Russlands Alexander Owetschkin (M.) spielt in der NHL bei den Washington Capitals © getty

Die Slowakei bezwingt Favorit Kanada und zieht erstmals seit acht Jahren ins Halbfinale ein. Russland ist zu stark für Norwegen.

Aus Stockholm berichtet Rainer Nachtwey

Stockholm - Mit einer Sensation ist die Eishockey-WM in Helsinki und Stockholm (LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM auf SPORT1.de) in die K.o.-Phase gestartet, die zweite blieb jedoch aus.

Während zum Viertelfinal-Auftakt die Slowakei Olympiasieger Kanada bezwang, setzte sich die mit den Superstars Alexander Owetschkin und Jewgeni Malkin gespickte Mannschaft Russlands gegen Norwegen durch.

Vor 7519 Zuschauer im nicht ausverkauften Globen von Stockholm schossen Owetschkin (8.), Alexander Popow (15.), Alexej Jemelin (41.), Nikolai Scherdew (51.) und Ilja Nikulin (55.) den Topfavoriten mit einem 5:2 (2:1, 0:1, 3:0)-Erfolg ins Halbfinale. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Dort kommt es zum Treffen mit Co-Gastgeber Finnland, der die USA mit 3:2 (0:0, 1:1, 2:1) niederrang.

Slowakei dreht die Partie

In Helsinki sahen die Kanadier beim 3:4 (1:2, 2:0, 0:2) bis sechs Minuten vor Schluss wie der sichere Sieger aus, ehe Milan Bartovic (54.) und Michal Handzus (58.) die Partie innerhalb von vier Minuten drehten.

"Es ist eine bittere Pille, die man schlucken muss. So zu verlieren, ist besonders hart. Es schmerzt. Es tut höllisch weh. Die Jungs haben zu hart gearbeitet, um dann so zu verlieren", konnte es Kanadas Ryan Getzlaf nicht fassen.

Satan legt nach

Die Slowakei erwischte den besseren Start. Zwar bestimmte Team Kanada das Spiel, die Slowaken hatten jedoch die besseren Chancen. Bereits nach fünf Minuten nutzte NHL-Profi Tomas Kopecky eine zur frühen Führung, Oldie Miroslav Satan legte fünf Minuten später das 2:0 nach.

Nach dem zweiten Gegentreffer spielte nur noch Kanada. Der Anschlusstreffer durch Evander Kane (17.) noch im ersten Drittel war die logische Folge. Auch im zweiten Abschnitt drückten die Ahornblätter. Jeff Skinner (27.) und Alexandre Burrows (38.) brachten den Olympiasieger verdient in Führung.

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Bartovic-Ausgleich nicht überraschend

Auch zu Beginn des Schlussabschnitts waren die Kanadier überlegen, die Slowakei kam aber zu guten Konterchancen und so war es nicht überraschend, als Bartovic ausglich (54.). Keine 60 Sekunden später rettete die Latte nach Satans Schuss für den geschlagenen Keeper Cam Ward.

Drei Minuten vor Ende entschied eine hässliche Situation die Partie. Bereits in Unterzahl setzte Kanadas Kapitän Ryan Getzlaf einen Kniecheck gegen Juraj Mikus an, eine Fünf-Minuten-plus-Spieldauerdisziplinar-Strafe war die Konsequenz.

Die 5:3-Überzahl nutzte der Weltmeister von 2002 nur vier Sekunden später zum Siegtreffer. Christian Ehrhoffs Teamkollege in Buffalo Andrej Sekera zog von der blauen Linie ab, Handzus fälschte zum Siegtreffer ab.

"Uns nimmt noch immer keiner richtig wahr. Wir haben 60 Minuten als Team gearbeitet, jeder war für jeden da", verriet Andrej Sekera das Erfolgsgehemins der Slowaken.

Kanada zum dritten Mal in Folge ohne Medaille

Während die Kanadier damit zum dritten Mal in Folge die Medaillenrunde verpassten, erreichten die Slowaken erstmals seit 2004 wieder die Runde der letzten Vier.

Dort kommt es zum Bruder-Duell gegen die Tschechen (ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1), die überraschend Co-Gastgeber Schweden mit 4:3 (2:1, 1:1, 1:1) eliminierten.

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"Eisbären" machen es Russland schwer

Die Russen mühten sich lange gegen kämpferische und aggressive Norweger. Die "Eisbären", die in der Vorrunde die deutsche Mannschaft durch ein 12:4-Schützenfest aus dem Turnier befördert hatten, machten der Sbornaja mit ihrem harten Spiel das Spiel sehr schwer, die Superstars kamen zu Beginn kaum zur Geltung.

"Meine Spieler waren zu Beginn etwas nervös. Das ist normal zu Beginn einer K.o.-Runde. Aber wir haben dann in unser Spiel gefunden.Die Verteidiger haben sich gut ins Spiel eingebunden", sagte Russlands Trainer Sinetula Biljaletdinow.

Skröder kontert Owetschkin

Auf Owetschkins erstes Turniertor (8.) hatte die Mannschaft von Coach Roy Johansen die passende Antwort durch Per-Age Skröder (12.) parat. Auch nach dem erneuten Rückstand durch Popow (15.) steckte der Außenseiter nicht auf.

In Powerplay schlug WM-Topscorer Patrick Thoresen (21.) mit seinem siebten Turniertor zurück.

Zunächst stand den Norwegern noch das Glück zur Seite, als Ilja Nikulin (23.) und Denis Denisov (26.) nur den Pfosten trafen.

Haugens Patzer leitet Russen-Sieg ein

Ein Fehler des bis dato starken Keepers Lars Haugen bei Jemelins Schlenzer von der blauen Linie leitete zu Beginn des Schlussabschnitts den erwarteten Halbfinaleinzug des Topfavoriten ein.

"Das 2:3 war ein harter Schlag für uns. Wir haben bis zum Schluss an unsere Chance geglaubt und hatten zweieinhalb Drittel Grund dazu", sagte Norwegens Coach Roy Johansen.

Trygg hadert mit dem Schiedsrichter

In der 51. Minute legte Scherdew nach, der Treffer sorgte jedoch für große Proteste der Norweger bei den Schiedsrichtern.

"Vor dem 2:4 pfeift der Schiedsrichter. Das Tor darf nicht zählen. Wenn es beim 2:3 bleibt, hätten wir noch eine Chance gehabt. Am Schluss ist und die Kraft ausgegangen?, sagte der ehemalige Kölner Mats Trygg.

Nikulin (55.) beendete dann alle Hoffnungen der Norweger auf die erste Halbfinalteilnahme ihrer Geschichte.

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