Für Deutschland ist die WM nach der Vorrunde vorbei. Auch, weil Coach Pat Cortina im Tor zu lange auf das falsche Pferd setzt.

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Von Martin Jahns

Minsk - Das Wunder von Minsk blieb aus.

Zwei Drittel lang hielt die diszipliniert verteidigende deutsche Mannschaft mit dem herausragenden Goalie Philipp Grubauer gegen Rekordweltmeister Russland die Minimalchance auf das WM-Viertelfinale (LIVE im TV auf SPORT1) am Leben.

Doch in der 44. Minute rissen Sergej Schipatschjow und zwei zumindest fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen das DEB-Team aus allen Träumen (VIDEO: Die Highlights des Spiels).

Der 0:3-Endstand (Bericht) brachte die Gewissheit: Für Deutschland ist die WM nach dem letzten Vorrundenspiel gegen die USA (Di., ab 11.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) zu Ende (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

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Lob für Grubauer

"Es war ein hartes Spiel. Deutschland hat gut verteidigt und der Goalie war stark", lobte Alexander Burmistrow den vielleicht besten deutschen Auftritt des Turniers ( 894438 DIASHOW: Bilder des Spiels ).

Letztlich steht die Niederlage gegen Russland jedoch sinnbildlich für eine deutsche WM, in der mehr drin war, als der notdürftig zusammengestellte Rumpfkader zunächst vermuten ließ ( 885712 DIASHOW: Der deutsche WM-Kader ).

Mit zwei Siegen erwischte das DEB-Team einen Start nach Maß. Das Viertelfinale war in greifbarer Nähe. Doch nach der desaströsen Leistung beim 0:4 gegen Finnland fand die Mannschaft nicht mehr zurück auf die Siegerstraße und verlor auch die drei folgenden Partien.

Cortinas folgenschwere Fehlentscheidung

Eine Mitschuld daran trägt Bundestrainer Pat Cortina, der auf die Torhüterfrage in den entscheidenden Spielen die falsche Antwort gab.

Die stellte sich erstmals vor dem Turnier, als Cortina Thomas Greiss trotz starker Leistungen in der NHL nicht berücksichtigtre.

Akut wurde sie nach Rob Zepps Beinschuss-Patzer gegen Finnland. Auch gegen die bis dahin sieglosen Schweizer leitete der Goalie, der bei den Eisbären Berlin eine durchwachsene Saison hinlegte, mit einem folgenschweren Fehler die Niederlage ein.

Fehler leiten Niederlage ein

Dennoch setzte Cortina gegen Gastgeber Weißrussland wieder auf den erfahrenen Zepp - und damit erneut auf das falsche Pferd.

Zweimal ließ der die Scheibe unglücklich abtropfen, zweimal bedankten sich die Weißrussen und drehten so das Spiel nach einem 0:2-Rückstand.

In der Mixed Zone hatten Cortina und Alexander Barta anschließend Mühe, Zepp aus der Schusslinie zu nehmen.

Zepp Schlusslicht der Stamm-Goalies

Kein Wunder, angesichts der blanken Zahlen: Mit 85,56 Prozent gehaltenen Schüssen ist Zepp unter allen Stamm-Goalies der WM Schlusslicht. Grubauer kommt auf 92,16 Prozent und steht damit in den Top Ten des Turniers. (SERVICE: Die Statistiken der Eishockey-WM)

Cortina, sonst ein Freund der Rotation auf der Torwartposition, reagierte spät. Zu spät.

Im Alles-oder-nichts-Spiel gegen Russland kehrte Grubauer zurück und war bester Deutscher auf dem Eis. Gegen die geballte Qualität der Sbornaja half jedoch auch dessen Weltklasseleistung wenig.

Gegen die USA wird der in der DEL in den letzten beiden Jahren überragende Danny aus den Birken von den Kölner Haien, bislang nur die Nummer drei, seine Chance bekommen: "Es wird bei der zweiten WM mein erstes Spiel, etwas ganz Besonderes. Ich freue mich drauf."

Ineffiziente Offensive

Neben den Problemen im Tor bereitete auch die Offensive Sorgen: Gerade einmal jeder 20. Versuch führte zu einem Treffer. Nur die Italiener waren harmloser. Auch ein mageres Törchen in 35 Minuten Überzahl ist schlicht zu wenig.

"Wir müssen nur ein Tor schießen", ärgerte sich Cortina bei SPORT1 nach der Niederlage gegen Russland darüber, dass sich sein Team für die gute Leistung wieder einmal nicht belohnt hat.

WM offenbart Baustellen

Einzig Turnierentdeckung Thomas Oppenheimer bewies vor allem bei Penalties Kaltschnäuzigkeit, erzielte mehr als ein WM-Tor und gehört so mit Youngster Leon Draisaitl zu den WM-Gewinnern im deutschen Team.

Doch sonst sind beim DEB nach dem vorzeitigen Turnieraus mehr Baustellen offen, als den Verantwortlichen lieb sein kann: Das Team macht trotz guter Ansätze in der Defensive sportlich einen Schritt zurück, Coach Pat Cortina geht nach der falschen Entscheidung im Tor geschwächt aus dem Turnier und der Verband ist ob der Personalie Franz Reindl zerstritten.

Viel zu tun also bis zur Heim-WM 2017.

"Es ist der Anfang eines Prozesses. Wir müssen Geduld haben", mahnte Pat Cortina nach dem Russland-Spiel: "Ich werde sie haben."

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