Gewohntes Bild in Schweden. Viele Plätze bleiben bei den WM in den Hallen unbesetzt © imago

Der schwache Zuschauerandrang bei der WM ist für Spieler und Funktionäre ein großes Ärgernis. Die DEB-Spieler sind sprachlos.

Stockholm - Ein leeres Stadion hat für einen Eishockey-Fan auch seine Vorteile.

Keine Schlangen beim Getränkestand, keine Wartenzeiten auf der Toilette, und manchmal kann man sogar hören, was sich Spieler und Trainer im Eifer des Gefechts so alles zu sagen haben.

Aber das ist natürlich nur ein schwacher Trost. Die fehlende WM-Stimmung im Co-Gastgeberland Schweden ist ein großes Ärgernis für Fans, Spieler und Funktionäre.

"Ich bin überrascht und verblüfft. Ich habe erwartet, dass bei einer Eishockey-Nation wie Schweden das Interesse viel größer ist", sagte DEB-Generalsekretär Franz Reindl und kritisierte: "Da müssen sich die Organisatoren hinterfragen, ob bei den Themen Marketing und Preisgestaltung alles richtig gemacht wurde."

Als OK-Chef der berauschenden Heim-WM 2010 erinnerte sich Reindl zwar auch daran, dass es damals in Köln und Mannheim ebenfalls Spiele mit geringen Besucherzahlen gab, "aber nicht so dramatisch wie hier".

Kaum Plakate, kaum Hinweise

Ein Grund dafür ist, dass in der Stadt, ja selbst im näheren Umfeld der Stockholmer Arena so gut wie nichts darauf hinweist, dass das zurzeit wichtigste internationale Sportturnier der Welt gerade hier stattfindet. Keine Plakate, keine Flyer, keine Mundpropaganda.

Im finnischen Helsinki kann man zwar außer bei den Spielen des zweiten Gastgebers auch nicht gerade von rauschenden Eishockey-Partys sprechen, aber zumindest ist die Hartwall Arena wesentlich besser besucht als der Globe in Stockholm. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Große Kapazität als Problem

Vor dem achten WM-Tag belegten acht Vorrundenteams der Helsinki-Gruppe die ersten neun Plätze in der Zuschauertabelle - einzig Schweden kann von den in Stockholm stationierten Ländern auf Rang zwei mithalten.

Als großes Problem erweist sich die große Kapazität der 13.850 Zuschauer fassenden Arena in Schwedens Hauptstadt.

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Barta: "Wir schütteln jeden Tag den Kopf"

"Wenn die nicht voll ist, dann drückt das aufs Gemüt", sagte Reindl. Als sich dorthin beim Auftaktspiel gegen Italien (3:0) zum ersten Bully gerade einmal rund 300 Anhänger verirrten, wähnten sich die deutschen Spieler im falschen Film. ( 553850 DIASHOW: Die Spiele Deutschlands )

"Da fährt man hochmotiviert zur WM - und dann ist die Halle leer", sagte DEB-Goalie Dennis Endras. Selbst Schweden-Legionär Alexander Barta (Malmö Redhawks) ist sprachlos: "Wir schütteln auch jeden Tag den Kopf darüber und fragen uns, was hier los ist."

Das tun aber auch die Organisatoren. Der Oberrang ist bei den meisten Spielen mittlerweile abgehangen, damit die gähnende Leere nicht allzu deutlich wird.

Kartenpreise gesenkt

Zwar ist die Halle inzwischen bei Spielen der einheimischen Kufencracks gefüllt, aber auch nur, weil das OK einen Teil der Kartenpreise gesenkt und inzwischen auch Freikarten an jugendliche Eishockeyspieler verteilt. OK-Chef Christer Englund musste bereits kleinlaut eingestehen: "Wir haben uns verkalkuliert."

Für das teuerste Ticket hätte ein Fan ursprünglich rund 150 Euro hinblättern müssen, doch meist waren begehrte Karten nur im Paket mit anderen Tickets zu erwerben.

Das sprengte für viele Familien den finanziellen Rahmen, weshalb Reindl Konsequenzen forderte: "Da die WM im kommenden Jahr auch in Schweden und Finnland stattfindet, müssen die Veranstalter und der Weltverband hier eine Lösung finden. So geht es nicht."

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