Top-Scorer der WM: Malkin kommt in fünf Spielen auf sechs Tore und sechs Assists © getty

35 Minuten dominiert der Gastgeber gegen Russland, ehe eine Strafzeit die Wende einleitet und Malkin die Partie übernimmt.

Aus Stockholm berichtet Rainer Nachtwey

Stockholm - Es war der entscheidende Moment und eigentlich war klar, dass es keine herausragende Spielszene sein würde.

Als der Schwede Johan Franzen den Russen Alexander Jemelin mit einem leichten Crosscheck zu Boden beförderte und der Verteidiger der Sbornaja wie von Bud Spencers Faust getroffen auf dem Eis liegen blieb, ahnte noch keiner im ausverkauften Globen, welche Wendung das Spiel aufgrund dieser Szene nehmen würde.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Schweden im Spitzenspiel der Gruppe S bei der Eishockey-WM in Stockholm und Helsinki die russische Auswahl 35 Minuten dominiert, 3:1 geführt.

"Mit den Strafen das Momentum verloren"

Ein Endergebnis von 7:3 für Rekordweltmeister Russland war absolut nicht abzusehen (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

"Mit den Strafen haben wir das Momentum verloren", sagte Schwedens Verteidiger Victor Hedman im Gespräch mit SPORT1. "Es waren dumme Strafen."

Dumme Strafen, die die Schweden ihre bis dato ungefährdete Führung kostete, ihren Spielfluss und auch das Spiel. Und das Ganze binnen sechs Minuten.

Die Tre Kronor ließen sich von den Russen provozieren, gingen auf deren Psychospielchen ein, beschäftigten sich mehr mit dem Gegner und verrannten sich in Einzelaktionen.

Selbst als Dimitri Kalinin eine Matchstrafe erhielt, weil er mit einem Crosscheck Franzen die Nase gebrochen hatte, und die Schweden fünf Minuten in Überzahl spielten, fanden sie nicht mehr zu ihrem Auftreten aus den ersten 35 Minuten zurück ( 553850 DIASHOW: Die Spiele Deutschlands ).

"Wir müssen 60 Minuten als Team auftreten. Das haben wir nicht geschafft", zeigte sich Niklas Hjalmarsson im Gespräch mit SPORT1 enttäuscht.

Malkin zeigt Eishockey der Extraklasse

Statt den Anschlusstreffer zu erzielen, kassierten die Gastgeber nach einem perfekt herausgespielten Konter über Ilja Nikulin, Jewgeni Malkin und Alexander Popow das 3:6.

Malkins dritter Treffer des Abends war der krönende Schlusspunkt auf seine herausragende Leistung (Portrait: Jewgeni Malkin).

[image id="17087d97-6453-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Sein Pass auf Popow nach zehn Minuten kam dem perfekten Anspiel nahe, sein Anschlusstreffer zum 2:3 und sein Fight mit Franzen, bei dem nur der Schwede mit vier und Malkins Mitspieler Nikulin mit zwei Strafminuten belegt wurden, leiteten die Wende ein.

Sein zweiter Treffer spiegelte die Partie passend wieder. Schwedens Starspieler Henrik Zetterberg checkte den Mittelstürmer der Pittsburgh Penguins zu Boden, Malkin richtete sich sofort wieder auf, nahm den Pass von Popow auf und überwand Schwedens Keeper Victor Fasth zum 5:3.

Zwischen Check und Tor lagen keine fünf Sekunden ( 551566 DIASHOW: Die Stars der WM ).

Nach der Partie wurde Schwedens Coach Pär Marts gefragt, ob er denn seine Spieler instruiert hätte, Malkin aus dem Spiel zu nehmen, antwortete er nur kurz und knapp: "Ja."

Schweden verzweifeln an Russlands Top-Scorer

Nach rund 10 Sekunden Pause schob er nach: "Hat nicht funktioniert." Das war es, mehr wollte er nicht zu Malkin sagen.

Etwas präziser erklärte es Hjalmarsson. "Wir haben ihm einfach zu viel Raum gelassen", sagte der Verteidiger der Chicago Blackhakws.

[kaltura id="0_98qfr9eq" class="full_size" title="SWE vs RUS Die Highlights"]

Russlands Trainer hebt den Teamerfolg hervor

Der herausragende Akteur des Spiels hingegen gab sich nach der Partie zurückhaltend, verteilte das Lob auf alle Seiten.

"Das war ein großartiges Spiel zweier toller Mannschaften vor einer grandiosen Atmosphäre", sagte Malkin.

Und auch Coach Sinetula Biljaletdinow griff nicht den Starspieler allein heraus, viel mehr pries er die Vorzüge des gesamten Teams. "Wir wollten das Spiel unbedingt gewinnen. Das hat die Mannschaft gezeigt. Wir hatten den größeren Willen."

Die Schweden konnten der Niederlage dennoch Positives abgewinnen. "Es ist gar nicht so schlecht, dass uns dieses Missgeschick in der Vorrunde passiert ist", meinte Verteidiger Hedman. "Besser jetzt, als in der K.o.-Phase."

"Seine Nase zeigt nach Osten"

Und Teamkollege Hjalmarsson sagte: "Sicherlich macht es keinen Spaß zu verlieren, aber für uns dürfte das ein Weckruf sein. Wir werden jetzt zwar wahrscheinlich nur Zweiter und bekommen mit dem Drittplatzierten den schwereren Gegner."

Allerdings spiele der Gegner keine Rolle, führte Schwedens Nummer 44 weiter aus: "Es ist eh egal auf wen wir treffen, wenn wir so weiter spielen. Dann kommen wir nicht sehr weit im Turnier."

Passend zu dem grandiosen Spiel endete der Tag im Globen mit einem grandiosen Spruch.

Auf die Frage, wie es den Franzens Nase ginge, sagte Schwedens Trainer Marts kurzangebunden: "Sie sieht nicht gut aus. Seine Nase zeigt nach Osten."

Weiterlesen