Nicht nur auf deutschen Ämtern muss man Nummern ziehen. Ein SPORT1-Redakteur erlebt dies und qualmende Socken auf seiner Reise.

Es heißt ja immer, dieses spießige Beamtentum, alles ganz genau machen in der Administration des deutschen Staates sei typisch deutsch.

Genau an das fühle ich mich erinnert, als ich vor dem Informationsschalter am Stockholmer Flughafen Arlanda stehe. Ich MUSS eine NUMMER ziehen.

Eine Nummer wie im Kreisverwaltungsreferat vor ein paar Tagen, als ich meinen neuen Ausweis abgeholt habe.

Allerdings stelle ich schnell fest, ganz so genau nehmen sie es hier dann doch nicht. Ein asiatisch aussehender Tourist hat das System mit dem Nummern ziehen noch nicht bemerkt und geht einfach zu einer der drei Informationsdamen, als diese ihre Erklärungen abgeschlossen hat.

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Nachdem ich den asiatischen Freund am Schalter beerbe, flöte ich in meinem freundlichsten Englisch der Dame - die definitiv nicht so aussieht, wie ich mir Schwedinnen vorgestellt habe - entgegen: "Können Sie mir sagen, wie ich dorthin komme?" und zeige ihr dabei die Adresse meines Hotels.

Die Dame mustert das Schreiben, dann kommt ein einfaches "No".

Wie "No"? Was soll denn das jetzt? Die kann mich doch nicht so stehen lassen? Warum ziehe ich hier schon eine Nummer, wenn die keine Ahnung hat, stelle mich an, warte bis ich dran komme, damit sich dann erst noch dieser Flegel vordrängelt...

Mehr als nur ein Gedanke schießt mir in dem Moment durch den Kopf, aber während es mir vorkommt, als wäre bereits eine Minute seit der Antwort vergangen, macht sich die nette Dame, denn das ist sie schließlich - auch wenn sie die definitiv nicht so aussieht, wie ich mir Schwedinnen vorgestellt habe - daran und sucht mir die Adresse raus.

Mit dem Bus zur T-Centralen, mit der Metro weiter bis Blasut, dann sollte dort in der Nähe mein Hotel sein.

Denkste. Ein Informationsaustausch mit einem schwedisch-italienischen Pizzabäcker, der nur sehr leidlich Englisch spricht, bringen mich dann doch auf die Fährte. Nur, ich stehe bei Hausnummer 1, meine Zieladresse ist 131.

Es geht entlang einer recht befahrenen Straße. Die erste Bushaltestelle wird passiert, ich schlendere frohen Mutes weiter, zu Fuß. Die zweite Bushaltestelle wird passiert, ich schlurfe weniger frohen Mutes den Weg weiter, zu Fuß. Die dritte Bushaltestelle wird passiert, ich stampfe genervt weiter, zu Fuß.

Als ich die vierte mit dem schönen Namen "Sockenplan" passiere, ist mein Sockenplan längst verraucht. Meine Socken qualmen bereits seit langem und gleiches gilt für mein Hirn. Und ich bin noch immer nicht am Ziel.

Eine kleine Anhöhe wird erklommen, ein Kreisverkehr überwunden und dann stehe ich 35 Minuten nach Marschantritt vor meinem Hotel.

Schräg gegenüber - eine Bushaltestelle.

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