Die Tschechen (mit Martin Erat) gewannen die Weltmeisterschaft bisher sechs Mal © getty

Die Tschechen treffen kurz vor dem Ende und schmeißen Gastgeber Schweden raus. Finnland träut weiter von der Titelverteidgung.

Aus Stockholm berichtet Rainer Nachtwey

Stockholm - Bittere Enttäuschung auf der einen, überschwänglicher Jubel auf der anderen Seite:

Für die beiden WM-Gastgeber hätten die Schlusssekunden ihrer Viertelfinals nicht unterschiedlicher sein können.

Co-Ausrichter Schweden unterlag Tschechien im letzten Turnierspiel in Stockholm - ehe Halbfinals und Endspiele allein in Helsinki ausgetragen werden - durch ein Tor von Milan Michalek 29 Sekunden vor Schluss mit 3:4 (1:2, 1:1, 1:1). (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Dagegen darf Finnland weiter von der Krone bei der Heim-WM träumen.

Joensuu acht Sekunden vor Schluss

Dank eines Treffers von Jesse Joensuu acht Sekunden vor Spielende setzte sich der Titelverteidiger im dritten Viertelfinale gegen die USA mit 3:2 (0:0, 1:1, 2:1) durch.

Die Finnen treffen am Samstag (ab 13.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM auf SPORT1.de) in der Runde der letzten Vier auf Russland.

Schweden-Bezwinger Tschechien bekommt es im zweiten Halbfinale im Bruderduell mit der Slowakei zu tun (ab 17.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM auf SPORT1.de)

"Das ist eine ganz bittere Niederlage. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", sagte Schwedens Verteidiger Niklas Hjalmarsson bei SPORT1.

Schweden dominiert zunächst

Dabei sah es zu Beginn so aus, als sollten die Schweden den Weltmeister von 2010 überrollen.

[image id="69336f29-6452-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Nach zahlreichen guten Chancen erzielte Loui Eriksson (8.) die frühe Führung und die Schweden blieben am Drücker.

Umso überraschender war der Ausgleich durch Petr Nedved (12.). Die Schweden gaben danach das Spiel aus der Hand, und Jiri Novotny nutzte die Verunsicherung in der schwedischen Defensive zur Führung (17.).

"Uns zu viele Turnover geleistet"

"Wir haben uns zu viele Turnover geleistet. Das haben die Tschechen eiskalt ausgenutzt", sagte Hjalmarsson.

Und Tschechiens Michal Frolik meinte zum Erfolgsrezept: "Ich denke, wir haben die Tschechen mit unserem aggressiven Forechecking und unserem körperlichen Spiel überrascht."

Erst nach dem 1:3 durch Ales Hemsky im Powerplay (31.) nahm der Druck der Schweden wieder zu. Henrik Zetterberg belohnte die Mühen 45 Sekunden vor Drittelende mit dem Anschlusstor.

Michalek beendet alle Träume

Und die Schweden legten nach der letzten Pause nach. Jonathan Ericsson glich 45 Sekunden nach Wiederbeginn zum 3:3 aus, ehe Michalek in der Schlussminute alle Träume beendete.

"Da hatten wir das Momentum auf unserer Seite. Aber wir haben dann nicht den entscheidenden Stich machen können. Wir hatten Möglichkeiten, die Tschechen hatten einige, und dann haben sie eine genutzt", meinte Hjalmarsson.

[kaltura id="0_cm2no67w" class="full_size" title="Russland bleibt Favoritenrolle gerecht"]

Howard entnervt Löwen

In der Hartwell Arena von Helsinki bekamen die Fans eine abwechslungsreiche Partie zu sehen. Nach einem torlosen ersten Abschnitt brachte Joensuu das Löwen-Team in Führung, nachdem seine Mitspieler zuvor reihenweise am starken US-Keeper Jimmy Howard gescheitert waren.

Nur 21 Sekunden später glich Kyle Palmieri aus. Trotz zahlreicher guter Chancen auf beiden Seiten ging es mit dem Remis in den Schlussabschnitt. Dort erzielte Bobby Ryan bereits nach 99 Sekunden die erstmalige Führung der USA.

Koivu trifft mit der Kufe

Die Finnen drückten fortan auf den Ausgleich und wurden mit dem Ausgleich durch Kapitän Mikko Koivu belohnt. Allerdings hatten die Finnen Glück, dass der Treffer Anerkennung fand.

Der NHL-Profi hatte die Scheibe mit der Kufe über die Linie bugsiert. Nach Ansicht der Videoaufzeichnung entschieden die Referees auf Tor.

US-Kapitän Jack Johnson richtete nicht deshalb Kritik an die Schiedsrichter. "Wir hätten ein paar Powerplays bekommen müssen. Ich weiß nicht, wie oft wir noch von hinten gecheckt werden müssen. Das ist schon sehr enttäuschend", sagte der Verteidiger.

Als die Fans sich bereits auf die Verlängerung eingestellt hatten, drückte Jöensuu die Scheibe nach einem Pass von hinterm Tor aus kurzer Distanz über die Linie.

"Fantastisches Gefühl"

"Ich habe 18 Jahre lang die WM am Fernseher verfolgt. Jetzt dabei zu sein, ist ein fantastisches Gefühl", sagte der Matchwinner nach seinen ersten beiden Toren im Nationaltrikot.

Durch die Niederlage der USA findet zum dritten Mal in Folge die Runde der letzten Vier ohne nordamerikanische Beteiligung statt.

Auch Olympiasieger und Favorit Kanada war im ersten Viertelfinale überraschend am Weltmeister von 2002 Slowakei gescheitert (Bericht).

Weiterlesen