Deutschland muss gegen Rekordweltmeister Russland über sich hinaus wachsen, um die Chance auf das Viertelfinale zu wahren.

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Minsk - Pat Cortina holte tief Luft. "Haben wir so viel Zeit?", fragte der Eishockey-Bundestrainer.

Er sollte erklären, was seinem Team fehlt, um bei einer WM wieder unter die ersten Acht zu kommen.

Nach den Tagen von Minsk lautet die Antwort: ganz viel.

"Mehr Nachwuchs, mehr Zeit mit der Nationalmannschaft, mehr Konkurrenz", fasste der 49-Jährige zusammen. Und noch ganz unter dem Eindruck der bitteren 2:5-Pleite gegen Gastgeber Weißrussland fügte er an: "Auch Glück und Erfahrung, hier und da ein Tor mehr." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Abstieg nicht mehr möglich

Der Italo-Kanadier, seit knapp zwei Jahren im Amt, weiß: Die WM in Minsk wird wohl ein deutlicher Rückschritt für das deutsche Eishockey.

Nach vier Niederlagen in Folge droht schon vor dem ungleichen Duell mit Rekordweltmeister Russland (ab 19.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) das schlechteste WM-Abschneiden seit dem Debakel von Bern 2009.

Immerhin ist der GAU nach dem vorzeitigen Abstieg Kasachstans nicht mehr möglich. (SERVICE: Die Statistiken der Eishockey-WM)

Schlechter als in Helsinki?

Doch das gilt - bei allem Optimismus - wohl auch für das Viertelfinale.

In den letzten beiden Partien gegen Russland und den USA am Dienstag muss das Cortina-Team mindestens vier Punkte holen und zudem Schützenhilfe der Konkurrenz erhalten, oder beide Spiele glatt gewinnen. Doch dies ist kaum denkbar.

Nur mit zwei Siegen - gegen Russland und die USA - würde die DEB-Auswahl noch den Sprung unter die besten acht schaffen. Das ist nach den letzten Vorstellungen kaum denkbar.

Sogar Platz neun aus dem Vorjahr, als Cortina in Helsinki ein ordentliches WM-Debüt als Bundestrainer gab, ist in weiter Ferne. Realistischer ist eher Rang 13 oder 14.

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Direkte Olympia-Tickets weit weg

Die Folgen sind unangenehm - auch für Cortina: In der Weltrangliste droht seinem Team, nach dem Verpassen der Olympischen Spiele von Sotschi ohnehin nur noch Elfter, ein weiteres Abrutschen.

Die Direkttickets für Olympia 2018, die in zwei Jahren vergeben werden, sind schon jetzt ganz weit weg.

Und die Frage, ob der Italo-Kanadier der Richtige ist, um die deutsche Mannschaft wieder an die Spitze heranzuführen, wird zwangsläufig kommen.

Bis 2015 läuft Cortinas Vertrag als Bundestrainer und Sportdirektor noch. Mit dem Aus in der Sotschi-Qualifikation hatte seine Amtszeit denkbar schlecht begonnen.

"Vom Viertelfinale haben wir nie gesprochen", sagte Cortina und betonte vor dem Spiel gegen Russland: "Das machen wir auch jetzt nicht. Wir schauen nur auf den nächsten Schritt."

Starker Torwart vermisst

In Minsk fehlt dem DEB-Team vor allem eine herausragende Führungspersönlichkeit wie NHL-Star Christian Ehrhoff im vergangenen Jahr. ( 885712 DIASHOW: Der deutsche WM-Kader )

Auch ein starker Torwart wird schmerzlich vermisst.

Der Berliner Rob Zepp, der in Helsinki noch mit den ersten beiden WM-Shutouts in Folge seit 77 Jahren deutsche Eishockey-Geschichte geschrieben hatte, ließ gegen Weißrussland fünf von 16 Schüssen passieren. ( 893357 DIASHOW: Die Bilder des Spiels )

"Unglücklich für ihn und unglücklich für uns", nannte Cortina die Leistung des Deutsch-Kanadiers.

Vor der WM hatte er auf NHL-Goalie Thomas Greiss freiwillig verzichtet.

Youngstern geht Puste aus

Besonders auffällig gegen die Gastgeber war jedoch, dass die zu WM-Beginn so starken Youngster die vielen fehlenden Routiniers nicht annähernd ersetzen können.

Supertalent Leon Draisaitl, beim 2:1 zum Start gegen Kasachstan noch als bester Spieler ausgezeichnet, vergab nicht nur leichtfertig zwei der besten Torchancen. Der 18-Jährige, der im Juni beim NHL-Draft ganz vorne erwartet wird, verursachte mit einem Puckverlust im Mitteldrittel auch das entscheidende 2:3 durch den überragenden Michail Grabowski (43.). SHOP: Jetzt Eishockey-Fanartikel kaufen

Dass die frühe 2:0-Führung zwei erfahrene Spieler erzielten, passte ins Bild: Die Tore des 28-jährigen Kai Hospelt (9.) und des 31-jährigen Alexander Barta (16.) reichten aber nicht.

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