Erfolgserlebnis vor zehn Jahren: Die Slowakei schlug im WM-Finale 2002 Russland © getty

Mit der Slowakei trifft im WM-Finale ein richtiger Underdog auf die russische Startruppe. Erinnerungen an 2002 werden wach.

Aus Helsinki berichtet Rainer Nachtwey

Helsinki - Branko Radivojevic hebt da Trikot samt Oberkörperschutz hoch, präsentiert das T-Shirt darunter.

Es zeigt die Nummer 38 und das Antlitz Pavol Demitras. "Ich bin mir sicher, er schaut von oben auf uns herab", sagt Radivojevic.

Die Slowakei steht bei der Eishockey-WM in Helsinki und Stockholm im Finale - und mit ihr der verstorbene Kapitän der 2011er-WM-Mannschaft Pavol Demitra. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Demitra war eines der Opfer des Flugzeugabsturzes von Jaroslawl im September 2011, als fast die gesamte KHL-Mannschaft von Lokomotive Jaroslawl ihr Leben ließ - unter ihnen auch der deutsche Nationalspieler Robert Dietrich.

Einfluss aus dem Himmel

Tomas Kopecky, der ein Baseballcap mit der 38 trägt, meint: "Bereits beim Tor gegen Kanada, hatte Pavol seine Finger im Spiel." (Bericht: Satan beschert Slowakei Finale)

Nach dem Erfolg über den Olympiasieger im Viertelfinale und nun über den großen Bruder Tschechien im Halbfinale wartet im Endspiel (ab 19.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, im LIVESTREAM und LIVE-TICKER auf SPORT1.de) Russland mit seinen beiden Superstars Jewgeni Malkin und Alexander Owetschkin auf den Außenseiter.

Immer Außenseiter

"Jeder, der gegen uns spielt, ist Favorit", sagt Christian Ehrhoffs Teamkollege beim NHL-Klub Buffalo Sabres Andrej Sekera.

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Und die Über-Mannschaft des Rekordweltmeisters mit dem bei dieser WM Alles überragenden Jewgeni Malkin erst Recht.

"Er ist momentan der Beste auf der Welt", gesteht auch Russlands zweiter Ausnahmekönner Owetschkin ein. "Er ist einfach nicht zu stoppen."

Mit allen Mitteln gegen Malkin

Finnlands Joonas Jarvinen hatte es bei der 2:6-Halbfinal-Niederlage versucht, unfair, aber auch ihm gelang es nicht. Malkin krachte in die Bande, blieb kurzzeitig liegen, hielt sich den Arm.

Nach kurzer Untersuchung kehrte er aufs Eis zurück, schoss sein drittes Tor im Spiel zum vorentscheidenden 4:1.

"Ich fühle mich großartig", sagt Malkin und wischt jede Bedenken, er könne im Finale gegen die Slowakei nicht auflaufen, bei Seite: "Ich bin fit. Ich werde spielen."

Owetschkin ordnet sich unter

Die Sbornaja hat es geschafft, als Team zu funktionieren. Dem großen Erfolg ordnen sich alle unter, selbst Owetschkin. Der Nachkömmling nimmt seine Rolle als Adjutant Malkins an.

Zu bitter sind noch die Erinnerungen an die letzten Jahre, als die russische Mannschaft trotz zahlreicher Superstars es nicht schaffte, die Überlegenheit bei den Einzelspielern auch als Team umzusetzen.(SERVICE: Die WM-Statistik)

2010 in Deutschland standen Malkin, Owetschkin und Pawel Dazjuk bereits gemeinsam im Endspiel auf dem Eis, dazu sogar noch Ilja Kowaltschuk, der WM-Titel schien nur die logische Konsequenz. Doch damals scheiterten die Russen im Finale an Tschechien, einer Mannschaft, die trotz Superstar Jaromir Jagr als Einheit auftrat.

Geschlossenheit Made in Slowakei

So eine Einheit bilden auch die Slowaken. "Jeder ist für jeden da", sagt Sekera. "Wir treten als Team auf, wir haben ein Kämpferherz, damit machen wir das wett, was uns vielleicht spielerisch fehlt."

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Gegen die Russen soll nun noch der große Erfolg gelingen. Der Glaube dazu ist da, meint Radivojevic: "Warum auch nicht? Wir haben Kanada geschlagen, wir haben Tschechien geschlagen. Warum nicht auch Russland?"

Zumal die Slowaken gute Erinnerungen an ein Finale gegen Russland haben. 2002 gelang ihnen bereits der Sensationscoup. Zwei aus jener Zeit stehen immer noch auf dem Eis: Michal Handzus und Miroslav Satan.

Hölle in der Heimat

"Zuhause wird bestimmt die Hölle los sein. Ich hoffe, dass das Land noch steht, wenn wir zurückkommen", sagt der doppelte Torschütze gegen Tschechien Satan.

Und Radivojevic meint: "Egal wie das Finale ausgeht. Ich werde jetzt zwei, drei Wochen nicht aufhören zu lachen. Wir haben allen Grund zu feiern."

Und ob auf dem T-Shirt, auf dem Baseballcap oder auch nur im Herzen - Pavol Demitra wird immer dabei sein.

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