Slater brachte die USA bereits in der zweiten Minute mit dem 1:0 in Führung © getty

Der Kanadier begünstigt mit seinem Fehler den Sieg der USA im Prestigeduell. In Stockholm bricht die Malkin-Mania aus.

Aus Stockholm berichtet Rainer Nachtwey

Stockholm/Helsinki - Es waren nur ein paar Meter, aber John Tavares muss es vorgekommen sein wie eine Ewigkeit ( 551566 DIASHOW: Die Stars der WM ).

Den Kopf gesenkt, die Schultern runterhängend - gerade, dass sie nicht über das Eis schlurften - fuhr Kanadas Sturmhoffnung auf die preisübergebenden Juroren zu.

Die Ironie dabei: Ausgerechnet er, der Nummer-1-Draftpick von 2009, hatte mit seinem Aussetzer eine Sekunde vor Ende des Schlussdrittels den Ahornblätter die bittere 4:5-Niederlage nach Verlängerung im Prestigeduell mit den USA gesorgt (LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM auf SPORT1.de) .

"Das ist ein ganz bitteres Ende", meinte Kanadas enttäuschter Torschütze zum 1:1.

In Unterzahl in die Overtime

Tavares hatte den Puck in der Luft knapp unter Schulterhöhe über das Plexiglas geschlagen. Die Folge: zwei Minuten Powerplay für die USA wegen Spielverzögerung.

"Du versuchst nur den Puck vom Tor wegzubringen", beschrieb der tragische Held die Rettungsaktion. "Ich wusste, dass nicht mehr lang zu spielen ist, aber ich habe nur reagiert. Ich habe gehofft, dass die Schiedsrichter es nicht sehen."

US-Verteidiger Jack Johnson bestrafte das Verschulden des New York Islanders mit dem Tor in der Verlängerung bei 4:3-Überzahl.

"Das ist jetzt nicht das Ende der Welt. Es ist nur ein Match. Für uns ist noch alles möglich", meinte Kanadas Coach Brent Sutter. "Eine Sekunde noch zu spielen und wir schießen den Puck in die Zuschauerränge. Das ist die perfekte Zusammenfassung wie das Spiel gelaufen ist."

Keith gleicht für Kanada aus

Zuvor hatten beiden Teams einen Schlagabtausch auf sehr hohem Niveau, mit hoher Intensität und Tempo geboten. Die Führung wechselte stetig, Spannung war bis zum Schluss geboten.

Nachdem Nate Thompson die USA in der 57. Minute zum dritten Mal in Führung geschossen hatte, rettet Duncan Keith den Olympiasieger mit einem Hammer von der blauen Linie 99 Sekunden vor Schluss in die Overtime.

"Jeder kennt jeden aus der NHL. Manche Jungs spielen sogar gemeinsam in den Klubs. Jedes Mal wenn du gegen Kanada spielst ist das große Showbühne und ein echter Knaller", sagte der Siegtorschütze.

Schweden untermauert Favoritenstellung

Während die Kanadier im ersten Kräftemessen der Helsinki-Gruppe einen Rückschlag einstecken mussten, zeigte die mit Stars gespickte Auswahl Schwedens in der Stockholm-Staffel S gegen Tschechien, dass Platz eins der Vorrunde nur über sie führt.

Angefeuert von diesmal 10.076 Fans drehte der Co-Gastgeber von Beginn an auf, und ließ beim 4:1-Erfolg den Funken auf das Publikum überspringen.

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Spieler kritisieren Ticketpreise

Vergessen war die Enttäuschung vom Vortag, das Auftaktspiel gegen Norwegen, die fehlende Unterstützung der Fans.

"Die Stimmung war um einiges besser, richtig gut. Wir wollen, dass die Fans kommen und uns anfeuern", sagte Gabriel Landeskog im Gespräch mit SPORT1 und kritisierte dabei den Veranstalter für die zuvor überzogenen Preise: "Sie haben die Ticketpreise herabgesetzt. Das ist gut, denn es sollte sich jeder leisten können, eine Karte zu kaufen." (NEWS: Schweden setzt Ticketpreise herab)

Schweden braucht Gegentor

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Wie beim 3:1 über Norwegen offenbarte der Vizeweltmeister aber noch die eine oder andere Schwäche.

Trainer Pär Marts fand nach dem Spiel deutliche Worte: "Das war von Beginn an unser Spiel. Aber wir haben zwischendurch die Konzentration verloren. Das Gegentor haben wir richtiggehend gebraucht, um weiter nach vorne zu spielen."

30 dominante Minuten

Nach Johan Franzens früher Führung (3.) und dem 2:0 50 Sekunden nach Beginn des zweiten Drittels durch Niklas Kronwall steuerten die Schweden einem souveränen Erfolg entgegen.

"Wir haben sie 30 Minuten dominiert, dann waren wir etwas zu verspielt. Wir haben die Tschechen eingeladen", meinte.

Insbesondere der Aussetzer von Goalie Viktor Fasth, der mit einem Fehlpass in den Schläger von Jakub Petruzalek (44.) den Anschlusstreffer verursachte.

Marts experimentiert

Aber nicht nur die Konzentration fehlte den Tre Kronor, auch die Abstimmung. Marts experimentierte daher auch im zweiten Spiel, stellte seine zweite und dritte Sturmreihe während der Partie erneut um.

"Wenn du nicht genug Chancen herausspielst, versuchst du etwas zu ändern. Bei uns kommen viele Spieler aus unterschiedlichen Klubs, da dauert es, bis es 'Klick' macht", meinte der von den Umstellungen betroffene Landeskog.

Malkin dreht gegen Lettland auf

Einer verdrängte die Tre Kronor dennoch von der Titelseiten. Ein großes Foto Jewgeni Malkins zierte die Titelseite der "Dagens Nyheter" mit der Überschrift: "An der Spitze der WM der Größte."

Der Superstar der Pittsburgh Penguins feierte mit Schwedens vermeintlich härtestem Konkurrenten um Platz eins, Russland, einen gelungenen Einstand ins Turnier. Die Sbornaja hatte beim am Ende souveränen 5:2-Sieg gegen Deutschlands nächsten Gruppengegner nur zu Beginn Probleme.

Malkin, der bei Pittsburghs Playoff-Aus gegen Philadelphia nicht an seine MVP-Form aus der Regular Season anknüpfen konnte, ebnete mit einer Vorlage zum Ausgleich und seinen beiden Treffern zum 2:1 und 3:1 den Weg zum Erfolg.

"29 Klubs in der NHL versuchen einen Weg rauszufinden, wie sie Malkin stoppen können. Ich habe auch keine Lösung gefunden", kommentierte Lettlands Coach Ted Nolan, der in der NHL Buffalo und die New York Islanders trainiert hatte, die Leistung des NHL-Topscorers.

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