahren, wenn er noch Spaß an der Sache hat, und ich glaube, das hat er, wie man zuletzt gesehen hat. Alles weitere ist dann nur Formsache", so Stuck.

Er glaubt zwar, dass es in diesem Fall noch zu einem Poker zwischen Schumacher und den Stuttgartern kommen könnte, dieser aber eine Verlängerung nicht verhindern könne.

Zumal auch Mercedes-Teamchef Ross Brawn nach der Quali-Bestzeit von Monaco auf die Frage, ob er sich einen neuen Kontrakt für Schumi wünsche, antwortete: "Nach Samstag ist das sicher der Wunsch aller."

Schumi, die Lichtgestalt

Der Formel 1 könne nichts besseres passieren als eine weitere Saison mit Schumacher, spricht sich Stuck für den siebenmaligen Weltmeister aus:

"Er polarisiert, ist eine Lichtgestalt und der erfolgreichste aktive Fahrer. Wenn Michael nicht dabei ist, dann fehlt ein wichtiger Teil der Königsklasse."

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