Niki Lauda wurde 1975, 1977 und 1984 Formel-1-Weltmeister © imago

Die Verfilmung seines legendären Feuerunfalls weckt bei Niki Lauda große Emotionen. Von Regie und Darstellern ist er begeistert.

München - Als er sah, wie Daniel Brühl als Niki Lauda aus dem brennenden Ferrari gezogen wurde, hatte Niki Lauda einen dicken Kloß im Hals. "Mir sind fast die Tränen gekommen", sagte der dreimalige Formel-1-Weltmeister.

Jener legendäre Feuerunfall auf dem Nürburgring, nach dem schon ein Priester zur letzten Ölung an Laudas Bett stand, ist inzwischen 37 Jahre her.

Die Verbrennungen sind bei dem Österreicher, der seitdem stets ein "Kapperl" trägt, noch deutlich zu sehen, doch die inneren Narben schienen verheilt.

Der Hollywood-Streifen "Rush" reißt sie nun wieder auf.

Der Film von Oscar-Preisträger Ron Howard ("A Beautiful Mind"), der den sporthistorischen Titelkampf zwischen Lauda und dem späteren Champion James Hunt 1976 beleuchtet, stellt auch Laudas Unfall in den Mittelpunkt.

Lauda von eigenem Schicksal ergriffen

Von dem Film, der nun in den deutschen Kinos gestartet ist, ist Lauda überzeugt.

Doch darüber zu reden, fällt ihm schwer.

"Ich bin sehr erschrocken, als ich Daniel Brühl so gesehen habe, wie ich nach dem Unfall aussah", sagt er tief bewegt: "Ich war damals verletzt, mir war wurscht, was die anderen bei meinem Anblick denken, denn ich hatte genug Probleme, mit der ganzen Sache fertig zu werden."

Und weiter: "Nun habe ich zum ersten Mal beurteilen können, wie die anderen mich damals gesehen haben. Deshalb verstehe ich heute, warum ich damit so viele Menschen verschreckt habe. Darüber hatte ich mir vorher nie Gedanken gemacht."

Formel 1 für Howard Neuland

Im Rückblick rufe die Erinnerung an seinen schlimmen Unfall "mehr Emotionen in mir hervor als damals. Damals hatte ich keine Angst, ich habe mein Programm abgespult, war im Tunnel und darauf fixiert, zu gewinnen und am Leben zu bleiben."

Dass die Szenen Lauda so bewegen, bedeutet, dass sie authentisch sind. Dabei hatte Howard zur Formel 1 vorher keinen Bezug.

"Lassen sie es mich so sagen", erklärt der 59-Jährige schmunzelnd: "Ich wusste vor diesem Film mehr über die Formel 1, als ich vor Apollo 13 über die Raumfahrt wusste."

Der Film mit Tom Hanks über die abgebrochene Raumfahrtmission war 1995 einer der größten Erfolge Howards.

Kein Sport- oder Actionfilm

Lauda lacht nun mit, die beiden verstehen sich sichtlich gut.

Howard haben an dem Projekt "am meisten die beiden Charaktere gereizt". Deshalb hat er sich in den Stoff reingearbeitet.

"Es gibt natürlich zahlreiche Rennszenen, und wir sind sehr stolz darauf, dass wir die Szenerie und damit auch die Stimmung von damals wohl sehr gut rekonstruiert haben", sagt er.

Aber "Rush" sei weder ein Sport- noch ein Actionfilm, sondern "ein Drama, ganz klar".

Howard erleichtert

Dass Lauda mit dem, was er sah, zufrieden ist, erleichtert den Regisseur, der mit NASA-Mütze zum Interview erschienen ist.

"Das ist mein fünfter Film über reale Menschen", erklärt er: "Und es ist immer ein seltsames Gefühl, wenn diese Menschen diesen Film das erste Mal sehen. Ich habe schon zu meiner Frau gesagt: Ich hatte ja zum Glück einigen Erfolg in meinem Leben. Aber ich bin froh, dass mein Leben wahrscheinlich nicht interessant genug ist, um irgendwann verfilmt zu werden. Denn das muss ein ganz seltsames Gefühl sein."

Lauda nickt. "Das ist es auch", sagt er: "Dennoch kann ich es kaum erwarten, den ganzen Film zu sehen."

Lauda lobt sein Alter ego

Dabei hatte er vor Beginn des Projekts maximal so viel Ahnung von Filmen wie Howard von der Formel 1.

Als ihm vorgeschlagen wurde, dass Brühl ("Inglorious Basterds") ihn spielen solle, "hat mir meine Frau erst einmal erklären müssen, wer das überhaupt ist."

Eine gemeinsame Woche in Wien hatte das Eis dann gebrochen. "Wir haben uns vom ersten Moment an gut verstanden", sagt Lauda.

Heute ist er mit seinem Alter ego hochzufrieden. "Er hat das super gemacht. Er spricht sogar wie ich. So, mit den Zähnen nach vorne", sagt Lauda und parodiert sich selbst.

Sprech-Nachhilfe für Brühl

Dass Brühl ein guter Lauda ist, liegt auch an der engen Zusammenarbeit des echten und des "falschen" Lauda.

"Für Daniel war es vor allem schwierig, den Akzent richtig zu treffen", sagt Howard:

"Deshalb war es super, dass er Nikis Telefonnummer in der Kurzwahl gespeichert hatte. Immer, wenn er vor einem Problem stand, habe ich gesehen, wie er sich zurückgezogen hat, heimlich sein Telefon zückte und kurz darauf Deutsch gesprochen hat."

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