Schweden wurde bei der Weltmeisterschaft 2011 Vize-Weltmeister © getty

Nach dem verpassten Halbfinale sitzt bei den Schweden der Schmerz ganz tief. Kanadas Coach vermisst die Killer-Mentalität.

Aus Stockholm berichtet Rainer Nachtwey

Stockholm - Die Abbauarbeiten begannen schon, da lief die Partie noch.

Für Stockholm ging die 76. Eishockey-WM mit dem letzten Viertelfinale zu Ende. Die Endrunde mit den beiden Halbfinals und den Endspielen trägt nun Helsinki alleine aus. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Aber nicht nur für die schwedische Hauptstadt, für ganz Schweden ist die WM beendet.

Durch das 3:4 gegen Tschechien im Viertelfinale verpassten die Co-Gastgeber erstmals seit zwölf Jahren den Einzug in die Runde der letzten Vier und den Sprung in die finnische Hauptstadt (Bericht).

"Das ist eine ganz bittere Niederlage. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", sagte Schwedens Verteidiger Niklas Hjalmarsson bei SPORT1.

Schmerz sitzt tief

Der Schmerz saß tief bei den schwedischen Spielern.

Victor Hedman, der nach der Niederlage noch 20 Minuten lang für Interviews zur Verfügung gestanden hatte, stapfte frustriert mit gesenktem Kopf an den wartenden Journalisten vorbei.

Der 1,98-Meter-104-Kilogramm-Riese wirkte auf einmal ganz klein.

In der Vorrunde Tschechien besiegt

Die Hoffnungen waren groß, nach dem verlorenen Finale im Vorjahr den Pokal diesmal in Händen zu halten, ihn von Helsinki nach Stockholm zu entführen, um ihn dann im kommenden Jahr vor den eigenen Fans zu verteidigen.

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15 NHL-Stars, die schnell zu einer Einheit gefunden hatten, standen in den Reihen der Tre Kronor, Viertelfinalgegner Tschechien hatte die Truppe von Coach Pär Marts in der Vorrunde beim 4:1 deutlich in die Schranken gewiesen.

"Es ist schwer, ein Team zweimal zu schlagen", analysierte der schwedische Trainer kurz und knapp.

Schweden geben Spiel aus der Hand

Dabei hatte seine Mannschaft einen gelungenen Start hingelegt, drückte auch nach dem 1:0 durch Loui Eriksson auf das Tor des glänzend aufgelegten tschechischen Keepers Jakub Kovar.

Mit dem Ausgleich verloren die Schweden aber nicht nur die Führung, sondern auch jeglichen Spielfluss. Erst nach dem 1:3 fanden die Gastgeber in ihr Spiel zurück, kamen durch zwei Treffer 45 Sekunden vor und nach der zweiten Drittelpause zum Ausgleich.

"Wir dachten, wir hätten das Spiel in der Hand", sagte Gabriel Landeskog. "Von da an haben wir so gespielt, wie wir uns das vorgestellt hatten. Das ist schon sehr bitter, wenn man 29 Sekunden vor Schluss dann das Gegentor kassiert."

Nun treffen die Tschechen im Halbfinale im Bruderduell auf die Slowakei (ab 17.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM auf SPORT1.de) .

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Kanadas Kapitän bringt Slowaken Vorteil

Nicht nur für die favorisierten Schweden kam im Viertelfinale das frühe Aus, auch für Olympiasieger Kanada.

Die Ahornblätter, neben Russland Topfavorit auf den WM-Titel, kassierten ebenfalls kurz vor Schluss das entscheidende Gegentor (Bericht) und verpasste die Vorschlussrunde gegen Russland (ab 13.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM auf SPORT1.de).

Ausgerechnet Kanadas Kapitän Ryan Getzlaf hatte den Siegtreffer der Slowaken begünstigt. Seine Fünf-Minuten-plus-Spieldauerdisziplinarstrafe in Unterzahl bescherte dem Außenseiter ein 5-auf-3-Powerplay, das die Slowaken eiskalt nutzten.

Getzlaf fühlt sich schuldig

"Es tut mir wahnsinnig leid, dass ich die Jungs hängen gelassen habe", meinte der Olympiasieger von Vancouver, für den die Partie 2:32 Minuten vor Schluss aufgrund eines Kniechecks gegen Juraj Mikus vorzeitig beendet war.

"Wir hätten am Schluss einfach cleverer spielen müssen. Wir haben einfach nicht diszipliniert gespielt", meinte Ryan O?Reilly.

"Haben uns selbst geschlagen"

Coach Brent Sutter vermisste in den letzten sieben Minuten, in denen die Kanadier zunächst den Ausgleich durch Milan Bartovic (54.) und anschließend das 3:4 durch Michal Handzus (58.) kassiert hatten, die Killer-Mentalität.

"Du gehst mit einer Führung ins letzte Drittel, 3:2, da darfst du dir die Butter nicht mehr vom Brot nehmen lassen. Solch enge Spiele musst du einfach abschließen", rüffelte der Trainer seine Spieler. "Wir haben uns in den letzten sieben Minuten selbst geschlagen."

Kanada verliert drittes Viertelfinale in Serie

Durch das Aus der Kanadier und der USA, die anschließend Titelverteidiger Finnland durch ein Tor acht Sekunden vor Schluss unterlagen, geht eine WM zum dritten Mal in Folge ohne nordamerikanische Beteiligung in die Halbfinals.

Aber erstmals seit 2000 findet die Runde der letzten Vier ohne Schweden statt.

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