Nach dem Aus des DEB-Teams bei der Eishockey-WM kritisiert SPORT1-Experte Rick Goldmann die Systemumstellung des Bundestrainers.

Hallo Eishockey-Freunde,

wir sind kurz vor dem Viertelfinale, die Eishockey-WM geht jetzt in die heiße Phase - aber ohne Deutschland.

Nach dem Schweden-Spiel war das noch nicht abzusehen.

In der Partie gegen Dänemark sind dann schon Unsicherheiten klar zum Vorschein gekommen, aber die Mannschaft hat sich noch mit einem Sieg durchgewurstelt.

Die Art und Weise, wie die deutsche Mannschaft letztlich ausgeschieden ist, war sehr bitter.

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Die zwei derben Klatschen - das waren absolut schlechte Leistungen.

Das wirkliche Ziel Viertelfinale, das wir immer haben, hat sie verfehlt, das Mindestziel Olympia-Quali ebenfalls.

Die deutsche Mannschaft ist eigentlich immer zwischen Platz 6 und 12 einzuordnen. Nach zwei erfolgreichen Jahren haben wir uns nun wieder nach unten bewegt.

Woran hat es gelegen?

Woher die Unsicherheit auf dem Eis so plötzlich hergekommen ist, und warum das Team so auseinanderfiel, ist so kurz danach schwer zu analysieren.

Festzuhalten bleibt auf jeden Fall, dass dem so war.

Es ist ein derber Rückschlag für das Ansehen des deutschen Eishockeys. Deutschland hatte sich bei den letzten Weltmeisterschaften einen Namen gemacht, man stand wieder auf den Zetteln anderer Nationen.

Letztes Jahr hatte der tschechische Superstar Jaromir Jagr noch gesagt, die Deutschen hätten sich entwickelt, sie wären wieder wer.

Man hat sich zwar nicht komplett lächerlich gemacht, aber jetzt ist Deutschland wieder da, wo es in der internationalen Wahrnehmung immer war, in der Bedeutungslosigkeit des Welteishockeys.

Die letzten beiden Spiele hat Jakob Kölliker noch versucht, Impulse zu setzen. Aber diese verpufften wirkungslos.

Über das System muss sicherlich gesprochen werden. Es gibt keine Mannschaft in diesem Turnier in der Weltspitze, die eine 1:1-Verteidigung im eigenen Drittel spielt.

Warum er dieses System, mit dem die Mannschaft zuletzt zwei Jahre erfolgreich gespielt hat, mit dem 90 Prozent der Vereine spielen, geändert hat, ist für mich unverständlich. Das muss er sich ankreiden lassen.

Ob es Sinn macht, mit Kölliker weiterzuarbeiten, müssen die Leute, die in den Ausschüssen dafür zuständig sind, jetzt genau untersuchen.

Für die deutsche Mannschaft ist das Turnier vorbei, für uns geht es noch weiter.

Viertelfinale, ich freue mich drauf. Noch mehr freue ich mich aufs Halbfinale, dann sind wir hier weg aus Stockholm.

Weg von dieser schlechten Eishockey-Stimmung in dieser furchtbaren roten Halle, in der nur bei den Schweden-Spielen WM-Atmosphäre herrschte. Wir hoffen auf Helsinki.

Euer

Rick Goldmann

Erich Goldmann, 36, stand 126 Mal für die deutsche Nationalmannschaft auf dem Eis. Der Verteidiger, der beim NHL-Draft 1996 an 212. Position von den Ottawa Senators gezogen wurde, bestritt ein Spiel in der NHL. Nach einer schweren Sprunggelenksverletzung beendete er 2008 beim EHC München seine Laufbahn. In seiner Karriere bestritt er für den EV Landshut, Adler Mannheim, Kaufbeurer Adler, Moskitos Essen, ERC Ingolstadt und Iserlohn Roosters 500 DEL-Spiele. Für SPORT1 kommentiert Goldmann seit 2008 die Spiele der Nationalmannschaft.

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