In seiner Kolumne gibt Rick Goldmann vor Deutschlands WM-Auftakt die Devise vor. Kanadier und Russen sieht er nicht als Topfavoriten.

Liebe Eishockey-Freunde,

Heute beginnt die Eishockey-Weltmeisterschaft mit dem Spiel Schweiz gegen Russland - natürlich LIVE auf SPORT1.

Eine Eishockey-WM nach dem Highlight Olympia ist immer ein etwas anderes Turnier. Wir erinnern uns an 2010, als Deutschland das Halbfinale erreicht hat.

Ist es auch dieses Jahr wieder so, dass die vermeintlich großen Nationen den kleinen die Möglichkeit geben, sich vorne reinzuspielen?

Hat die deutsche Mannschaft wieder die Chance, eine solche Sensations-Geschichte zu starten?

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Dazu müssen wir auch den DEB-Kader unter die Lupe nehmen. Es stehen viele erfahrene Spieler nicht zur Verfügung. Zum Teil, weil sie verletzungsbedingt selbst absagen mussten, zum Teil, weil Bundestrainer Pat Cortina freiwillig auf ältere Spieler - insbesondere vom Deutschen Meister Ingolstadt - verzichtet hat.

Sicherlich sehr weh tut die Absage von Christian Ehrhoff und Alexander Sulzer. Ehrhoff stand letztes Jahr in Helsinki fast 30 Minuten pro Spiel auf dem Eis. Das ist außergewöhnlich viel.

Diese Stabilität wird dem jungen deutschen Team, das Cortina für diese WM geformt hat, fehlen.

Enthusiasmus, Kampf und Defensive sind die Schlagwörter und die Devise, die Cortina ausgegeben hat.

Für Enthusiasmus stehen vor allem die jungen Spieler, die Neulinge. Zum 26-Mann-Kader gehören sechs, die 22 Jahre alt und jünger sind.

Allen voran ist der 18 Jahre alte Leon Draisaitl zu nennen, der auf eine große NHL-Karriere hoffen darf. Es wird sehr interessant sein, ihn auf dieser großen Bühne spielen zu sehen - auf hohem internationalen Niveau und bevor er gedraftet wird.

Die deutsche Mannschaft ist aufgrund des Alters sehr vom Turnierstart gegen Aufsteiger Kasachstan und auch dem zweiten Spiel gegen Lettland abhängig.

Gegen die Kasachen ist ein Sieg eigentlich Pflicht. Und mit einem weiteren Erfolgserlebnis gegen die Letten ist der Truppe mit dem Enthusiasmus und dem aufgebauten Selbstvertrauen viel zuzutrauen - bis hin zum Viertelfinaleinzug.

Aber dafür ist das erste Spiel ein absoluter Gradmesser. Die Kasachen sind nicht zu unterschätzen - auch wenn sie Aufsteiger sind. Sie sind eine sehr erfahrene und eingespielte Mannschaft. Drei Viertel der Spieler läuft für Astana in der KHL auf.

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Auf ein Team, auf das ich besonders gespannt blicke, ist Russland. Nach dem Olympia-Debakel mit dem Viertelfinal-Aus wurde mit Oleg Znarok ein neuer Trainer verpflichtet, der auch den Kader deutlich verändert hat.

Trotz der Veränderungen ist Topstar Alex Owetschkin wieder mit dabei und ich bin echt gespannt, wohin die Reise Russlands bei dieser WM führt.

Favoriten sind sie für mich in erster Linie nicht, auch nicht die Kanadier und Amerikaner mit ihren sehr, sehr jungen Teams. Das sind für mich die Schweden und die Tschechen.

Als Titelverteidiger sind die Schweden einfach Favorit und sie treten auch mit acht NHL-Spielern an.

Für Tschechien läuft wieder Jaromir Jagr auf. Er steht stellvertretend für den Erfahrungsschatz, und die Mannschaft kann auf sehr wichtige Säulen der letzten Weltmeisterschaften zurückgreifen.

Aber vielleicht überrascht uns ja doch eine kleine Nation. Ich würde es mir ob der Spannung wünschen.

Eine schöne WM wünsche ich uns.

Viel Spaß dabei auf SPORT1.

Euer Rick

Erich Goldmann, 38, stand 126 Mal für die deutsche Nationalmannschaft auf dem Eis. Der Verteidiger, der beim NHL-Draft 1996 an 212. Position von den Ottawa Senators gezogen wurde, bestritt ein Spiel in der NHL. Nach einer schweren Sprunggelenksverletzung beendete er 2008 beim EHC München seine Laufbahn. In seiner Karriere bestritt er für den EV Landshut, Adler Mannheim, Kaufbeurer Adler, Moskitos Essen, ERC Ingolstadt und Iserlohn Roosters 500 DEL-Spiele. Für SPORT1 kommentiert Goldmann seit 2008 die Spiele der Nationalmannschaft.

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