Nikita Nikitin (r.) spielt seit 2011 bei den Columbus Blue Jackets © getty

An WM-Gegner Russland hat die DEB-Auswahl zuletzt gute Erinnerungen. Sein Superstar stellt aber Alles und Jeden in den Schatten.

Von Rainer Nachtwey

Stockholm - Es war wohl einer der größte Moment in der deutschen Eishockey-Geschichte:

Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft bezwingt zum Auftakt der WM in Bratislava die Sbornaja, die großen Russen, den Gegner, gegen den es bei Weltmeisterschaften noch nie einen Sieg gegeben hatte.

Mit 2:0 triumphierte die Auswahl des damaligen Bundestrainer Uwe Krupp.

DEB-Generalsekretär Franz Reindl sprach damals von "Historischem": "Dieser Erfolg ist für all die Spieler, Trainer, Betreuer, die jahrelang versucht haben, oft nah dran waren, es aber nie geschafft haben, die Lehrstunden erlebt und jahrelang etwas auf die Mütze bekommen haben."

Dazjuk zerstört Finalträume

Bereits ein Jahr zuvor war die DEB-Truppe gegen den dritten Gegner bei der WM in Stockholm und Helsinki (ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, im LIVE-TICKER und im LIVESTREAM auf SPORT1.de) nah dran.

Im Halbfinale der Heim-WM führte die Mannschaft um den damaligen und heutigen Kapitän Marcel Goc nach dessen Treffer bis zur 31. Minute mit 1:0.

Bis 110 Sekunden vor Schluss durfte die Mannschaft sogar vom Finaleinzug träumen, ehe Pawel Dazjuk den russischen Siegtreffer markierte.

Die beiden Torschützen der Sbornaja von einst stehen auch in Stockholm wieder im Kader: Dazjuk und Jewgeni Malkin, der in Köln zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich (32.) getroffen hatte.

Die Fakten im Überblick

Team

Trainer Sinetula Biljaletdinow hat eine Truppe zusammengestellt, die um den WM-Titel mitspielen kann, gleichzeitig sich aber auch für die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi beweisen soll.

Im Kader der Russen befinden sich daher nur sechs NHL-Spieler, darunter die beiden Superstars Malkin und Dazjuk. Die beiden Ausnahme-Könner Alex Owetschkin und Ilja Kowaltschuk kämpfen mit ihren NHL-Klubs noch um den Stanley Cup.

Für die heimischen KHL-Spieler ist die WM ein Olympia-Casting, für sie gilt es sich zu beweisen.

[kaltura id="0_8x5js6s9" class="full_size" title="DEB Team Ein neues Kapitel"]

In der Defensive ragt Ilja Nikulin heraus, der zwar von den Atlanta Thrashers 2000 an 31. Stelle gedraftet wurde, aber nie nach Nordamerika wechselte.

Im Tor vertraut Biljaletdinow auf Colorados Semjon Warlamow. Nach den zwei Gegentoren gegen Norwegen nahm der Coach den Goalie vehement in Schutz, auch wenn sich der Keeper bei SPORT1 selbstkritisch zeigte: "Es waren ein paar Schüsse dabei, da habe ich nicht gut ausgesehen. Ich habe Fehler gemacht und muss mich steigern."

Star

Pawel Dazjuk gehört zu den besten Spielern in der besten Eishockey-Liga der Welt. Viermal gewann er die Lady Bing Memorial Trophy, dreimal die Selke Trophy. Dennoch im Schatten von Jewgeni Malkin verblasst auch der Stürmer der Detroit Red Wings ( 551566 DIASHOW: Die Stars der WM ).

Malkin steht bei der WM im Rampenlicht, keine Kamera und kein Mikrofon, die nicht auf ihn gerichtet sind, um auch nur jeden Moment des Superstars der Pittsburgh Penguins einzufangen.

In der abgelaufenen NHL-Saison gewann er die Scorer-Wertung mit 109 Punkten aus 75 Spielen, was ihn zum Top-Anwärter auf die MVP-Trophäe macht. Bei der WM führt der 25-Jährige nach zwei Spielen gegen Lettland und Norwegen die Scorer-Wertung mit 5 Punkten (2 Tore, 3 Assists) an.

Größte Erfolge

WM: 1. Platz (1954, 1956, 1963, 1964, 1965, 1966, 1967, 1968, 1969, 1970, 1971, 1973, 1974, 1975, 1978, 1979, 1981, 1982, 1983, 1986, 1989, 1990, 1993, 2008, 2009)

Olympische Spiele: 1. Platz (1956, 1964, 1968, 1972, 1976, 1984, 1988, 1992)

WM-Abschneiden seit 2001

2001: 6. Platz

2002: Silbermedaille

2003: 6. Platz

2004: 10. Platz

2005: Bronzemedaille

2006: 5. Platz

2007: Bronzemedaille

2008: Goldmedaille

2009: Goldmedaille

2010: Silbermedaille

2011: 4. Platz

Letzte WM-Spiele gegen Deutschland

2001 in Hannover: 1:3-Niederlage für Deutschland

2009 in Bern: 0:5-Niederlage für Deutschland

2010 in Köln: 2:3-Niederlage (Zwischenrunde) für Deutschland

2010 in Köln: 1:2-Niederlage (Halbfinale) für Deutschland

2011 in Bratislava: 2:0-Sieg für Deutschland

Sport1-Experte Rick Goldmann

Die "Red Machine" ist am Rollen. Schlittschuhläuferisch ist die russische Mannschaft auf höchstem WM-Niveau. Sie ist diejenige, die die höchste Geschwindigkeit aufnehmen kann und den meisten Zug zum Tor hat. Mit Malkin und Dazjuk haben die Russen Spieler in ihren Reihen, die Partien im Alleingang entscheiden können.

Aber die Russen sind auch anfällig. Sie wollen immer nur das Spiel mit der Scheibe und man kann sie schnell frustrieren, indem man sie in der Defensive beschäftigt.

Weiterlesen