Pat Cortina spricht im SPORT1-Interview über Disziplin, Leidenschaft an der Scheibe und Selbstverwirklichung auf dem Eis.

[kaltura id="0_fgs4fuvt" class="full_size" title=""]

Von Patrick Mayer

München - Bundestrainer Pat Cortina traut dem DEB-Team alles zu, wirklich alles.

Die Trainer der Testspielgegner verabschiedete er immer augenzwinkernd mit dem Verweis, dass man sich bei der WM in Weißrussland (LIVE im TV bei SPORT1) zweimal sehen werde, nach "mehr als acht Spielen" (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Die achte Partie für Deutschland wäre das Viertelfinale.

Der 49 Jahre alte Kanadier grinst dabei so schelmisch, als habe er einen Master-Plan ausgeheckt (Bericht: Cortinas Trümpfe und Sorgen). Er hat seiner Mannschaft in beinahe einem Monat Vorbereitung eingeimpft, deutsch zu spielen: einfach, geradlinig, willensstark. ( 885712 DIASHOW: Der deutsche WM-Kader )

Mit SPORT1 spricht Cortina vor dem Auftakt gegen Kasachstan (Sa., ab 11.30 LIVE im TV bei SPORT1) über Disziplin, Leidenschaft an der Scheibe und Selbstverwirklichung auf dem Eis.

SPORT1: Herr Cortina, warum kann Ihr Team bei der WM das Viertelfinale erreichen?

Pat Cortina: Die Weltmeisterschaft ist ein kurzes Turnier. Es ist alles möglich: Das Viertelfinale, aber auch ein schlechtes Abschneiden. Die Anfangsphase wird wichtig sein. Wir müssen ins richtige Gleis fahren fürs erste Spiel. Wenn wir in den ersten beiden Spielen unsere Leistung bringen, ist alles möglich. (NEWS: Cortina nominiert vorerst nur 23 Mann)

SPORT1: Alexander Barta sagte, dass es ein Muss ist, am ersten Wochenende zu punkten.

Cortina: Ja, aber es ist auch gefährlich, so zu denken. Vielleicht erzielen wir in den ersten beiden Spielen nicht die gewünschten Ergebnisse, aber unsere Leistung stimmt. Letztes Jahr haben wir das Viertelfinale nicht erreicht, aber die Leistung war gut. Und es war bis zum letzten Spiel noch nicht klar, ob wir das Viertelfinale erreichen oder nicht. Wir waren immer noch im Rennen.

SPORT1: Werden Sie ein definitives Ziel ausgeben?

Cortina: Unser Ziel ist ganz einfach: Wir wollen die Zeit genießen. Mit guter Arbeit können wir unsere Wochen in Minsk genießen. Ein Tabellenplatz vorherzusagen, ist schwer. Zu viele Faktoren bestimmen das Weiterkommen.

SPORT1: Sie sprechen von Genießen - und von Selbstverwirklichung?

Cortina: Das ist, was ich meine. Wir wollen unser bestes Eishockey spielen. Wenn wir das machen, sind wir glücklich. Wir können nicht das Endergebnis oder den Weg dorthin kontrollieren. Aber wenn wir unser bestes Eishockey gespielt haben, war es eine gute Weltmeisterschaft für uns.

SHOP: Jetzt Eishockey-Fanartikel kaufen

SPORT1: Und Sie reisen zufrieden wieder ab, wenn Ihr Team was gezeigt hat?

Cortina: Leidenschaft, Disziplin und Zusammenhalt. Und, wenn es uns gelingt, unseren Spielplan für 60 Minuten zu halten. Wenn wir in der Abwehrphase diszipliniert auftreten und konsequent mit unseren Chancen umgehen.

SPORT1: Da jeder zweite Versuch rein muss, weil man sonst keine Chance hat?

Cortina: Wir werden nicht zu viele Chancen bekommen, wenn es aber soweit ist, müssen wir etwas damit anfangen können.

[kaltura id="0_wez4yqys" class="full_size" title="Erstes Training in Minsk"]

SPORT1: Sie sprechen von Spielkontrolle. Was meinen Sie konkret?

Cortina: Wenn der Gegner nicht zu viele Torchancen bekommt. Das ist entscheidend für uns. Viel skaten gehört dazu und die Mittelbahn zu kontrollieren. Wir müssen stark in der Mitte sein. Wir können ihnen die Außenbahnen überlassen, die sind nicht so entscheidend.

SPORT1: Wie sieht das Verteidigen dann aus, mit einem dritten Mann in der Abwehr hoch zu stehen?

Cortina: Ja, so spielen wir. Der hohe dritte Mann ist wichtig für die Defensive aber auch für die Offensive. Aber die ersten beiden Spieler vorne sind auch sehr wichtig. Sie müssen zurückarbeiten und die Gegner in deren Rücken bedrängen.

SPORT1: Bisher hinterließen vor allem die Youngster im vierten Block eine sehr guten Eindruck...

Cortina: ... wir sind eine Mannschaft mit 12, 13 Stürmern. Wir haben keinen ersten, zweiten, dritten oder vierten Block. Jeder wird wichtig sein. Vielleicht spielt der eine in einem Spiel im vierten Block und dann im nächsten im zweiten. Schlüsselspieler und erfahrene Leute aus dem Vorjahr fehlen uns. Alles, was wir erreichen werden, werden wir erreichen, weil wir ein Team sind.

SPORT1: Es gibt andere Mannschaften, bei denen die Stars den Ausschlag geben, zum Beispiel Alexander Owetschkin bei Russland.

Cortina: Exakt. Wir haben vielleicht weniger Eishockey-Talent als andere Mannschaften. Der Zusammenhalt muss unserer Stärke sein. Wir müssen lernen, uns auf unser Spiel zu fokussieren und können nicht darüber spekulieren, wie stark oder schwach der Gegner aufgestellt ist.

SPORT1: Sie betonen immer wieder, dass Ihre Cracks 60 Minuten die deutsche Identität bewahren müssen.

Cortina: 60 Minuten wird nicht möglich sein, aber beinahe 60. Es wird Phasen im Spiel geben, in denen wir von unserem Game-Plan abweichen. Hoffentlich wird das nicht bestraft und hoffentlich können wir diese Phasen so gering halten wie möglich.

SPORT1: Eishockey ist also vor allem eine mentale Herausforderung?

Cortina: Sehr, vor allem bei einem kurzen Turnier. Wir reden von zwei Wochen. Da müssen wir ausgeglichen sein und daran glauben, was wir zu leisten imstande sind.

SPORT1: Abschließend ein anderes Thema: Es gab im Vorfeld der WM-Vergabe viel Kritik. Das Regime in Minsk gilt als autoritär.

Cortina: Das werde ich nicht kommentieren. Der Sport zählt. Die IIHF (der Eishockey-Weltverband Anmerk. d. Red.) hat bereits dazu Stellung genommen.

[kaltura id="0_zjwuzlo3" class="full_size" title="Mit dem DEB Team im Flieger nach Minsk"]

Weiterlesen