Sid Watkins war von 1978 bis 2004 FIA-Chefarzt für die formel 1 © imago

Der frühere Rennarzt Sid Watkins ist tot. Barrichello verdankt ihm sein Leben. Schumacher spricht von einem "schweren Verlust".

London/Köln - Der 1. Mai 1994 war der schwärzeste Tag im Leben des Sid Watkins.

Imola, Rennsonntag. Der Formel-1-Rennarzt hatte schon Schlimmes hinter sich.

Zuerst der Crash von Rubens Barrichello, dann der tödliche Unfall von Roland Ratzenberger.

Aber der Gipfel des Grauens war noch nicht erreicht. In der sechsten Runde des Rennens zerschellt Ayrton Sennas Williams an der Mauer von Tamburello.

Sid Watkins ist sofort bei seinem Freund. Helfen aber konnte er nicht mehr.

"Ein schwerer Verlust"

Senna verstarb trotz der Fürsorge Stunden später. Nun ist auch Sid Watkins tot.

"Doktor Sid", wie er liebevoll genannt wurde, starb am Mittwoch im Alter von 84 Jahren und die Formel 1 trauert. (NEWS: Alles zur Formel 1)

"Ein schwerer Verlust für die Formel 1, und nicht nur für sie. Sid verband Kompetenz mit Herz, und für uns Fahrer war er immer da - ich erinnere mich da natürlich an meinen Unfall in Silverstone, als er sofort an meiner Seite war", teilte Michael Schumacher auf seiner Homepage mit, "meine Gedanken sind bei seiner Familie."

Watkins hinterlässt seine Ehefrau und sechs Kinder.

Senna und Watkins

"Ruhe in Frieden, Professor Sid Watkins. Schlechte Nachrichten für die, die zurückbleiben", erklärte Bruno Senna, dessen Onkel Ayrton Senna im Leben des Sid Watkins eine bedeutende Rolle gespielt hatte.

Besonders Sennas tragischer Tod berührte Watkins tief.

Er erinnerte sich: "Wir hoben ihn aus dem Cockpit und legten ihn auf den Boden. Dabei seufzte er, und, obwohl ich absoluter Agnostiker bin, fühlte ich, wie in diesem Moment seine Seele ihn verließ."

Gebetsmühlenartig auf Senna eingeredet

Der Schmerz war damals um so größer, als er am Vortag noch gebetsmühlenartig auf Ayrton Senna eingeredet hatte und diesen zum Aufhören überreden wollte.

"Ayrton, du bist der beste und schnellste Fahrer. Du brauchst keinem mehr etwas beweisen. Hör auf mit dem Fahren. Lass uns gemeinsam angeln gehen und die Zeit genießen", hatte Watkins förmlich gefleht.

Vergeblich. "Ich kann nicht aufhören, Sid. Ich kann es einfach nicht", hatte Senna erwidert. Dann nahm das Schicksal seinen Lauf.

"Sid hat mir das Leben gerettet"

Ayrton Senna war einer, dem Sid Watkins nicht mehr helfen konnte.

Bei vielen anderen Fahrern war der gebürtige Liverpooler jedoch zur Stelle.

"Es war Sid, der mir in Imola das Leben gerettet hat. Er war ein großartiger Mensch, danke für alles, was du für uns getan hast", sagte Rubens Barrichello in Erinnerung an seinen eigenen Imola-Unfall.

Liebhaber von Zigarren

Watkins, ein Liebhaber von Zigarren und Whisky, verkörperte im schnelllebigen Formel-1-Zirkus eine Konstante.

Der Neurochirurg war von 1978 bis zu seinem Abschied 2004 Chefarzt des Automobil-Weltverbandes FIA für die Formel 1.

Promoter Bernie Ecclestone hatte die Kontakte geknüpft. Für die Königsklasse war es ein Glücksgriff.

Luftröhrenschnitt bei Häkkinen

Sid Watkins war aber nicht nur zur Stelle, wenn es auf den Rennstrecken krachte.

Wie etwa 1995 beim Großen Preis von Australien in Adelaide, wo er beim schwer verunglückten Mika Häkkinen vor Ort einen Luftröhrenschnitt vornehmen musste.

Der Engländer arbeitete auch an der Modernisierung des medizinischen Standards der Formel 1.

Dennis würdigt Watkins

Auch nach seinem Rücktritt Anfang 2004 blieb er der Formel 1 erhalten, als Mitglied der Sicherheitsgremiums der FIA.

"Ich erinnere mich auch gerne an unsere gemeinsame Zeit in vielen FIA-Sicherheitsmeetings über die Jahre, wo er stets darauf bedacht war unsere Sicherheit zu verbessern", teilte Schumacher mit.

McLaren-Chef Ron Dennis, jahrelanger Wegbegleiter und Freund von Sid Watkins, fand die passenden Worte der Würdigung:

"Heute hat der Motorsport einen seiner wahren Größen verloren. Nein, er war kein Fahrer. Und nein, er war auch kein Techniker. Er war ein Arzt, und ich glaube es ist fair zu sagen, dass er über viele Jahre mehr getan hat als jeder andere, um die Formel 1 so sicher zu machen, wie sie heute ist."

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