Norbert Haug (r. mit Schumacher) ist seit 1990 Motorsportchef bei Mercedes © getty

Norbert Haug feiert seinen 60. Geburtstag. Trotz der durchwachsenen Saison ist der Mercedes-Sportchef noch längst nicht amtsmüde.

München - Dass er ab Samstag ein 60-Jähriger sein soll, will Norbert Haug gar nicht so recht glauben. "Die Zahl kommt mir schon ein bisschen spanisch vor", sagt der Mercedes-Sportchef: "Und das ist auch gut so."

60 ist das neue 50 sagt der Volksmund, damit kann Haug mehr anfangen. "Ich bin so fit, motiviert und engagiert wie eh und je", versichert er: "Eher noch mehr."

Michael Schumacher pflichtet ihm bei. "Nobby ist unser Urgestein", sagt der aus der Formel 1 scheidende Rekordweltmeister:

"Wer ihn kennt, weiß, mit welchem Elan er immer bei der Sache ist. Dass Mercedes noch in der Formel 1 ist, ist ganz klar ihm zu verdanken." (BERICHT: Haug würde Schumi wieder holen)

Seit 1990 in der Verantwortung

Für fast 1000 Rennen in den verschiedenen Klassen trug der frühere Motorsportjournalist Haug seit 1990 die Verantwortung. An der Strecke war er bei fast allen, lediglich Terminüberschneidungen konnten ihn abhalten.

Gewonnen hat Mercedes in der Zeit über 400 Rennen und 56 Titel. Alleine sechs in der Formel 1, gemeinsam mit McLaren, 32 gar in der DTM.

"Zu viel wird es mir nur, wenn wir nicht gewinnen", sagt Haug, für den auch am Ehrentag ein Qualifying (ab 16.45 Uhr im LIVE-TICKER) und damit "Arbeit statt Feier" ansteht.

So gesehen war die zweite Jahreshälfte durchaus dazu angetan, ihm die Freude und Motivation zu nehmen.

Keine gute Saison

In der DTM verpasste Mercedes im letzten Saisonrennen den Titel, in der Formel 1 folgte dem Sieg von Nico Rosberg in Schanghai ein ganz bitteres zweites Halbjahr.

"In 22 Jahren waren bei den zahlreichen Erfolgen und Gipfelstürmen notgedrungen auch immer wieder Täler zwischen den Gipfeln", sagt er:

"Aktuell ist das in der Formel 1 für unser Team vielleicht ein ziemlich verschlungenes und hartes Tal. Aber durch Härte lernt man auch Stärke."

Haug hat in diesem Jahr viele Niederlagen erklären und nach außen vertreten müssen.

"Bin ein schlechter Verlierer"

"Aber ich bin ganz sicher ein schrecklich schlechter Verlierer, und am Wettbewerb des guten Verlierers möchte ich niemals teilnehmen", erklärt er: "Ich bin viel lieber ein guter Gewinner als ein schlechter Verlierer." (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Herabgestuft fühlt er sich nicht, auch wenn der dreimalige Weltmeister Niki Lauda ihm als Aufsichtsratschef des Formel-1-Teams in den Augen vieler vor die Nase gesetzt wurde. (NEWS: Alles zur Formel 1)

"Bei uns gibt es keine Personality-Show", erklärt er: "Wenn wir uns stärken können mit Kompetenz, dann ist das wunderbar und vollkommen richtig. Ich muss nicht auf dem Siegerpodium stehen. Ich kann mir auch mit einer Tasse Tee die Siegerliste ansehen, und wenn der richtige Name oben steht, dann habe ich ganz viel Freude."

Aufhören ist kein Thema

Mit dem Aufhören beschäftigt sich Haug noch lange nicht. Zwar könne er sich "schon irgendwann noch eine neue Herausforderung vorstellen", wie er versichert: "Ich habe sehr viele Gedanken an Soziales, an Gerechtigkeit und daran, wie die Welt mit ihren Bewohnern tickt."

Doch erst einmal möchte er "zur Verfügung stehen, solange mich das begeistert und solange man der Meinung ist, wir brauchen ihn und mit ihm klappt es besser als ohne ihn."

Dass es wieder aufwärts geht, da ist Haug sich sicher. "Wir sind eine tolle und fleißige Mannschaft", versichert er:

"Motorsport hält jung"

"Alle Teammitglieder leiden bei Niederlagen genauso wie ich, aber sie sind keine Heulsusen, sondern starke und engagierte Männer und ganz tolle und starke Damen. Da ist immer Drive, Feuer und Spaß dabei, und wir werden aus dem Tal wieder auf den Berg kommen, ganz, ganz sicher."

Das Feuer brennt noch sichtlich in ihm. "Motorsport hält jung", sagt Haug schmunzelnd: "Die Arbeit mit jungen Menschen und die stete Anforderung, schnell und präzise entscheiden zu müssen, sind echtes Fitnesstraining."

Viel Schlaf

Technisch geht er auch abseits der Rennstrecke immer mit der Zeit, sein iPad ist treuer Weggefährte. Die ständigen Reisen und neuen Einflüsse sowie seine junge Lebensgefährtin halten ebenfalls jung.

Und dann ist da noch seine Disziplin. "Man kann und muss sicherlich zwischendurch mal abrocken, aber ich versuche schon seit langer Zeit, so oft wie möglich so früh wie möglich ins Bett zu gehen und zu schlafen", verrät er:

"Speziell unter der Woche. Um 21 Uhr werktags ins Bett - das habe ich in den letzten zehn Jahren ganz freiwillig ganz oft gemacht. Das klingt vielleicht etwas unracerhaft - aber ich kann das jedem nur empfehlen."

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