SPORT1-Experte Sascha Bandermann glaubt an eine Zukunft für das deutsche Nationalteam. Der Bundestrainer habe aber Probleme.

Privet aus Minsk, liebe Eishockey-Fans!

Die Eishockey-WM ist für unser Team vorbei - und es bleibt die große Frage: Wie steht es um das deutsche Eishockey?

Besser als es die Schwarzseher nach dem Abschluss auf Platz 14 zu deuten wissen, schlechter als es die Sonnenanbeter schönreden (die Viertelfinals ab 15.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

Fakt ist, dass das Team seit dem letzten Erreichen eines Viertelfinales im Jahr 2011 fünf Plätze in der Weltrangliste eingebüßt hat. Die direkte Olympiaqualifikation für 2018 ist selbst mit einem richtig guten Fernrohr nicht am Horizont zu erkennen.

Die Nationalmannschaft hat in Minsk trotzdem an ihrer Zukunft gearbeitet - an der Zukunft WM 2017 in Deutschland und Frankreich.

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Pat Cortina hat junge Neulinge gebracht und das war richtig so. Besonders mit Leon Draisaitl, Tobias Rieder, Marcel Noebels und Philipp Grubauer muss er aber nun die Kommunikation ständig hochhalten, damit diese auch in den kommenden Jahren feste Bestandteile des Teams sein können und wollen.

Die ein oder andere Absage lässt sich durch mögliche Playoff-Teilnahmen in Zukunft eh nicht umgehen, wenn unsere talentierten Wahl-Amerikaner in der NHL durchstarten werden. Der DEB-Coach steht weiterhin vor der schwierigen Frage: Wie steht der Sportdirektor Cortina dem Trainer Cortina nicht im Weg und umgekehrt?

Ein Problem der Doppelfunktion lautet: Ein Coach braucht vor allem Resultate. Ein Sportdirektor braucht eine Vision. Nicht immer passt das im Sport zusammen.

Mir ist aufgefallen, dass im Zusammenhang mit dem DEB-Team häufig die Bezeichnung "junge Mannschaft" fiel (ich gebe zu, auch von mir).

Der Altersschnitt von 26 Jahren war allerdings nicht außergewöhnlich niedrig. Fünf Spieler Jahrgang 1990 und jünger waren dabei. Bei den USA standen 14 Spieler derselben Kategorie im Kader.

Die Statistik legt Problemzonen offen: Die deutsche Mannschaft hat in ihren sieben Spielen zu wenig Tore geschossen (13) und zu viele kassiert (23/im Schnitt 3,29). Dazu kommt die Bilanz von nur 87,5% parierter Schüsse.

Im Rausch der Heim-WM 2010 schoss man sogar nur 13 Tore in neun (!) Partien, bekam aber hinten auch nur 14 eingeschenkt. Dazu spielten Endras und Co. eine sensationelle Fangquote von 95,5% ein. Auf der Torhüterposition mache ich mir aber grundsätzlich keine Sorgen.

Ja, man hätte nach dem Sieg gegen Lettland an Grubauer festhalten können. In der Emotion vergisst man allerdings schnell, dass Rob Zepp uns bei der WM 2013 zwei Spiele mit Shutout gewonnen hat.

Danny aus den Birken wäre für mich der perfekte Starting Goalie gewesen, da er in den letzten beiden Saisons seine Stärken eindrucksvoll untermauert hat. Verlorenes Finale hin oder her.

Im Bereich Torabschluss muss man endlich effizienter werden, sowohl direkt vor der Hütte als auch von der blauen Linie. Deutschland braucht - Dank an Berti Vogts - dringend mehr Breite in der Spitze. Dafür darf die Zusammenarbeit zwischen DEB, Landesverbänden und Liga nicht nur auf dem Papier geschrieben stehen.

Es muss ohne Wenn und Aber - im Sinne einer geilen Sportart mit Potenzial - gelebt werden. Die Nationalmannschaft sollte immer das Aushängeschild einer Sportart sein.

Kreist der Adler stolz und mit positivem Image umher, dann kann unter seinen gesunden Flügeln vieles wachsen. Es wird Zeit, dass sich der DEB professioneller aufstellt.

Ach ja: Die Stimmung in den Arenen Minsk ist super! Die Eishockey-Fans haben sich dieses Turnier verdient!

Bleibt genauso leidenschaftlich!

Paka!

Euer Sascha

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