Flügelmann Juris Stals (l.) spielt seit 2010 bei Dinamo Riga © getty

Für Deutschlands zweiten Gruppengegner beginnt bei der WM eine neue Ära. Lettlands Keeper wandelt zwischen Genie und Wahnsinn.

Von Rainer Nachtwey

Stockholm - Lettland und Eishockey, das war Herberts Vasiljevs, das war Karlis Skrastins, das war Olegs Znaroks.

Doch bei der WM 2012 findet das Turnier ohne diese drei statt.

Skrastins ist eines der Opfer des tragischen Flugzeugabsturzes von Jaroslawl, als fast die komplette Mannschaft des KHL-Klubs - unter ihnen auch der deutsche Nationalspieler Robert Dietrich - tödlich verunglückte.

Weit weniger dramatisch ist das Aus der beiden anderen in der lettischen Auswahl. Trainer Znaroks, der in Deutschland für den EV Landsberg, EHC Freiburg und Heilbronner EC auflief, wurde durch den Kanadier Ted Nolan ersetzt.

Vasiljevs, Stürmer der Krefeld Pinguine, beendete im Mai 2011 mit seiner Einbürgerung die Nationalmannschaftskarriere.

Russische Schule

Dennoch gelten die Letten als "Gegner auf Augenhöhe", mit denen die deutsche Mannschaft (ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) gemeinsam mit Dänemark und Norwegen hinter Russland, Schweden und Tschechien um den vierten Viertelfinal-Platz kämpft.

"Lettland ist eine Mannschaft mit russischer Schule. Wir erwarten einen sehr starken Gegner und ein technisch und läuferisch anspruchsvolles Spiel", meint Bundestrainer Jakob Kölliker (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Zum WM-Auftakt unterlag die Truppe von Coach Nolan Russland mit 2:5 (News), behauptete dabei aber bis zu 34. Minute eine 1:0-Führung.

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Die Fakten im Überblick

Team

Bereits vor der WM-Vorbereitung erhielt Lettlands neuer Trainer Ted Nolan eine schlechte Nachricht. Martins Karsums ist nach einer Knie-Operation nach der letzten KHL-Saison nicht fit und fällt für die Titelkämpfe aus.

Und hier liegt Nolans Problem: Der Sturm bereitet den Letten die größten Sorgen. Ihnen fehlt ein echter Torjäger Mikelis Redlihs erzielte bei der WM 2011 in Bratislava zwar acht Scorer-Punkte, aber nur ein Tor.

Statt auf Karsums ruhen nun auf NHL-Legionär Kaspars Daugavins die Hoffnungen. Der Flügelstürmer bestritt in der abgelaufenen Saison 65 Spiele für die Ottawa Senators und scheiterte mit Kanadas Hauptstadt-Klub an den New York Rangers. Gegen Russland erzielte Daugavins das zwischenzeitliche 2:4.

Lettlands großer Rückhalt ist Edgars Masalskis. Der Keeper besticht durch herausragende Reflexe und bringt die Stürmer an den Rand des Wahnsinns, aber das eine oder andere Mal auch seinen Trainer, wenn er sich haarsträubende Aussetzer leistet.

Star

Nach dem Ausfall von Topscorer Karsums ist dies definitiv der Trainer: Ted Nolan. Der ehemalige Spieler der Detroit Red Wings und Pittsburgh Penguins steht für ehrliches Eishockey und harte Arbeit.

Bei seinen NHL-Stationen Buffalo und New York Islanders führte der Kanadier die Klubs in die Playoffs. Seit 2007 unter Nolan warten die Islanders auf die erneute der K.o.-Runden-Teilnahme.

1997 erhielt Nolan, der aus dem Indianer-Stamm der Chippewa hervorgeht, die Jack-Adams Trophy als NHL-Trainer des Jahres. In jener Saison führte er die Buffalo Sabres zum Division-Titel in der Northeast Division und in die zweite Runde der Playoffs.

Und Nolan ist ein Mann der großen Gesten. Im November 2007 bat er den legendären Islanders-Coach Al Arbour zurück hinter die Spielerbank, um sein 1.500 NHL-Game als New Yorker Trainer zu leiten.

Nolans jüngster Sohn Jordan spielt in der NHL bei den Los Angeles Kings und kämpft dort im Moment gegen die St. Louis Blues um den Einzug in die Conference Finals, sein ältester kam auf sechs Einsätze bei den Carolina Hurricanes.

( 551566 DIASHOW: Die Stars der WM )

Größte ErfolgeWM: 7. Platz (1997, 2004, 2009)Olympische Spiele: 9. Platz (2002)

WM-Abschneiden seit 20012001: 13. Platz2002: 9. Platz2002: 11. Platz2003: 9. Platz2004: 7. Platz2005: 9. Platz2006: 10. Platz2007: 13. Platz2008: 11. Platz2009: 7. Platz2010: 11. Platz2011: 13. Platz

Letzte WM-Spiele gegen Deutschland1997 in Tampere: 0:8-Niederlage1998 in Basel: 0:5-Niederlage2002 in Karlstad: 3:2-Sieg2004 in Prag: 1:1-Unentschieden2008 in Halifax: 5:3-Sieg

SPORT1-Experte Rick Goldmann:

Die Letten haben definitiv mehr Qualität als die Italiener. Lettland besitzt eine gute Technik, ist schlittschuhläuferisch und in der Scheibenführung sehr stark. Allerdings sind die Letten - wie alle Mannschaften der russischen Schule - anfällig, wenn sie in der eigenen Zone unter Druck gesetzt werden. Sie wollen mit dem Puck in der Offensive spielen, nicht in der Defensive.

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