Pat Cortina (l.) ist seit September 2012 Bundestrainer. ZUM DURCHKLICKEN: Der DEB-Kader bei der Eishockey-WM © getty

Vor dem WM-Auftakt muss Bundestrainer Pat Cortina noch Schwächen ausmerzen. Aber es gibt auch Faktoren, die Mut machen.

Von Rainer Nachtwey

München/Minsk - Pat Cortina schmunzelt kurz, dann sprudelt es aus ihm heraus.

Und das, obwohl Cortina einer ist, der gerne erst etwas länger überlegt, ehe er antwortet. "Energie", sagt der Bundestrainer.

Immer wieder Energie. Wenn der DEB-Coach auf seine jungen Spieler wie Leon Draisaitl, Tobias Rieder oder Marcel Noebels angesprochen wird, nutzt er meist dieses Wort.

Und diese Jungstars geben den deutschen Eishockey-Fans Hoffnung, nachdem Deutschlands größter Starspieler Christian Ehrhoff für die am Freitag in Minsk beginnende Eishockey-WM (ab 15.40 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) verletzungsbedingt abgesagt hatte.

Diese Euphorie, die die Nordamerika-Importe verbreitet, ist einer der Punkte, die für eine erfolgreiche WM sprechen.

Vor dem Auftakt gegen Aufsteiger Kasachstan (Sa., 11.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) beleuchtet SPORT1 die Stärken und Schwächen der Truppe von Bundestrainer Cortina.

STÄRKEN

Jungspunde: Ob Draisaitl, Rieder, Noebels, Nürnbergs Yasin Ehliz oder der zuletzt weniger eingesetzte Dominik Kahun, die Jungs zeigen das, was Cortina sehen will. "Sie bringen viel Energie, Druck zum Tor, das direkte Spiel in unser Spiel", sagt der Bundestrainer.

Cortina profitiert bei seinen drei Nordamerika-Legionären auch von der Spielweise der kanadischen Juniorenligen und der AHL. Der Zug zum Tor - wenn es sein muss Scheibe samt Gegner ins Tor - wurde Draisaitl, Kahun, Rieder und Noebels in Übersee eingetrichtert.

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Torhüter: Die Goalie-Position war selten eine Schwachstelle im deutschen Team. Auch bei dieser WM gehört sie zu den Stärken. Selbst die Absage von 2010-MVP Dennis Endras fällt nicht so ins Gewicht, da sie von Rob Zepp, Philipp Grubauer und Danny aus den Birken gut aufgefangen wird ( 885712 DIASHOW: Der deutsche WM-Kader ).

Zepp scheint derzeit die Nase vorn zu haben. Cortina setzte in der Vorbereitung auf den gebürtigen Kanadier der Eisbären Berlin. Bei der vergangenen WM in Helsinki bewies Zepp mit zwei Shutouts in Serie, dass auf ihn Verlass ist.

Mit Philipp Grubauer hat er zudem eine bärenstarke Alternative im Kasten. Der gebürtige Rosenheimer, der während der Saison zwischen der NHL in Washington und dem Farmteam Hershey in der AHL pendelte, hat in der Nationalmannschaft noch eine blütenweiße Weste. Beim Debüt gegen Russland feierte er im ersten Spiel einen Shutout. Beim zweiten Einsatz gegen die USA, als er nur im Schlussdrittel eingesetzt wurde, hielt er ebenfalls seinen Kasten sauber.

Aufgrund der vielen Spiele - vier in den ersten fünf Tagen - werden beide, sowohl Zepp als auch Grubauer, zum Einsatz kommen. "Davon können Sie ausgehen", sagt Cortina zu SPORT1. "Es gibt noch keine Nummer eins."

Defensivleistung: Es sollte wieder das Prunkstück der deutschen Mannschaft werden. "Wir müssen wieder wie Deutschland spielen", predigt Cortina. Er meint damit, aus einer kompakten Defensive heraus. Wenig Torchancen zulassen und dann überfallartig mit viel Zug zum Tor.

Bis auf wenige Phasen hat seine Mannschaft das bisher gut umgesetzt. "Es ist sehr schwer gegen dieses Team, Torchancen zu erarbeiten", lobt auch US-Coach Peter Laviolette die Spielweise der Deutschen. "Sie machen es in der Defensive sehr eng, man muss unglaublich hart arbeiten."

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Stimmung im Team: Cortina achtet sehr genau darauf, dass es in der Kabine passt. "Wir müssen eine ausgeglichene Stimmung haben", sagt der Bundestrainer, "wenn die Spieler nicht ausgeglichen sind, ist es schwierig, erfolgreich zu spielen."

Daher baut der Italo-Kanadier viel auf die Einheit, die den Großteil der Vorbereitung mitgemacht hat. Und die Spieler danken es ihm. "Die Atmosphäre ist richtig gut", sagt Marcel Noebels zu SPORT1. "Es macht richtig Spaß, wieder zur Nationalmannschaft zu stoßen."

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SCHWÄCHEN

Verletzungsmisere: Die Absage von Christian Ehrhoff (Gehirnerschütterung) schmerzt. Nicht nur, weil dadurch einer der besten Verteidiger der NHL fehlt, es fehlt auch die Führungsfigur für die jungen Spieler.

Ehrhoff ist aber nicht der einzige Ausfall. Kapitän Michael Wolf, Alexander Sulzer, Andre Rankel, Jerome Flaake, Philip Gogulla und Patrick Hager waren als Eckpfeiler eingeplant. Und mit Marcel Goc und Korbinian Holzer stehen zwei Spieler aufgrund der NHL- und AHL-Playoffs nicht zur Verfügung.

Abschluss: Es ist die große Misere der vergangenen Jahre - und es ist das, was die deutsche Mannschaft von den Topteams unterscheidet. Bei der Schusseffizienz findet sich die DEB-Auswahl zumeist auf den letzten Plätzen der Statistikbögen wieder.

2013 Platz 16 (6,13 Prozent), 2012 Platz 12 (6,86), 2011 Platz 12 (8,0) und selbst bei der erfolgreichen Heim-WM 2010 Platz 14 mit 5,31. Zum Vergleich: Die Topteams rangieren bei 12 bis 14 Prozent.

Hinzu kommt, dass Cortina seine Mannen manchmal noch zu verspielt sind. "Wir müssen einfacher spielen. Wir schießen noch zu wenig. Wir haben gepasst, wenn wir hätten schießen müssen", sagt Cortina nach der verlorenen WM-Generalprobe gegen die USA.

Powerplay: Dieses Verspielte wirkt sich auch auf das Überzahlspiel aus. Bei der DEB-Auswahl ist es eine chronische Krankheit. Wie bei der Schusseffizienz findet sich die deutsche Mannschaft auch hier auf den letzten Plätzen wieder - zumeist bei einer Quote von unter zehn Prozent.

Schwächephasen: Gemeinsam mit der Abschluss- und Powerplay-Schwäche ist es der Punkt, der Cortina am meisten Kopfzerbrechen bereitet. Immer wieder hat seine Truppe Phasen, in denen sie kopflos, konzentrationslos agiert bzw. nur reagiert.

"Oft haben wir ein Drittel drin, in dem es nicht gut läuft, in dem wir viele Fehler machen und nicht so diszipliniert sind. Das darf bei einer WM nicht passieren", weiß auch Alexander Barta.

Jetzt müssen sie es nur noch abstellen.

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