Die Pleiten gegen die Schweiz und Finnland bringen dem DEB-Team eine schmerzliche Erkenntnis. Fürs Viertelfinale braucht es ein kleines Wunder.

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Von Raphael Weber, Sascha Bandermann, Alex Schlüter und Jonas Beck

München/Minsk - Bitter, enttäuschend, ernüchternd - die zweite Pleite in Folge bei der WM in Minsk (LIVE im TV auf SPORT1) hat Deutschland endgültig auf den Boden der Tatsachen zurück geholt.

Nach Finnland besiegte auch Alpen-Nachbar Schweiz das DEB-Team (Bericht) von Bundestrainer Pat Cortina, die gute Ausgangsposition nach dem Traumstart ist verspielt, fürs Viertelfinale muss jetzt schon ein kleines Wunder her. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Es wird schwer, aber wir geben nicht auf", versicherte Felix Schütz bei SPORT1: "Wir haben Charakter im Team und versuchen unser Bestes."

Dass das möglicherweise nicht genug ist, mussten er und seine Teamkollegen aber nicht erst gegen die Schweiz feststellen.

Harter Dämpfer gegen Finnland

"Wir hatten zwei gute Spiele. Das hat vielleicht ein paar Jungs ein bisschen zu euphorisch werden lassen", kritisierte Marcus Kink schon nach der 0:4-Klatsche gegen Finnland (Bericht).

Nach Pflichtsiegen gegen Kasachstan und Lettland hatte der Olympiadritte Deutschland die Grenzen aufgezeigt, den DEB-Cracks körperbetont den Schneid abgekauft und in der Offensive knallhart und eiskalt zugeschlagen.

"Die Finnen haben zu viel Platz gehabt und dann sind sie offensiv unfassbar", so Kinks treffende Analyse. SHOP: Jetzt Eishockey-Fanartikel kaufen

Nach dem ersten Reality-Check zeigte sich auch Cortina angefressen: "Wir waren nicht bereit, mit dem Kopf nicht bei der Sache. Das waren nicht wir."

Das junge deutsche Team war von Team Suomi in seine Schranken gewiesen worden, Qualität und Abgezockheit hatten sich deutlich gezeigt.

Bittere Pleite gegen die Schweiz

Gegen Vizeweltmeister Schweiz, bei der WM 2014 bis dahin noch ohne Sieg, sollte eigentlich alles besser werden. "Heiß" müsse man sein, "von der ersten Sekunde weg hart in die Zweikämpfe gehen", hatte Kink gefordert.

Doch nach 60 Minuten: wieder Ernüchterung. "Ganz bitter", beurteilte Cortina das 2:3 gegen die Eidgenossen: "Wir haben auf dem Eis alles gegeben, aber unsere Hände sind leer."

Die Schweizer Führung durch NHL-Profi Damien Brunner (13.) hatte Deutschland durch Shootingstar Thomas Oppenheimer knapp 100 Sekunden später ausgeglichen und tolle Moral gezeigt.

Taktische Fehler geben den Ausschlag

Doch wie gegen Finnland, als man im guten 2. Drittel in zwei Konter der Skandinavier lief, brachen taktische Fehler dem DEB-Team das Genick. (SERVICE: Die Statistiken der Eishockey-WM)

"Wir waren zu geil, den Ausgleich zu machen und waren hinten offen, das haben sie ausgenutzt", analysierte Constantin Braun das vorentscheidende 3:1 des Schweizers Kevin Romy (37.), nachdem Denis Hollenstein (33.) die Eidgenossen erneut in Front geschossen hatte.

"Wir waren nicht clever genug und haben uns nicht an den Plan gehalten, den wir uns vorgenommen haben", haderte Braun.

Cortina pflichtete ihm bei. "Im 2. Drittel waren wir nicht diszipliniert, haben nicht die richtigen Entscheidungen getroffen."

Auch wenn noch Pech dazu kam - Keeper Rob Zepp rutsche der Puck beim 0:1 durch, Alexander Barta traf in der Schlussminute nur die Latte - war auch die Niederlage gegen den Weltranglisten-7. Schweiz leistungsgerecht.

NHL-Stars fehlen

Denn ohne NHL-Stars wie Christian Ehrhoff (Buffalo Sabres), Alexander Sulzer (Buffalo Sabres/ab Herbst Kölner Haie) oder Dennis Seidenberg (Boston Bruins) fehlt Deutschland in den entscheidenden Momenten auch eine gewisse Qualität.

Neben Goalie Philipp Grubauer (Washington Capitals), der bisher nur gegen die Letten zum Einsatz kam, wird es zudem keine weitere Unterstützung aus der NHL geben.

Beim Abendessen in der Residenz des deutschen Botschafters in Minsk erreichte die Spieler die Nachricht: Marcel Goc wird nicht zur WM nachreisen.

Der Stürmer muss nach dem überraschenden Playoff-Aus seiner Penguins seine Fußverletzung auskurieren (News), drückt aber aus dem fernen Pittsburgh die Daumen: "Ich wünsche den Jungs alles Gute."

Punkte gegen Russland und USA müssen her

Bundestrainer Cortina muss somit auf die Steigerung der vorhandenen Spieler bauen. "Ich bin zufrieden mit dem Einsatz. Das war eher unser Gesicht als gegen Finnland", meinte Cortina nach dem Schweiz-Spiel.

Bei SPORT1.fm fügte er hinzu:"Wir mussten zurück in die Spur finden. Das haben wir geschafft. Mit so einer Leistung können wir Spiele gewinnen, darauf müssen wir uns konzentrieren."

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Die Hürde vor dem Viertelfinale hat allerdings eine stattliche Höhe: Deutschland ist nach vier Spielen Fünfter hinter Weißrussland und müsste zumindest die Gastgeber noch verdrängen, um die Gruppenphase zu überstehen.

Läuft alles normal, brauchen die DEB-Cracks dafür aber nicht nur den Pflichtsieg gegen die Weißrussen am Samstag (ab 15.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER), sondern auch aus den Duellen mit den Großmächten Russland und USA mindestens zwei Punkte.

Tunnelblick und Selbstvertrauen

"Wir dürfen nicht auf die Tabelle schauen. Noch ist alles möglich", gibt sich Cortina kämpferisch: "Es sind noch neun Punkte zu holen - davon wollen wir so viele wie möglich."

Dass das "keine leichte Nummer" wird, ist aber nicht nur Schütz klar.

Teamkollege Constantin Braun gibt sich dagegen selbstbewusst: "Für mich ist überhaupt nichts gegessen. Wir haben noch drei Spiele - warum sollen wir die nicht alle gewinnen? Dann sind wir auch im Viertelfinale."

In jedem Fall braucht Deutschland für die Runde der letzten Acht ein Quäntchen Glück: Wäre Russland, das bisher in beeindruckender Manier durch Gruppe B pflügt, schon vor dem Duell mit Deutschland am Sonntag (ab 19.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) durch, wäre ein Coup gegen die Sbornaja durchaus möglich.

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