Lewis Hamilton begann im Alter von acht Jahren mit dem Motorsport © imago

Zwischen Heldentat und Blackout: Lewis Hamilton ist ein Mann mit zwei Gesichtern. Vor dem Deutschland-GP (So., 13.45 Uhr ) in Hockenheim gibt der McLaren-Pilot zu, wie es um sein Nervenkostüm bestellt ist.

Von Tobias Kimmel

München - Lewis Hamilton hat zwei Gesichter: Mal ist er der eiskalte Regenkönig von Silverstone, der trotz seiner 23 Jahre beim Heim-Grand-Prix vor 100.000 Fans die Nerven behält, während die meisten anderen Fahrer Wasserballett tanzen.

Mal gehen die Nerven mit ihm durch und Hamilton verzockt die sicher geglaubte Weltmeisterschaft noch in den letzten beiden Saison-Rennen.

Was steckt wirklich unter Hamiltons Helm?

"Jeden Sonntag vor einem Rennen flattern mir die Nerven. Ich kann es nicht kontrollieren", gab Hamilton am vergangenen Wochenende am Rande des "Goodwood Festival of Speed", einem traditionsreichen Bergrennen, zu. Wie wird es am Sonntag beim Deutschland-GP in Hockenheim?

Dass er seit dem achten Lebensjahr regelmäßig im Cockpit sitzt, mache es nicht besser. Das Lampenfieber komme immer wieder zurück, vor jedem Rennen. Der Motorsport, speziell die Formel 1, sei einfach unberechenbar.

Endstation Kiesbett

So wie im vorletzten Rennen der vergangenen Saison, als Hamilton mit abgefahrenen Reifen zu schnell unterwegs war, um die Kurve zur Boxengasse zu bekommen. Endstation Kiesbett.

Oder wie im Saison-Finale 2007: Hamilton hat im WM-Kampf noch vier Punkte Vorsprung auf Fernando Alonso, verbremst sich aber gleich in der ersten Runde des Brasilien-GP und liegt plötzlich nur noch auf Platz 8.

Ein Punkt fehlt

Wegen eines Getriebeproblems wenige Runden später lässt Hamilton weitere wertvolle Sekunden liegen. Am Ende kämpft er sich noch auf Platz sieben vor. Ein Punkt fehlt auf Kimi Räikkönen, den neuen Weltmeister.

Auch in dieser Saison hat Hamilton bereits den Vogel abgeschossen. Beim Kanada-GP übersah er eine Rote Ampel in der Boxengasse und fuhr dem wartenden Räikkönen ins Heck.

"Vom Kindergarten an die Uni"

Die Kritiker gingen nach solchen Blackouts nicht zimperlich mit dem Shootingstar um. Der "Telegraph" spricht vom "Hamilton effect" - wenn es um Superhelden geht, die sich hin und wieder lächerlich machen.

Formel-1-Legende Jackie Stewart meint, Hamilton habe über Nacht den Sprung "vom Kindergarten an die Universität" geschafft. Selbst für ein solches Ausnahmetalent sei das zuviel. Eine Art Fahrlehrer könne in solchen Fällen nicht schaden, sagt der Schotte.

Schmerzliche Erfahrungen

Auch ohne Fahrlehrer hat Hamilton in seinen eineinhalb F-1-Saisons eines schmerzlich erfahren müssen: "Es passiert ständig etwas anderes. Es kann regnen oder trocken sein, man startet immer wieder aus einer anderen Position, es sind immer andere Zuschauer da und auch die Stimmung ist immer wieder anders."

Der Vize-Weltmeister weiter: "Es geht für mich immer nur darum, das möglichst gut auszublenden und dann den bestmöglichen Job abzuliefern." In Silverstone ist das geglückt ? trotz aller Unwägbarkeiten.