Trotz Gold wirft Oleg Znaroks Drohung ein schlechtes Licht auf dessen Arbeit. Dabei ordnet sich sogar Owetschkin unter.

[kaltura id="0_h0qmmc92" class="full_size" title=""]

Von Rainer Nachtwey, Jonas Beck und Sascha Bandermann

München/Minsk - Es ist eine kurze, aber deutliche Bewegung. Eine Drohung.

Der Daumen führt am Hals vorbei, links beginnend, nach rechts gezogen, als ob die Kehle durchschnitten würde.

Die Drohung gilt der schwedischen Bank. Von dort schreit Rikard Grönborg zurück. Oleg Znarok ist erhitzt, dabei müsste er es gar nicht sein.

Nur noch wenige Sekunden sind zu spielen. Sein Team führt mit 3:1. Das Finale ist Russland nicht mehr zu nehmen.

[kaltura id="0_reucf4dk" class="full_size" title="Russlands Coach sorgt f r Eklat"]

Znarok setzt sich über Strafe hinweg

Es ist eine Szene, die über das komplette Finalwochenende mit Russlands Sieg im Endspiel gegen Finnland (Bericht) einen Schatten wirft.

Zumal sich Znarok über die anschließend ausgesprochene Finalstrafe hinwegsetzt, mit der Bank via Funkgerät kommuniziert und sich anschließend auf dem Eis von seinen Spielern feiern lässt.

[image id="9934c045-63ab-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Nicht nur der Kontakt zur Mannschaft, sondern auch die Teilnahme an der Siegerzeremonie war ihm verboten worden ( 888834 DIASHOW: Die Bilder der WM ).

Znarok, der Mahner

Die Todesdrohung, wie IIHF-Präsident Rene Fasel die Szene beschreibt, wirft auch einen Schatten auf Znaroks Arbeit.

Dabei hatte der neue Coach, der nach dem peinlichen Aus im Viertelfinale der Olympischen Spiele den Posten von Sinetula Biljaletdinow übernommen hatte, Großes geleistet (SHOP: Jetzt Eishockey-Fanartikel kaufen).

Alle zehn WM-Spiele gewonnen, in keinem Spiel mehr als zwei Gegentore kassiert und souverän den WM-Titel gewonnen.

Owetschkins Verlobte Maria Kirilenko feiert:

[tweet url="//t.co/NhSzQr7Nw0"]

"Unser Coach redet sehr viel mit uns, egal ob in der Kabine oder auf dem Eis. Jedes Mal, wenn wir in Führung gehen, sorgt er dafür, dass wir uns auf dem Eis nicht ausruhen, sondern uns weiter konzentrieren", stellte Viktor Tichonow bei SPORT1 die Verdienste des Trainers heraus.

Znarok formte bei der WM aus hervorragenden Individualisten eine bärenstarke Mannschaft, etwas, das seinem Vorgänger nur bei der WM 2012 in Helsinki und Stockholm geglückt war.

Neulinge drehen auf

Vor allem seine Maßnahme, auf junge Spieler wie eben Tichonow oder Sergej Plotnikow zu setzen, oder verdiente wie Danis Zaripow zurückzuholen, erwies sich als gelungener Schachzug.

Tichonow, Zaripow und Plotnikow spielten sich in den Vordergrund, belegten in der abschließenden Scorerwertung die Plätze 1 bis 3 (STATISTIK: Zahlen und Daten zur WM). Die internationalen Medienvertreter wählten Tichonow und Plotnikow sogar ins All Star Team, anstelle der Superstars Alex Owetschkin und Jewgeni Malkin.

[kaltura id="0_bl0ozz1o" class="full_size" title="Die Stimmen zum Finale"]

Vom Opa geehrt

Auf Tichonow wartete bei der Siegerzeremonie noch eine besondere Ehrung. Sein Großvater, der berühmte Trainer Viktor Tichonow, der mit der Sbornaja Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre alles im Welteishockey dominierte, überreichte ihm die Goldmedaille.

"Für mich ist es etwas Besonderes, dass mein Großvater hier ist und mir bei der Medaillenübergabe sagt, dass er stolz auf mich ist", sagte Tichonow bei SPORT1 und dachte im größten Moment seiner noch jungen Karriere der Familie.

Und seinem 2013 verstorbenen Vater: "Die Medaille widme ich ihm."

Disziplinierte Superstars

Aber nicht nur Russlands Neulinge, auch die Superstars hatten gewichtigen Anteil am 27. WM-Titel. Znaroks gelang es, Owetschkin und Malkin auch Defensivarbeit einzubläuen.

Beide, die zumeist nur ihr Augenmerk auf ihre Offensvikünste legen, arbeiteten nach hinten mit, auch wenn es auf Kosten ihrer Punkteausbeute ging. Znaroks Credo "Ich will, dass ihr auch defensiv spielt" setzten sie perfekt um.

Und im entscheidenden Moment waren sie im Finale auch in der Offensive präsent. Einen 1:2-Rückstand drehten Owetschkin (28.) und Malkin (36.) in eine 3:2-Führung.

[kaltura id="0_ugs6wdn4" class="full_size" title="Tichonow lobt Znarok"]

Team statt Individualisten

"Es ist immer noch eine Teamleistung. Ein Mannschaftsspiel. Es geht immer noch darum, wie wir als Ganzes auf dem Eis auftreten. Das ist für uns das Wichtigste", stellte der stark auftrumpfende Keeper Sergej Bobrowski das Erfolgsrezept bei SPORT1 heraus.

Ähnlich sieht es SPORT1-Experte Rick Goldmann: "Immer wenn sie Meisterschaften gewonnen haben, haben sich auch darauf besonnen nach hinten zu arbeiten. Das hat die Mannschaft sehr gut umgesetzt. Sie ist verdient Weltmeister geworden."

Wieder ein großes Lob für Znaroks. Dennoch bleibt seine Meuchel-Geste, das, was hängen bleibt. Und seinen Erfolg in den Schatten stellt.

Weiterlesen