Niki Lauda (l.) wurde 1975, 1977 und 1984 Formel-1-Weltmeister © imago

Niki Lauda spricht im SPORT1-Interview über den WM-Kampf, sein derzeitiges Azubi-Leben bei Mercedes und Vettels Weg zur Legende.

Von Felix Götz

München - Am Sonntag steht in Abu Dhabi (1. Training, Fr., ab 10 Uhr im LIVE-TICKER) das drittletzte Rennen der Saison auf dem Programm.

Sebastian Vettel könnte dabei einen weiteren Schritt in Richtung Titel-Hattrick machen. Sein Vorsprung auf Fernando Alonso beträgt 13 Zähler.

"Alonso kann Vettel nicht mehr aufhalten", sagte Formel-1-Legende Niki Lauda gegenüber SPORT1.

Der dreimalige Weltmeister traut Vettel sogar noch deutlich mehr zu - den Angriff auf die Bestmarke von Michael Schumacher, der sieben Mal Champion war.

Im SPORT1-Interview spricht Lauda über den Titelkampf, sein derzeitiges Azubi-Leben bei Mercedes und Vettels Weg zur Legende.

SPORT1: Herr Lauda, Vettel hat vier Rennen in Folge gewonnen und 13 Zähler Vorsprung auf Fernando Alonso. Ist er noch aufzuhalten? (DATENCENTER: WM-Fahrerwertung)

Niki Lauda: Alonso kann Vettel nicht mehr aufhalten. Es sei denn, Vettel bekommt plötzlich technische Probleme. Aber im Normalfall nicht. Alonso kann Vettel trotz seiner fahrerischen Überleistung nicht stoppen, weil der technische Vorsprung von Red Bull zu groß ist. In Abu Dhabi hat Alonso vielleicht noch die größte Chance, weil Ferrari der dortige Kurs liegen sollte. In Austin und in Sao Paulo ist die Red-Bull-Überlegenheit dann aber spätestens wieder da.

SPORT1: Alonso sagte, er fährt nicht gegen Vettel, sondern gegen Adrian Newey. Wird Vettels fahrerisches Können nicht genug gewürdigt?

Lauda: Das ist eine Aussage von Alonso, die nicht qualifiziert ist. Jedes Auto braucht einen guten Fahrer. Was nützt Newey, wenn es der Fahrer nicht umsetzen kann? Vettel und Alonso sind Top-Fahrer auf dem gleichen Level. Alonso hat ein wenig mehr Erfahrung. Wenn beide Fahrer gleich gut sind, dann entscheidet natürlich, wer das bessere Auto hat. Das war schon immer so, das kann man nicht ändern. Ein Auto gehört zum Rennfahren dazu.

SPORT1: Wer oder was hat Sie in dieser Saison bisher positiv überrascht?

Lauda: Positiv überrascht hat mich, dass sich die meisten Teams im Laufe der Zeit teilweise gut auf die große Reifenproblematik einstellen konnten. Wobei dies immer zu unterschiedlichen Zeitpunkten geschehen ist und oft nicht konstant der Fall war. Ansonsten muss man sagen, dass Red Bull insgesamt gesehen den besten Eindruck hinterlassen hat. Sie haben im letzten Drittel des Jahres, wo es ja logischerweise darauf ankommt, einen riesigen technischen Sprung gemacht.

SPORT1: Ist Mercedes die Enttäuschung der Saison?

Lauda: Nein, weil Mercedes ja einen Grand Prix gewonnen und das Jahr sehr gut begonnen hat. Sie haben sich zu Beginn immer unter den ersten Fünf qualifiziert. Aber sie wurden von der Reifenproblematik noch härter als die meisten anderen Teams getroffen. Deswegen ist das Up and Down, das alle Teams hatten, bei Mercedes etwas größer.

SPORT1: Sie sind jetzt Aufsichtsratschef der Silberpfeile. Wo gilt es für Sie, den Hebel anzusetzen?

Lauda: Ich muss überhaupt keinen Hebel ansetzen. Für mich ist es derzeit wie in der Schule. Ich bin dabei, viele Dinge zu lernen, alle Zusammenhänge zu verstehen. Ich bin also noch in der Ausbildung und will deshalb dazu nichts weiter sagen.

SPORT1: Für Schumi läuft es nicht. Fürchten Sie, dass es ein unwürdiger Abschied für ihn wird?

Lauda: Ich hoffe immer noch, dass er in den letzten drei Rennen gute Resultate holt. In erster Linie für sich selbst, denn dann fällt ihm der Abschied sicherlich leichter. Er hat übrigens teilweise super Leistungen gezeigt. In Monte Carlo Platz eins im Qualifying herauszufahren muss man beispielsweise erst mal zusammenbringen.

SPORT1: Sie loben Vettel seit längerer Zeit in den höchsten Tönen. Hat er das Zeug, Schumi den Titel des Rekord-Champions abzunehmen?

Lauda: Das ist natürlich möglich. Vettel kann einige von Schumachers Rekorde brechen und eine Legende werden. Aber es ist verdammt schwierig.

SPORT1: Aus Formel-1-Kreisen hört man immer wieder, dass das Interesse an der Königsklasse nachlässt. Wie sehen sie das?

Lauda: Das sehe ich nicht so. Das Interesse nimmt mal zu und nimmt mal ab. Das hat mit der Spannung in der WM und der Spannung in den einzelnen Rennen zu tun. Das ist in jedem Sport so. Skirennen sind nicht immer interessant und spannend. Und Fußballspiele schon gar nicht. Es gibt Fußballspiele, die man am liebsten vergessen würde. In der Formel 1 ist es dieses Jahr gar nicht so schlecht. Jetzt, wo Vettel und Alonso sich ein heißes Duell liefern, nimmt das Interesse wieder zu. Da werden wieder mehr Leute zuschauen.

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